Dax-Umfrage: Comeback der Zocker

Dax-Umfrage: Comeback der Zocker

, aktualisiert 30. Januar 2017, 15:16 Uhr
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Die Anleger sind in euphorischer Stimmung. Das zeigt die aktuelle Umfrage Dax-Sentiment. Zwar können die Kurse noch weiter steigen, doch eine Korrektur dürfte plötzlich kommen.

von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Der Dax markierte ein neues Jahreshoch, entsprechend stieg die Anleger-Stimmung. Es sind offenbar vor allem Trader, die von möglichen weiteren Kurssteigerungen profitieren wollen. Doch wie weit trägt diese Rally noch?

DüsseldorfVor einer Woche war für den Sentimentexperten Stephan Heibel klar: Früher oder später setzt sich an der Börse das positive Szenario durch. Eine Begründung für seine Meinung war die relativ niedrige Investitionsquote institutioneller Anleger. „Ich vermute, dass institutionelle Anleger auf einen kleinen Rücksetzer in der nun begonnenen Woche warten, um Aktien einzusammeln“, sagte Heibel von einer Wochen. Sie dürften also bei steigenden Kursen der Entwicklung hinterherlaufen und durch einen Zwang zum Investieren einer Rally weiteren Zündstoff geben.

Doch einen Rücksetzer gab es in der vergangenen Woche nicht. Im Gegenteil: Der Dax stieg bereits am vergangenen Dienstag rasant an, erreichte am Mittwoch mit 11.893 Punkten ein neues Jahreshoch und schloss am Freitag mit einem Wochenplus von 1,6 Prozent bei 11.819 Zählern.

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Für den Inhaber des Analysehauses Animusx war dieser Anstieg nicht die Folge der Vereidigung von Donald Trump zum US-Präsidenten, sondern das Resultat guter Konjunktur- und Unternehmensdaten. Die entscheidende Frage lautet nun: Wie weit kann diese Rally tragen? Um solch eine Prognose zu wagen, wertet Heibel die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment zur aktuellen Börsenstimmung unter mehr als 2300 Anleger aus.

„Die Stimmung ist bereits euphorisch“, stellt Heibel anhand der aktuellen Umfrageergebnisse fest. Das ist allein genommen eher ein Warnzeichen, dass die Notierungen an den Aktienmärkten bald fallen werden. „Doch Euphorie kann über einen kurzen Zeitraum anhalten, während die Kurse weiter steigen“, erläutert der Sentiment-Experte. Denn Euphorie nach steigenden Kursen ist keine Seltenheit, daher ist an dieser Stimmungslage vorerst nichts auszusetzen.

Wie hoch die Jubelstimmung ist, zeigt sich an den Einschätzungen zur aktuellen Kursentwicklung. Um 28 Prozentpunkte auf 45 Prozent ist das Lager derer angestiegen, die den Dax einen Aufwärtsimpuls sehen. Immerhin betrachten weitere 32 Prozent (plus elf Prozentpunkte) die aktuelle Bewegung als Topbildung, rechnen also nicht mehr weiter mit steigenden Kursen. Nur noch 19 Prozent (minus 33 Prozentpunkte) betrachten den deutschen Leitindex derzeit in einer Seitwärtsbewegung.

Und obwohl die Stimmung vor einer Woche noch neutral war, behauptet diese Woche jeder fünfte Anleger (plus acht Prozentpunkte), auf diesen Anstieg spekuliert zu haben. Knapp die Hälfte fühlt sich in ihrer Erwartung zum größten Teil bestätigt. Nur jeder Fünfte (minus fünf Prozentpunkte) sieht seine Erwartungen kaum erfüllt und jeder Zehnte wurde auf dem falschen Fuß erwischt. „Die Selbstzufriedenheit ist damit trotz der Euphorie noch auf einem verträglichen Niveau“, bilanziert Heibel.


Skeptische Erwartungshaltung

Nach wie vor dominieren Skeptiker die Erwartungshaltung, welche Entwicklung der Dax in drei Monaten nimmt. Das Lager der Pessimisten ist zwar um drei Prozentpunkte auf nur noch 32 Prozent der Umfrageteilnehmer geschrumpft, doch diese ehemaligen Skeptiker gehen nun von einer Seitwärtsbewegung des Index in drei Monaten aus (plus sieben Prozentpunkte auf 32 Prozent). Das Lager der Bullen konnte trotz der Euphorie nicht profitieren (minus acht Prozentpunkte auf 17 Prozent). Im langfristigen Durchschnitt ist die Erwartungshaltung der Anleger damit noch immer unterdurchschnittlich.

