Dax-Ausblick: Zwischen Hoffen und Bangen

Dax-Ausblick: Zwischen Hoffen und Bangen

, aktualisiert 03. September 2016, 11:04 Uhr
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Anleger warten auf die EZB-Sitzung am kommenden Donnerstag.

von Carsten HerzQuelle:Handelsblatt Online

Schwache Zahlen vom Arbeitsmarkt der USA geben den Börsen Auftrieb. Doch viele Investoren fragen sich weiter, wie nachhaltig die jüngste Erholung ist. Gespannt blicken die Anleger vor allem auf die EZB-Sitzung kommende Woche.

FrankfurtKommt die Korrektur? Oder kommt sie nicht? Viele Investoren sind noch immer nicht restlos überzeugt, dass das jüngste Zwischenhoch an den Börsen sich zu einem dauerhaften Trend entwickeln kann – auch wenn viele Experten den Dax Ende des Jahres bei über 11.000 Punkten sehen.

Es sind deshalb vergleichsweise spröde Zahlen, die am Freitagnachmittag in den Mittelpunkt des Interesses der Anleger rückten: Der Bericht vom US-Arbeitsmarkt, der – wie von vielen Börsianern erhofft – schwächer ausfiel als erwartet. Eine sehr starke Vorlage hätte den Markt dagegen auf Talfahrt geschickt.

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Doch die mäßigen Zahlen dämpften die Erwartungen, dass die US-Notenbank schon im September den Leitzins ein weiteres Mal anhebt, wie Analyst Ralf Umlauf von der Landesbank Helaba darlegte. Händler registrierten dies freudig, denn die Aussicht auf eine längere Niedrigzinsphase macht Aktien im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren attraktiver.

Viele Investoren konnten der Botschaft aus den USA deshalb etwas Gutes abgewinnen. Denn an den Aktienmärkten herrscht noch immer Unklarheit, wie genau nun die Äußerungen der Notenbanker während ihres Treffens vor gut einer Woche in Jackson Hole zu bewerten sind. „Ein positiver Arbeitsmarktbericht wäre ein viel stärkeres Signal für eine Zinserhöhung gewesen als die Worte der Fed-Chefin Janet Yellen und ihres Vize Stanley Fischer“, argumentiert Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.

Die schwächeren Daten sprechen dagegen dafür, dass die Fed weiterhin nur extrem behutsam an der Zinsschraube dreht und die EZB-Geldpolitik im Zweifel noch expansiver wird. Damit verschiebe sich „die relative Attraktivität noch weiter zugunsten von Dividendentiteln“, frohlockt die Helaba. So richtet sich in der neuen Woche der Blick der Aktionäre vor allem wieder nach Frankfurt am Main. Denn dort ist es die EZB, von der sich die Anleger nunmehr Impulse erhoffen. Am Donnerstag, den 8. September, trifft sich der EZB-Rat zu seinem geldpolitischen Treffen, mit anschließender Pressekonferenz.

Es sei gut möglich, dass der Rat bereits dann beschließt, das Anleihenkaufprogramm über März 2017 hinaus durchzuführen, mutmaßen mehrere Analysten. Dann würde er wohl auch die bisherige Einschränkung aufweichen, nur Anleihen mit Renditen oberhalb des Einlagezinses zu kaufen. Der Internationale Währungsfonds hat seine Prognose für das Wirtschaftswachstum im Euroraum aufgrund des Brexit-Votums bereits heruntergesetzt. Die EZB wird am Donnerstag voraussichtlich ebenfalls neue Projektionen veröffentlichen. „In der Folge könnten die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen zwar durchaus das obere Ende ihrer gut etablierten Spanne von minus 0,1 Prozent bis null Prozent testen, diese am Ende aber wohl kaum verlassen“, prognostiziert die Commerzbank.


Minus für das produzierende Gewerbe erwartet

Wie die deutsche Industrie das Negativzinsumfeld wegsteckt, werden die neuen Zahlen für das produzierende Gewerbe für den Monat Juli beweisen, die am Mittwoch morgen veröffentlicht werden. Für das gesamte produzierende Gewerbe wird mit einem Minus der Produktion von einem Prozent gegenüber Vormonat gerechnet, was Industriewerte an der Börse zur Wochenmitte möglicherweise leicht unter Druck bringen könnte.

Doch nicht nur Industriedaten sowie EZB-Chef Mario Draghi regen die Fantasie der Anleger an, sondern die Händler beschäftigen weiterhin auch die Planspiele der Topmanager in den deutschen Banktürmen. Denn der „Sommerflirt“ von Deutscher und Commerzbank elektrisiert die Investoren, wenn auch die Fantasie aus dem Thema nun etwas weicht. Zum Wochenschluss legten die zuletzt von Spekulationen auf Zusammenschlüsse getriebenen Bankenwerte zunächst eine Verschnaufpause ein. Zum Handelsschluss lag die Commerzbank jedoch mit 1,69 Prozent auf 6,55 Euro wieder im Plus. Die Deutsche Bank notierte 1,83 Prozent höher.

Größte Dax-Gewinner waren die Versorger. RWE stiegen um satte 5,62 Prozent, E.ON um 3,77 Prozent. Aktien von Adidas fielen hingegen nach einer Herunterstufung. Die Papiere gaben um 1,59 Prozent auf 145,45 Euro nach. Die Analysten von HSBC senkten ihre Bewertung auf „Hold“ von „Buy“. Das Kursziel hoben sie auf 162 von 130 Euro an. Nach den kräftigen Kursgewinnen seit Jahresbeginn von rund 65 Prozent sei es Zeit für eine Verschnaufpause. Fundamental betrachtet sei der Sportartikelhersteller immer noch attraktiv.

Insgesamt ging der wichtigste deutsche Börsenindex am Freitagabend mit 10.684 Punkten aus dem Handel, ein ordentliches Plus von 150 Punkten. Angesichts zuletzt schwächerer Konjunkturdaten und aus Respekt vor dem Angstmonat September üben sich Anleger vorerst lieber in verhaltenem Optimismus. Das muss kein schlechtes Omen für die neue Woche sein.

Quelle:  Handelsblatt Online
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