Dax-Ausblick: Im Bann der Notenbanken

Dax-Ausblick: Im Bann der Notenbanken

, aktualisiert 16. Juli 2016, 13:04 Uhr
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In der neuen Börsenwoche sind alle Augen auf die Notenbank gerichtet.

von Jessica SchwarzerQuelle:Handelsblatt Online

Brexit? War da was? Die Märkte zumindest haben das EU-Referendum der Briten so gut wie abgehakt. In der neuen Börsenwoche rückt die Geldpolitik der EZB in den Fokus. Anleger können auf Fortsetzung der Aktienrally hoffen.

DüsseldorfGerade einmal drei Wochen ist es her, dass die Briten sich für den Austritt aus der Europäischen Union entschieden haben und die Märkte in heftige Turbulenzen gestürzt haben. Groß war wie Angst vor den wirtschaftlichen Folgen des Brexits. Doch diese Sorgen scheinen verflogen, zumindest spielen sie eine immer geringere Rolle an den Finanzmärkten.

Von ihren teils zweistelligen Kursverlusten haben sich die europäischen Aktienindizes längst erholt. Der Dax gewann allein in den vergangenen fünf Handelstagen mehr als vier Prozent. Das ist zwar der größte Wochengewinn seit einem Vierteljahr. Vor dem Wochenende ging dem Dax allerdings ein wenig die Puste aus. Nach dem starken Anstieg über die Marke von 10.000 Punkte seien gerade vor dem Wochenende Gewinnmitnahmen verlockend, erklärte Niall Delventhal, Marktanalyst von DailyFX.

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Und von seiner Bestmarke von 12.390 Punkten ist der Dax auch nach dem jüngsten Kursanstieg noch rund 20 Prozent entfernt. Die amerikanischen Aktienmärkte hingegen stürmten in der abgelaufenen Börsenwoche gar von Rekordhoch zu Rekordhoch. „Die Grundstimmung ist positiv“, betont Aktienmarkt-Experte Markus Huber vom Brokerhaus City of London. „Viele Händler sind der Ansicht, dass vor allem die europäischen Aktien noch einiges Aufwärtspotenzial haben.“

Doch noch immer gibt es einige Unsicherheitsfaktoren. „Sicherlich werden die politischen und (finanz-)wirtschaftlichen Börsen ihren Einfluss auf die Aktienmärkte behalten“, ist Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank, überzeugt. „Auch die italienische Bankenkrise birgt latentes Verunsicherungspotenzial.“ Die Argumente Zeitgewinn und uneingeschränkte geldpolitische Rettung, die auch vor Beugung von Stabilitätsregeln nicht Halt macht, würden jedoch von den Finanzmärkten ebenso hoch gewichtet. „Vor diesem Hintergrund zeigt sich der VDax Volatilitätsindex, der die mögliche Dax-Schwankungsbreite für die nächsten 30 Handelstage misst, bereits deutlich risikoentspannter und liegt ohnehin auf vergleichsweise sehr schwachem Niveau“, so Halver.

Ob die Rally weitergeht, hängt nicht zuletzt von den Notenbanken ab, die die Märkte noch immer mit billigem Geld fluten. Mit Spannung warten Anleger auf die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag. Die unverändert niedrige Inflation und eine mögliche Beeinträchtigung der Wirtschaft durch den Brexit hatten in den vergangenen Wochen Spekulationen auf zusätzliche Geldspritzen geschürt.

Bislang pumpen die Währungshüter monatlich 80 Milliarden Euro in die Finanzmärkte, um die heimische Konjunktur anzukurbeln und die drohende Deflation, eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen, abzuwenden.

Eine Ausweitung dieses sogenannten „Quantitative Easing“ (QE) sei vorerst nicht zu erwarten, sagt Commerzbank-Analyst Michael Schubert. Er erwartet, dass die EZB stattdessen wohl dazu übergehen werde, künftig auch Staatsanleihen mit einer Rendite unterhalb des Einlagenzinses von minus 0,4 Prozent zukaufen. Derzeit liegen sämtliche Papiere des Bundes mit einer Laufzeit bis einschließlich sieben Jahren unterhalb dieser Schwelle und sind damit für die EZB tabu.

