Dax-Umfrage: Anleger sind auf Schnäppchenjagd

Dax-Umfrage: Anleger sind auf Schnäppchenjagd

, aktualisiert 29. August 2016, 12:49 Uhr
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Anleger wollen tiefere Kurse sehen, bevor sie an der Börse wieder zugreifen. Das zeigt die aktuelle Sentiment-Umfrage.

von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Je länger der Dax keine neue Richtung einschlägt, desto gelassener werden Investoren. Und ihre Zuversicht steigt deutlich an. Was das für die kommenden Handelstage bedeutet und welches Überraschungspotenzial es gibt.

DüsseldorfMit Spannung hatten die Anleger weltweit auf die Rede der US-Notenbankchefin Janet Yellen gewartet. Sie verkündete aber am Freitagabend im Rahmen der Konferenz wenig Erhellendes. Sie hält sich die Möglichkeit einer weiteren Zinsanhebung im laufenden Jahr offen, kündigte jedoch gleichzeitig an, neue Instrumente für die Geldpolitik zu diskutieren.

In einer ersten Reaktion drehten die US-Märkte nach einer wenig spektakulären Woche nur leicht ins Minus. Auch am deutschen Aktienmarkt tat sich in den vergangenen Handelstagen wenig. Der Dax bewegte sich in der abgelaufenen Woche in einer extrem kleinen Handelsspanne um 10.575 Punkte und schloss mit einem knappen Wochenplus von 0,4 Prozent bei 10.588 Punkten.

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Eine Tendenz, die Börsenexperte Stephan Heibel aus der Handelsblatt-Umfrage vor einer Woche erwartet hatte. Denn die damalige Stimmungsumfrage sandte widersprüchliche Signale. Börsianer warteten auf Rücksetzer, um anschließend wieder zu kaufen. „Mit einer heftigen Korrektur rechnet derzeit niemand“, hieß es am vergangenen Montag.

Der Inhaber des Analysehauses Animusx wertet für seine Prognosen zur künftigen Dax-Entwicklung die Ergebnisse der wöchentlichen Handelsblatt-Umfrage unter mehr als 2.300 Anlegern aus. Diese Umfrage ermittelt die Börsenstimmung, also ob Anleger die aktuelle und die künftige Entwicklung positiv oder negativ beurteilen.

Laut der aktuellen Umfrage hat sich die bereits neutrale Stimmung der Vorwoche unter den Anlegern aufgrund dieser geringen Schwankungsbreite weiter verstärkt. 55 Prozent und damit plus 15 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche sehen den Dax in einer Seitwärtsbewegung. Nur noch 13 Prozent (minus zehn Prozentpunkte) erkennen einen übergeordneten Aufwärtstrend und 17 Prozent (plus zwei Prozentpunkte) fürchten den Beginn eines Abwärtsimpulses.

Auch die Selbstzufriedenheit ist entsprechend der moderaten Börsenentwicklung neutral. Jeder zweite Umfrageteilnehmer (minus sieben Prozentpunkte) fühlt sich in seinen Erwartungen mehr oder weniger bestätigt, knapp jeder Dritte (plus sieben Prozentpunkte) sieht seine Erwartungen kaum erfüllt. Nur noch acht Prozent der Anleger haben auf diese Seitwärtsbewegung spekuliert und jeder Zehnte wurde davon überrascht.

Diese Konsolidierungsphase ist für die Teilnehmer an der Handelsblatt-Umfrage offenbar eine gute Ausgangslage. Denn 42 Prozent (plus acht Prozentpunkte) erwarten nun für den Dax in drei Monaten steigende Kurse. Nur noch 26 Prozent (minus acht Prozentpunkte) gehen von einer Seitwärtsbewegung aus. Jeder Fünfte fürchtet einen Abwärtsimpuls. „Damit ist die Erwartungshaltung sehr optimistisch, aber noch nicht in einem extremen Bereich“, erläutert Heibel dieses Ergebnis.