Doch von der angelaufenen Rally wollen dennoch viele Anleger profitieren. Nun will jeder Vierte (plus sechs Prozentpunkte) in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen, nur noch 18 Prozent wollen verkaufen. Nichts ändern wollen hingegen 57 Prozent der Anleger (minus vier Prozentpunkte. „Angesichts der verhaltenen Zukunftserwartung kann ich diese leicht angestiegene Kaufbereitschaft nur Tradern zuschreiben“, meint Heibel. Die kurzfristig agierenden Anleger würden im Falle eines weiteren Aktienmarktanstiegs bereits frühzeitig ihre Gewinne sichern.

Ein Blick auf andere Indikatoren zeigt: Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart spiegelt die Skepsis wider, denn nach wie vor dominieren die Absicherungsgeschäfte der Privatanleger, die sich vor Kursverlusten schützen wollen. Dieser Indikator wird anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den Dax ermittelt.

Joachim Goldberg, der das Anlegersentiment der Frankfurter Börse auswertet, weist auf den erfolgten Ausbruch des Dax nach oben hin und hält sich mit einer Interpretation über die Nachhaltigkeit aber zurück. Erst ein Rücksetzer werde Aufschluss über die Nachhaltigkeit geben: Dieser Rücksetzer dürfe die Marke von 11.550 Punkten nicht mehr unterschreiten.

In den USA zeigt der Angst-und-Gier-Index, der anhand technischer Marktdaten ermittelt wird, mit 57 Prozent nach wie vor eine neutrale technische Verfassung im S&P 500 aus. Institutionelle Anleger haben ihre Investitionsquote auf 99 Prozent hochgefahren und liegen damit im oberen Bereich der historischen Investitionsquote. Sprich: Viel mehr Kapital werden sie nicht mehr investieren können, sofern nicht frische Anlegergelder hinzukommen. Privatanleger in den USA hingegen werden ebenfalls skeptisch, nur noch 31,6 Prozent sind optimistisch für die künftige Aktienmarktentwicklung – mehr als fünf Prozentpunkte.


Euphorie darf nicht zu lange anhalten

„Bei der aktuellen Stimmung schaue ich gerne auf den Durchschnittswert der fünf vergangenen Umfragen“, erläutert Heibel. Die Erläuterung: Wenn die Börse nach oben ausbricht, dann ist Euphorie kein Warnsignal, sondern die logische Folge. Doch wenn diese Euphorie zu lange anhält, dann gibt es irgendwann keine neuen Käufer mehr, die noch einsteigen können. „Das zeigt dann dieser rollierende 5-Wochendurchschnitt gut an“, meint der Sentimentexperte.

Seit September 2014 gibt es wöchentliche Umfrage Dax-Sentiment und seitdem hat dieser Durchschnitt zwei Mal einen Wert von über 20 Prozent erreicht: Im März 2015 und Ende November 2015. Beide Male folgte anschließend eine kräftige Korrektur: April 2015 erreicht der Dax sein bisheriges Allzeithoch bei 12.390 Punkten und sackte anschließend bis Oktober des gleichen Jahres auf 9325 Zähler ab. Anschließend stieg das deutsche Börsenbarometer bis Ende November auf 11.400 Dezember des gleichen Jahres – um anschließend auf 8700 Zähler zu fallen.

Dieser Indikator notiert mit aktuell gut elf Prozent bereits auf einem hohen Niveau. „Doch da geht noch was“, so der Animusx-Inhaber. Die Stimmung kann noch gut ein oder zwei Wochen so gut bleiben, der Aktienmarkt könnte diesem Indikator zufolge gut noch ein wenig weiter steigen. Zumal ja mit dem Ausbruch nach oben gleichzeitig eine sehr große Skepsis über die künftige Entwicklung eingezogen ist. Es sei möglich, dass einige Skeptiker in den kommenden Tagen noch zu Optimisten bekehrt werden und durch Käufe der Rallye neuen Nährstoff zuführen.

Doch Vorsicht: Irgendwann jedoch werden die jüngst aus spekulativen Gründen eingestiegenen Trader ihre Gewinne mitnehmen, und dann könnte ziemlich schnell eine Korrektur kommen. Doch da es in den vergangenen Tagen eine ganze Reihe von ermutigenden Konjunkturdaten gab, sollte diese Rally die Aktienmärkte auf ein neues, höheres Niveau führen, bevor es zu kräftigen Korrekturen kommt.

Denn sollte eine Korrektur schon bald erfolgen, so haben die Konjunkturdaten viele Gründe geliefert, um bereits leicht rückläufige Kurse zum Ausbau von Positionen zu nutzen. „Anleger sind euphorisch - und zwar aus gutem Grund“, erläutert der Sentiment-Experte.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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