Dax: Deutsche lehnen Aktien ab

Dax: Deutsche lehnen Aktien ab

von Mark Fehr

Beim Dax-Geburtstag feiern nur wenige Deutsche mit. Sparer und private Anleger aus anderen Ländern Europas dagegen wollen künftig deutlich mehr Aktien kaufen.

Als „Börsenmuffel“ bezeichnet die comdirect Bank die Mehrzahl der Deutschen. Die Commerzbank-Tochter hat pünktlich zum Dax-Geburtstag eine Studie über das Anlageverhalten der Europäer veröffentlicht. Diese zeigt besonders bei den Deutschen eine geringe Neigung zu Aktienanlagen.

Danach wollen hierzulande lediglich18 Prozent in diesem Jahr Aktien kaufen, während in Polen 29 Prozent der Anleger planen, Geld in Anteilsscheine von Unternehmen zu stecken. Von den krisengebeutelten Spaniern wollen laut comdirect-Studie 26 Prozent in Aktien investieren. Vorstandschef Thorsten Reitmeyer beklagt, dass die meisten Europäer eher die in Aktieninvestments steckenden Chancen erkennen würden als die Deutschen: „Die Schweden etwa beweisen besonderen Mut zu Aktien. Viele Deutsche dagegen haben Vorbehalte“, sagt Reitmeyer.

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Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

  • Eigene Strategie festlegen

    Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

  • Widerstandskraft zeigen

    Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

  • Richtig mischen

    Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

  • Barrieren einbauen

    Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

  • Herdentrieb beobachten

    Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

  • Risiko rausnehmen

    Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

  • Insidern folgen

    Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

  • Geopolitische Ereignisse beachten

    Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie aktuell zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Entscheidende Wahlen wie jüngst in Russland und in diesem Jahr noch in Frankreich und den USA sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

  • Auf reale Werte setzen

    Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

  • Moden misstrauen

    Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Die comdirect, im Mai 2013 mit dem Titel „Beste Bank“ ausgezeichnet, bietet ihren Kunden neben kostenlosen Giro- und Sparkonten auch Online-Wertpapierdepots an. Dabei kassiert sie bei jedem Aktienkauf und -verkauf saftige Gebühren. Kein Wunder, dass sich der comdirect-Chef mehr Engagement der Deutschen beim Wertpapierhandel wünschen würde. Allerdings will er den deutschen Börsenmuffeln Aktien mit einem anderen Argument schmackhaft machen. Und dieses Argument hat es in sich.

„Wer heute sein Geld für den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge ausschließlich auf Sparkonten legt, tappt in die Niedrigzinsfalle“, sagt Reitmeyer. Schließen lasse sich die Lücke mit Aktien. Allerdings schwören nach wie vor die meisten Deutschen auf sichere Geldanlagen wie das gute alte Sparbuch. Dieses halten 77 Prozent für sicher, während nur 25 Prozent Aktien Vertrauen schenken. In Polen dagegen halten nur 51 Prozent der Anleger Sparbücher für sicher.

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Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Aktien bringen neben der Chance auf Kursgewinne und Dividenden auch die Gefahr großer Verluste, wenn die Börsen einbrechen oder das Unternehmen Pleite macht. Die Deutschen vertrauen daher eher der Einlagensicherung, die ihre Sparkonten im Falle eines Zusammenbruchs ihrer Bank sichern soll. Daran haben auch die negativen Realzinsen, also Sparzinsen unterhalb der Inflationsrate, nichts geändert.

Die Angst um Bankpleiten, bei denen wie im Fall Zyperns auch Spareinlagen zur Haftung herangezogen wurden, lässt die Neigung anderer Europäer zu Aktien in einem anderen Licht erscheinen. Die Lust der Spanier auf Aktien kann auch damit zu tun haben, dass sie ihren Banken nicht mehr trauen und daher lieber Wertpapiere kaufen, statt hohe Kontostände anzuhäufen.

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