Aber die Investitionsbereitschaft hinkt der optimistischen Stimmung hinterher. Nur 19 Prozent (minus zwei Prozentpunkte) wollen in den kommenden zwei Wochen ihre Aktienpositionen aufstocken, 17 Prozent (minus drei Prozentpunkte) wollen verkaufen. Die meisten genießen offensichtlich noch den Sommer und warten vorerst ab, der Anteil der Unentschlossenen steigt um fünf Prozentpunkte auf 64 Prozent).

„Je länger der Dax keine neue Richtung einschlägt, desto gelassener werden die Umfrageteilnehmer“, meint der Animusx-Inhaber. Vor dem Hintergrund der hohen Sommertemperaturen haben sich wohl viele Anleger aus ihren spekulativen Engagements verabschiedet und genießen den Sommer. Das Handelsvolumen ist denkbar gering, große Risiken werden nicht eingegangen.

Ähnliches zeigt auch das Sentiment der Stuttgarter Börse Euwax, das auf Privatanleger-Order in Hebelprodukten auf den Dax basiert. Nach extrem hohem Absicherungsbedarf in den vergangenen sechs Wochen, als Anleger von einem fallenden Markt ausgingen, notiert das langfristige Euwax-Sentiment nun wieder im neutralen Bereich.

Ganz ähnlich sieht auch Joachim Goldberg auf Basis seiner Sentiment-Umfrage der Frankfurter Börse die Stimmung unter institutionellen sowie privaten Anlegern. Eine positive Grundstimmung auf neutralem Niveau wertet er als Ausgangslage für eine Seitwärtsbewegung im Dax, sofern keine externen Ereignisse eine neue Richtung vorgeben.


Das Fazit der Umfrage

In den USA ist das Pendel des „Angst und Gier Indexes“, der auf technischen Daten wie beispielsweise der Volatilität basiert, auf 66 Prozent zurückgekommen. Die Überhitzung, die mit den neuen Allzeithochs der diversen US-Indizes einherging, ist damit abgebaut. Eine positive Grundstimmung bleibt jedoch auch dort. Immerhin verharrt auch die Investitionsquote der institutionellen Anleger mit 97,8 Prozent auf einem extrem hohen Niveau.

US-Blogger und Börsenbriefschreiber geben zu 43,5 Prozent Kaufempfehlungen aus, ein durchaus neutraler Wert. Und US-Privatanleger sind mit einer Bullenquote von nur 29,4 Prozent ziemlich skeptisch.

Wenn nun neue Instrumente der Fed diskutiert werden, dürfte sich laut Heibel die Stimmung in den kommenden Tagen zunehmend aufhellen. Im Gespräch sei eine Anhebung des Inflationsziels von zwei auf drei oder vier Prozent sowie ein Ankauf von festverzinslichen Papieren von Unternehmen, wie es in Europa durch die EZB bereits praktiziert wird.

„Es gibt derzeit keine konkreten Hinweise auf einen Auflösungsbedarf von irgendwelchen Positionen bei Anlegern“, fasst Heibel die Lage an den deutschen und den US-amerikanischen Börsen zusammen Im Gegenteil: In der Sommerpause hätten sich viele Anleger zunehmend neutral positioniert.

Die logische Konsequenz aus der neutralen Positionierung, der stark gestiegenen Zuversicht und der derzeit eher geringen Investitionsbereitschaft: „ Anleger rechnen oder hoffen sogar auf einen Ausverkauf an den Aktienmärkten, um sich für die künftigen Wochen mit Aktien günstig einzudecken“, meint Heibel. Doch oft entwickeln sich die Börsen nicht so, wie sich die Anleger es sich vorstellen oder wünschen. Das Überraschungspotenzial läge in diesem Fall bei einer heftigeren Korrektur bis unter 10.000 Punkte oder aber einem direkten Anstieg auf über 10.800 Punkte, ohne dass die Kurse vorher fallen.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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