Dax-Umfrage: Anleger begreifen Rückschläge aus Chance

Dax-Umfrage: Anleger begreifen Rückschläge aus Chance

, aktualisiert 19. September 2016, 17:18 Uhr
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Nervenzehrendes Auf und Ab: Welche Richtung schlägt der Dax langfristig ein?

von Georgios KokologiannisQuelle:Handelsblatt Online

Anleger erwarten, dass der Deutsche Aktienindex nur eine Pause einlegt. Gleichzeitig fürchten sie aber kurzfristig tiefere Kurse. Wie können sich Anleger jetzt positionieren?

FrankfurtDie jüngste Schwächephase am deutschen Aktienmarkt drückt auf die Stimmung der Anleger: Kurzfristig fürchten sie zunehmend eine Fortsetzung der Abwärtsbewegung, die den Dax vergangene Woche knapp drei Prozent einbüßen ließ, auf rund 10.300 Punkte. Auf lange Sicht dagegen ist eine hohe Investitionsbereitschaft zu beobachten. Das zeigen die Ergebnisse der Handelsblatt-Umfrage zur aktuellen Börsenstimmung.

Wöchentlich werden bei dieser Umfrage mehr als 2.300 Anleger gefragt, wie sie die Lage an den Aktienmärkten einschätzen. Die Ergebnisse bewertet Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx. Seine Prognosen zur Dax-Entwicklung sollen Orientierung für die Geldanlage bieten.

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Unter dem Strich wertet der Sentimentexperte den aktuellen Gemütszustand der Investoren tendenziell positiv. Es werde derzeit die Basis für die kommende Rally gelegt. „Die Stimmung trübt sich deutlich ein, gleichzeitig aber steigt der Zukunftsoptimismus“, so Heibel.

Bisher habe es für deutlich steigende Kurse zu wenige „Bären“ gegeben, die zu Käufern hätten bekehrt werden können – „es fehlten also Anleger, die als zusätzliche Käufer die Kurse nach oben treiben konnten“, erklärt Heibel den maßgeblichen Grund für seine zuversichtliche Interpretation.

Hintergrund: In der Sentimentanalyse wird unterschieden zwischen der aktuellen Stimmung, die häufig als Kontraindikator interpretiert wird, und der Markterwartung an die künftige Entwicklung. Und derzeit sehen viele Anleger die laufende Korrektur offenbar als Chance für Aktienkäufe, um an der von ihnen erwarteten Rally in den kommenden Monaten teilzuhaben.

Konkret: Mit 30 Prozent hat sich zwar das Lager derer verdoppelt, die in der aktuellen Dax-Bewegung einen Abwärtsimpuls sehen. Zulauf bekamen sie nach den Daten von Animusx vor allem von denjenigen, die noch vor einer Woche eine Bildung eines Zwischenhochs ausmachten (von minus zehn Prozent auf plus zwei Prozent). Mit 53 Prozent (minus zwei Prozentpunkte) sehen die meisten Anleger jedoch noch immer eine Seitwärtsbewegung im Dax, nur noch acht Prozent (minus fünf Prozentpunkte) erkennen eine übergeordnete Aufwärtsbewegung.

Spekuliert habe auf diese Entwicklung kaum jemand (minus zwei Prozent auf plus neun Prozent). Mit 76 Prozent (minus fünf Prozentpunkte) geben die meisten an, diese Entwicklung zum größten Teil oder kaum erwartet zu haben. Damit ist die Selbstzufriedenheit ebenfalls deutlich zurückgegangen, eine starke Verunsicherung ist jedoch noch nicht zu erkennen.

Auf Sicht von drei Monaten dagegen erwarten 39 Prozent steigende Kurse – ein Zuwachs um drei Prozentpunkte. Und nur knapp jeder sechste Befragte fürchtet einen anhaltenden Ausverkauf am Aktienmarkt – in der vorangegangenen Erhebung lag der Anteil der Langfristpessimisten noch sechs Prozentpunkte über dem aktuellen Stand.


Wie sollten sich Dax-Anleger jetzt positionieren?

„Nun würde ich langsam beginnen, schrittweise Positionen wieder aufzustocken“, lautet Heibels Empfehlung. Doch auch hier gelte es, vorsichtig zu sein. Je länger die Korrektur andauere und je stärker dadurch der Optimismus abnehme, desto stärker kann die folgende Aufholjagd ausfallen. Bilde der Dax aber zu früh einen Boden, könnte eine Erholungsbewegung ebenfalls früh wieder auslaufen.

Mit seinem vorangegangenen Handlungsvorschlag lag der Fachmann richtig: Als der Dax noch knapp 200 Punkte höher notierte als momentan, hatte Heibel dazu geraten, mit weiteren Käufen zunächst abzuwarten, bis der Leitindex wieder etwas tiefer steht.

Privatanleger der Euwax-Börse hatten sich dagegen in den vergangenen Wochen wieder stärker für steigende Kurse positioniert. „Ein Fehler, wie sich nun herausstellt“, resümiert Heibel. „Die Juli-Rally im Dax nach dem Brexit haben die meisten Anleger mit Short-Positionen schmerzhaft ansehen müssen, jetzt haben sie die Shortpositionen aufgelöst und sind 'long' gegangen, da bricht der Dax ein.“ Das Euwax-Sentiment habe diesmal perfekt als Kontraindikator funktioniert.

In den USA hat sich die technische Situation im S&P 500 in den vergangenen Tagen deutlich verbessert. Der Angst und Gier Index ist von 69 Prozent auf 43 Prozent eingebrochen. Der Volatilitätsindex „Vix“ ist angesprungen, das Put/Call-Verhältnis ist nach wie vor auf hohem Niveau, der Absicherungsbedarf der Anleger ist groß. „Für einen Boden müsste dieser Index noch unter 25 Prozent rutschen, um extreme Angst an den Finanzmärkten zu zeigen“, so der Sentimentexperte.

Institutionelle Anleger haben ihre Engagements in der vergangenen Woche drastisch von 91 Prozent auf 68,5 Prozent reduziert. Im Januar habe das Engagement schonmal bei unter 30 Prozent, bis dahin könnten Institutionelle laut Heibels Einschätzung noch eine Menge verkaufen. Doch eine Korrektur wie im Januar fürchte er diesmal nicht. Börsenbriefschreiber und Blogger geben nur noch zu 37,5 Prozent Kaufempfehlungen aus, ein Rückgang von den 43 Prozent der Vorwochen.

Zudem blieben Privatanleger in den USA skeptisch. Nur 27,9 Prozent seien bullisch gestimmt, Knapp zwei Prozent weniger als in der Vorwoche und deutlich weniger als im historischen Durchschnitt (38,5 Prozent). „Sowohl der bereits erfolgte starke Rückgang im Engagement der Instis als auch die große Skepsis unter Privatanlegern sprechen eigentlich gegen eine Ausweitung der Korrektur in eine Baisse“, erklärt Heibel seine Beurteilung der Situation an der Wall Street.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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