Dax: Eine Kurs-Korrektur wäre gut

KommentarDax: Eine Kurs-Korrektur wäre gut

Bild vergrößern

Nicht mehr weit zur Parität: Der Euro notiert derzeit am tiefsten Stand seit mehr als zehn Jahren.

von Anton Riedl

Der Absturz des Euro zeigt deutlich: Die Angst vor steigenden Renditen verunsichert US-Anleger – und dürfte auch den Dax bremsen.

Der Absturz des Euro ist symptomatisch für die Lage an den Kapitalmärkten: Er spiegelt die Schwäche Europas wider und gleichzeitig die wachsenden Divergenzen in der Zinspolitik. Während es in Amerika immer mehr Anzeichen für eine Zinswende gibt, ist die in Europa nicht einmal am Horizont auszumachen. Mehr noch: Die hohen Erwartungen der EZB an die Wirtschaft könnten sogar zu einer Enttäuschung führen. Und damit zu einer Erweiterung der gerade gestarteten Anleihen-Kaufprogramme der EZB.

Mit gerade 1,07 Dollar notiert der Euro am tiefsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Bis zur Parität ist es nicht mehr weit. Aus kurstechnischer Perspektive könnten es sogar bis zu 0,85 Dollar werden - also in etwa das Niveau, auf dem der Euro gestartet ist.

Anzeige

Bei allem Wehklagen über die weiche Währung: Für die meisten deutschen Unternehmen ist sie eine Hilfe, mit der niemand gerechnet hat. Zusammen mit sehr niedrigen Energiepreisen (die Notierungen für Öl, Gas und Strom zeigen kontinuierlich nach unten) ist das derzeit die fundamentale Stütze für den deutschen Aktienmarkt. Davon profitieren besonders die in Dax- und MDax vertretenen Unternehmen mit ihren ausgedehnten internationalen Geschäftsanteilen.

Der Mix aus niedrigen Zinsen, günstiger Euro und billiger Energie wirkt derzeit stärker als die negativen Folgen der Russland-Krise. Kurz- und mittelfristig sollte sich an diesem Vorteil für die heimischen Märkte nichts ändern. Das ist auch der Grund, warum strategische Investoren wie Warren Buffett jetzt ausgerechnet deutsche und europäische Aktien entdeckt haben.

Gefahr aus Amerika

Eine Unsicherheit bleibt die Griechenland-Krise. Dennoch entwickelt sie sich aus der Sicht der Börse weiter wie bisher skizziert: Das Pokern um Reformen und Hilfszahlungen setzt sich fort, der Verbleib Griechenlands in der EU ist immer noch die wahrscheinlichste Lösung – auch wenn am Ende die Geberländer tiefer in die Tasche greifen müssen.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

  • Eigene Strategie festlegen

    Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

  • Widerstandskraft zeigen

    Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

  • Richtig mischen

    Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

  • Barrieren einbauen

    Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

  • Herdentrieb beobachten

    Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

  • Risiko rausnehmen

    Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

  • Insidern folgen

    Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

  • Geopolitische Ereignisse beachten

    Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie aktuell zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Entscheidende Wahlen wie jüngst in Russland und in diesem Jahr noch in Frankreich und den USA sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

  • Auf reale Werte setzen

    Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

  • Moden misstrauen

    Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Wenn es für die Aktienmärkte hierzulande eine Gefahr gibt, dann kommt die derzeit aus Amerika. Die wachsende Kritik an der Fed ist dabei der politische Rahmen. Der ist umso bedeutsamer, da die US-Wirtschaft weiterhin so robust ist und die Zinswende damit immer realistischer wird. Vor allem die Entwicklung am Arbeitsmarkt deutet darauf hin, dass Fed-Chefin Janet Yellen zu ihrem Wort stehen muss und früher oder später die Zinszügel anzieht.

Am Aktienmarkt sind die Folgen schon zu spüren. Beim jüngsten Rückschlag ist der Dow Jones sogar unter das Top vom Dezember gerutscht. Das ist ein klares Schwächezeichen. Nur noch drei Prozent Abstand hat der Dow von seiner steigenden 200-Tage-Linie. Das markiert zwar einen positiven Trendverlauf, ist aber weit vom überschäumenden Optimismus im Dax entfernt.

weitere Artikel

Der Abstand zur 200er-Linie beträgt hier derzeit 17 Prozent.

Fazit für die Börsen: Der lange Aufwärtstrend im Dax ist intakt, eine Abwärtswende ist nicht in Sicht. An den US-Märkten jedoch sind Ermüdungserscheinungen zu erkennen, die den Dow in den nächsten Wochen in Richtung 17.200 bis 17.500 drücken könnten.

Das dürfte dann auch den Aufwärtsdrang im Dax dämpfen. Wegen der fundamental guten Lage sollten die Rücksetzer aber spätestens im Bereich 11.000 bis 10.500 wieder aufgefangen werden. Für den langfristigen Aufwärtstrend wäre eine solche Korrektur nicht einmal ein Nachteil.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%