Dax-Sturz: Erneut Börsenangst vor dem Ende der Gelddruckerei

KommentarDax-Sturz: Erneut Börsenangst vor dem Ende der Gelddruckerei

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Verwirrte Börse: Erst freuten sich Anleger über gute Arbeitsmarktdaten aus den USA, dann bekamen sie Angst vor einem Ende der Geldschwemme

von Hauke Reimer

Die Anleger an den Börsen in den USA und in Europa scheinen mittlerweile völlig verwirrt zu sein. Gute Nachrichten sind am Ende bad news für die Börse.

Auf die US-Arbeitsmarktdaten für Juni, die offensichtlich besser ausgefallen sind als von Analysten vorhergesagt, reagierten die US-Börsen erleichtert. Konjunktur wird besser, Aktien gut, alles in Butter – so schienen die Amerikaner die US-Daten zu interpretieren. Das ist etwas überraschend, hatte Notenbankchef Ben Bernanke doch zuletzt ein von Anlegern gefürchtetes Zurückfahren der lockeren Geldpolitik immer davon abhängig gemacht, dass die Arbeitslosigkeit fällt. Der Ausstieg aus den Anleihekaufprogrammen (vulgo: aus der allgemeinen Gelddruckerei) rückt, wenn man Bernanke glaubt, ein Stück näher.

Die Aktienindizes in Europa, inklusive des Dax, reagierten dagegen wie erwartet. Gute Nachrichten sind bad news für die Börse. Der Dax knallte wieder locker unter die 8000 Punkte. Getrieben wurde das allgemeine Unbehagen zudem von deutlich schlechter als erwartet ausgefallenen Auftragseingängen der deutschen Industrie. Wenn Deutschland es nicht packt in Europa, wer dann? Die Börsen in Europa sahen also rot – obwohl Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank, ihnen am Donnerstag noch ein schönes Geschenk gemacht hatte, das Versprechen nämlich, die Zinsen noch ewig lange unten zu halten. Damit hatte er ein wahres Kursfeuerwerk ausgelöst – in Europa.

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Die USA, und damit ist ein Stück des Rätsels über die auf beiden Seiten des Atlantik so verschieden reagierenden Börsen gelöst, hatten am Donnerstag Independence Day. Die Börse war zu. Nasdaq und Dow Jones holten also erst mal nach, was Europa vorgelegt hatte. Der Draghi-Effekt spülte nach Amerika und milderte die Angst vor einer rigideren US-Notenbankpolitik ab. Zwei Stunden später reichte das dann auch nicht mehr und die Indizes drehten auch in New York ins Minus.

Was bedeutet das nun für den Dax-Anleger? Die ganze Zins- und Gelddruck-Rätselei zeigt am Ende nur: Börsen brauchen ab und an Argumente dafür, dass nach Kursanstiegen auch mal wieder Gewinne mitgenommen werden. Trader können solche Phasen nutzen, vorhersagen lassen sie sich leider nicht.

Wichtiger ist der große Trend. Und der wird gestützt von der ziemlich gesicherten Erkenntnis, dass Notenbanken und Regierungen weltweit es sich kaum erlauben können, die Politik des lockeren Geldes zu beenden. Kräftig ansteigende Zinsen würden die Schuldenkrise der Staaten weiter verschärfen und Konjunktur-Erholungstendenzen abwürgen. Zu einem gesunden Teil Aktien im Depot gibt es keine Alternative. Was „gesund“ ist, hängt vom Alter ab, also davon, wie lange der Anleger schwache Börsenphasen durchhalten kann.

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