„Die Alternativen wären deutlich problematischer“, so Schubert. Kaufe die EZB mehr Titel einzelner Emissionen, fielen deren Renditen weiter und damit auch diese Titel aus QE heraus. Und eine Abkehr von der aktuellen Verteilung der Gewichtung - die EZB kauft Bonds eines Landes abhängig von der Höhe des Eigenkapitals, welches ein Staat der Notenbank zur Verfügung stellt - sei nicht durchsetzbar.


Bilanzsaison nimmt Fahrt auf

Völlig vom Tisch ist das Thema Brexit aber auch in der neuen Woche nicht. Am Dienstag liefert der ZEW-Index Rückschlüsse auf die Laune der Börsianer in den Tagen nach dem Brexit-Referendum. So viel ist sicher: besonders gut war die nicht. Experten erwarten deshalb auch eine Halbierung auf neun Punkte.

Am Freitag folgen die Stimmungsbarometer der Einkaufsmanager aus Deutschland und der Euro-Zone. Auch hier müsse mit Einbußen gerechnet werden, erwartet Christoph Swonke, Chefvolkswirt der DZ-Bank. Ein Rutsch unter die Wachstumsschwelle sei aber nicht zu erwarten.

Deutlich stärker als die deutsche oder europäische Wirtschaft insgesamt, wird der Brexit die britische Wirtschaft treffen. Aufschluss darüber, wie stark, gibt am Dienstag der Internationale Währungsfonds (IWF). Der IWF legt seine Prognose zu den wirtschaftlichen Aussichten Großbritanniens vor. Nachdem die Bank von England (BoE) in der alten Woche überraschend auf eine Zinssenkung verzichtet hatte, erhoffen sich Börsianer von der IWF-Vorhersage Rückschlüsse auf den Umfang einer möglichen Lockerung der britischen Geldpolitik im August.

Am Donnerstag stehen die US-Frühindikatoren auf dem Terminplan. Am selben Tag veröffentlicht die Federal Reserve Bank von Philadelphia (Philly Fed) ihr Stimmungsbarometer. Von diesen Zahlen erhoffen sich Marktteilnehmer Hinweise auf Zeitpunkt und Tempo der geplanten Zinserhöhungen in den USA.

Neuigkeiten gibt es auch aus den Unternehmen, denn die Bilanzsaison nimmt langsam Fahrt auf. In den USA legen unter anderem die Großbanken Bank of America (Montag), Goldman Sachs (Dienstag), Morgan Stanley und American Express (jeweils Mittwoch) Zahlen vor. Halver glaubt nicht an positive Überraschungen. „In den USA setzt sich im Rahmen der Berichtsaison für das zweite Quartal der negative Gewinntrend von Corporate America zum fünften Quartal in Folge fort“, sagt der Kapitalmarktexperte. „Ein positives Gewinnwachstum in der Automobil- und Baubranche sowie bei Versorgern wird dabei von deutlichen Gewinnrückgängen im Energie-, Finanz- und Technologiesektor - den gewichtigsten Branchen im S&P 500 Index - überkompensiert. Insgesamt wurde dieser Dramatik zwar schon im Vorfeld durch gesenkte Gewinnerwartungen entgegengewirkt, so dass „positive“, jedoch wenig aussagekräftige Gewinnüberraschungen an der Tagesordnung sein dürften.“ Grundsätzlich fehle US-Aktien jedoch die gewinnseitige Unterstützung.

In Deutschland stehen am Mittwoch die Quartalszahlen von SAP auf dem Terminplan. Der Autobauer Daimler, der bereits einen überraschend hohen Betriebsgewinn bekannt gegeben hat, veröffentlicht am Donnerstag den Rest seiner Zwischenbilanz.

Quelle:  Handelsblatt Online
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