Dax-Ausblick: In der Sommerschwäche gefangen

Dax-Ausblick: In der Sommerschwäche gefangen

, aktualisiert 29. Juli 2017, 17:42 Uhr
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Das Wetter soll sich wieder verbessern, der Dax aber nicht.

von Susanne SchierQuelle:Handelsblatt Online

Die Bilanzsaison läuft auf Hochtouren. Doch die Furcht der Anleger vor schrumpfenden Gewinnen wird dem Dax auch in der neuen Woche zu schaffen machen. Vor allem der Euro-Kurs verhindert steigende Kurse.

Die Quartalssaison ist für viele Anleger nicht so angelaufen wie erhofft. Einige Unternehmen wie Bayer und Deutsche Bank enttäuschten zuletzt mit ihren Zahlen. Hinzu kommt, dass der starke Euro den Ausblick auf die nächsten Monate belastet. Immer neue Negativschlagzeilen aus der Autoindustrie machen das eingetrübte Bild komplett. All das hat den Dax am Freitag zeitweise unter die Marke von 12.100 Punkte gedrückt und dürfte auch in der neuen Handelswoche zu Belastungen führen.

Vor allem der starke Euro stand in der abgelaufenen Woche im Fokus: Zeitweise stieg er in der abgelaufenen Woche auf ein Zweieinhalbjahreshoch von 1,776 Dollar – nachdem Ökonomen noch vor ein paar Monaten mit einem Austauschverhältnis von 1:1 bei den beiden Währungen gerechnet hatten. Devisen-Experte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank erwartet, dass die Gemeinschaftswährung noch ein gutes Stück weiter steigen kann.

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Er betont allerdings, dass dies nicht an der „tollen Währung“ liege, sondern vor allem daran, dass der Dollar unter die Räder kommt: Die US-Notenbank Fed könne „den Markt nicht davon überzeugen, dass sie ihre jüngste Zinserhöhungsgeschwindigkeit beibehält“. Auch Claudia Windt von der Helaba hält eine dritte Zinserhöhung in diesem Jahr für unwahrscheinlich, da die Fed einen baldigen Einstieg in die Normalisierung ihrer Bilanzsumme angedeutet habe: „Die US-Notenbank wird wohl kaum einen weiteren Zinsschritt zusammen mit einem Abschmelzen der Bilanzsumme beschließen.“

Die Europäische Zentralbank (EZB) und ihr Präsident Mario Draghi zeigten sich angesichts des gestiegenen Euro-Kurses zuletzt noch entspannt. Doch eine zu schnelle Euro-Aufwertung könnte die Inflation im Euro-Raum bremsen. Daher dürften Anleger die anstehenden Konjunkturdaten nun umso genauer unter die Lupe nehmen – bereits am Montag steht die Entwicklung der Verbraucherpreise in der Euro-Zone im Juli auf der Agenda.

In Deutschland ist die Teuerung zuletzt überraschend um 1,7 Prozent gestiegen. Gleichwohl bleiben die Experten für die Euro-Zone zurückhaltend: „Die Inflationsrate im Euro-Raum dürfte im Juli ihren Abwärtstrend fortgesetzt haben, obwohl die Energiepreise im Vorjahresvergleich wieder stärker gestiegen sind. Wir erwarten einen Rückgang der Teuerungsrate auf 1,2 Prozent“, meint Commerzbank-Experte Christoph Balz. Die Kernteuerungsrate – also ohne Energie, Nahrungs- und Genussmittel – dürfte auf ein Prozent gesunken sein: „Dies wäre ein neuerlicher Dämpfer für die Inflationshoffnungen der EZB.“

Um weitere Hinweise auf das künftige Handeln der Fed zu bekommen, dürften die Anleger mit Interesse auf den monatlichen US-Arbeitsmarktbericht blicken, der am kommenden Freitag erwartet wird. Bereits am Montag gibt es bereits die Daten der privaten Arbeitsagentur ADP, am Dienstag folgen dann Informationen zu den US-Einkommen und den Ausgaben der Verbraucher.

Während in den Vereinigten Staaten nur noch wenige Schwergewichte wie Apple und Pfizer ihre Bücher öffnen und ansonsten vor allem Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe Quartalszahlen melden, steht die neue Handelswoche in Deutschland ganz im Zeichen der Berichtssaison. „Positive Impulse von den Unternehmen sind dringend notwendig, da die Erwartungshaltung des Marktes sehr hoch ist und die Kurse bereits viel vorweggenommen haben“, sagt DZ Bank-Analyst Michael Bissinger.

Am Dienstag öffnen unter anderem die Dax-Konzerne Fresenius und FMC sowie Heidelcement und Infineon die Bücher. Am Mittwoch folgen aus der ersten Börsenliga die Commerzbank, Deutsche Lufthansa und Vonovia. Eine wahre Bilanzflut rollt dann am Donnerstag auf die Anleger zu mit zahlreichen Dax-Werten wie Beiersdorf, BMW, Continental, Merck, Deutsche Telekom, ProSiebenSat1 und Siemens. Auch der Sportartikelhersteller Adidas, der bereits mit seinen vorläufigen Zahlen und einer Prognoseanhebung gepunktet hat, berichtet dann ausführlich.

Vor allem bei BMW dürften die Zahlen aber zweitrangig sein. Daimler und Volkswagen hatten bereits in der abgelaufenen Woche starke Quartalsberichte vorgelegt. Doch täglich neue Meldungen zu den aktuellen Kartellvorwürfen sowie der Dieselaffäre überschatteten diese, die Premium-Hersteller wurden mit Kursrückgängen abgestraft. „Die inzwischen sehr tiefen Bewertungen deuten darauf hin, dass das Risiko größerer Strafzahlungen bereits weitgehend eingepreist ist“, heißt es in einer Analyse der LBBW. „Dennoch dürfte das Risiko nachhaltiger Imageverluste sowie drohender Regulierungsmaßnahmen die Unternehmen noch eine Weile beschäftigen.“ Grundsätzlich bleibe der Dax weiterhin in seiner Sommerschwäche gefangen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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