Dax-Rally: Die richtigen Aktien für neue Börsengipfel

Dax-Rally: Die richtigen Aktien für neue Börsengipfel

von Stefan Hajek, Niklas Hoyer, Christof Schürmann, Anton Riedl und Hauke Reimer

Geldschwemme und Mangel an Alternativen treiben die Kurse auf Rekordlevel, trotz eher mauer Konjunktur. Welche Aktien jetzt profitieren, wie Anleger ihr Depot intelligent steuern.

Wenn ein Schweizer Bankier aus dem Fenster springt, kann man ihm getrost folgen – da ist sicher noch Geld zu verdienen“, spottete der große Aufklärer Voltaire. Nun denn, folgen wir den Schweizern: Deren Notenbanker kaufen Aktien wie entfesselt. 15 Prozent ihrer Devisenreserven hatten sie Anfang April in Aktien, Papiere für knapp 67 Milliarden Franken (54 Milliarden Euro). Gemessen an der Entwicklung von Devisenreserven und Weltbörsen, dürften die Schweizer Nationalbanker von Januar bis April für rund 14 Milliarden Euro Aktien zugekauft und seither gut 200 Millionen Euro Kursgewinne verbucht haben. Auch die Zentralbanken von Japan, China und Korea wollen mehr Aktien kaufen. Was spricht für, was gegen steigende Kurse? Sollen Anleger rein oder raus aus dem Aktienmarkt?

Rein: Keine Euphorie

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Deutsche Privatanleger sehen der Hausse zu – wieder mal. 55 Prozent der Dax-Aktien, so Ernst & Young, liegen in ausländischen Depots. 2005 waren es 41 Prozent. Nur noch sieben Prozent lassen sich deutschen Privatanlegern zuordnen: Trotz historisch niedriger Erträge mit Zinspapieren halten sie nur noch 250 Milliarden Euro in Aktien, fünf Prozent der Vermögen. „Die Verluste aus den Jahren 2001 und 2002 wirken immer noch nach“, sagt der Münchner Anlage-Verhaltensforscher Andreas Beck.

Depotstrategie Solide Rendite, ruhiger Schlaf

Mit der richtigen Mischung aus Aktien, Anleihen, Tagesgeld und Gold fahren Anleger dauerhaft gut.

Goldbarren in unterschiedlicher Größe bei einem Goldhändler in München Quelle: dpa

Anders als 2000 werden Aktien noch nicht gehyped: „Weder grinst der Dax täglich von der Titelseite der ,Bild‘, noch drücken die Berater der Banken sie ihren Kunden aggressiv in die Depots“, weiß Philipp Vorndran, Anlagestratege bei Flossbach von Storch. Auch die Umfragen des Markttechnikers Joachim Goldberg signalisieren keine Euphorie. 40 Prozent der Profi-Anleger erwarten steigende, fast genau so viele – 37 Prozent – fallende Kurse. Solche Werte sind gesund: Wer optimistisch ist, hat schon Aktien gekauft, fällt also als künftiger Nachfrager am Markt eher aus. Auch Chartanalysten geben grünes Licht. Aus ihrer Sicht gibt der Dax-Anstieg über 8350 Punkte ein Kaufsignal: Damit wurden die Hochs aus den Jahren 2000 und 2007, die nur zäh zu überwinden sind, erstmals deutlich überboten. „Wir könnten am Beginn eines langfristigen Aufwärtstrends im Dax stehen“, sagt Jörg Scherer, Chef der technischen Analyse bei HSBC Trinkaus.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

  • Eigene Strategie festlegen

    Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

  • Widerstandskraft zeigen

    Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

  • Richtig mischen

    Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

  • Barrieren einbauen

    Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

  • Herdentrieb beobachten

    Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

  • Risiko rausnehmen

    Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

  • Insidern folgen

    Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

  • Geopolitische Ereignisse beachten

    Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

  • Auf reale Werte setzen

    Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

  • Moden misstrauen

    Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Rein: Kaum Börsengänge

Auch der Markt für Börsengänge (IPOs) signalisiert noch keine Überhitzung. Vielen Verkäufern sind die Preise, die sie an der Börse erzielen könnten, noch zu niedrig. Erst wenn die Kurse so weit oben sind, dass Unternehmen in Massen an die Börse drängen, droht Gefahr. „Der Markt kommt nicht in Gang“, ist das Fazit des Münchner TU-Professors Christoph Kaserer in einer Analyse für die Deutsche Börse, in der von einer immer noch „tief sitzenden Verunsicherung der Anleger durch die anhaltende Krise im Euro-Raum“ die Rede ist. Kein Wunder: Die beiden einzigen großen Börsenneulinge des Jahres 2013, LEG und Evonik, dümpeln trotz Dax-Rally unter ihrem Ausgabekurs dahin. Und die Pleite des Leuchtenherstellers Hess nur vier Monate nach seinem Börsengang und Ermittlungen gegen Börsenneuling JK Wohnbau verringern das Vertrauen der Anleger.

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