Dax-Umfrage: Dax führt Bären an der Nase herum

Dax-Umfrage: Dax führt Bären an der Nase herum

, aktualisiert 03. April 2017, 11:53 Uhr
von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Der deutsche Leitindex dürfte bald ein neues Allzeithoch markieren – und dann? Die Auswertung einer exklusiven Handelsblatt-Umfrage gibt Anlegern für die Zeit nach dem Rekordhoch eine eindeutige Handlungsanweisung.

DüsseldorfDer Dax hat in der vergangenen Handelswoche die Bären, die pessimistisch gestimmten Anleger, zum wiederholten Male an der Nase herumgeführt. Aus dem vermeintlichen Ende der Trump-Rally und dem vermeintlichen Beginn eines Bärenmarktes zum Beginn der Woche wurde einmal mehr im weiteren Wochenverlauf eine kurze Verschnaufpause mit anschließenden neuen Jahreshochs. Der deutsche Leitindex legte in der vergangenen Woche um 1,5 Prozent zu.

Diese Kursentwicklung dürfte Leser des Handelsblatt-Sentiments nicht überrascht haben. Am vergangenen Montag hatte Börsenexperte Stephan Heibel prophezeit: Wer will denn jetzt noch verkaufen, nachdem die Abschaffung von Obamacare gescheitert ist? Die Stimmung sei neutral, die Erwartung pessimistisch. Positionen wurden aufgelöst, Absicherungen gegen fallende Kurse eingegangen. „Fast noch entscheidender ist: Wer kann denn jetzt noch verkaufen?“, fragte er damals rhetorisch.

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Basis für diese Markteinschätzungen ist die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage unter mehr als 2.400 Anlegern. Sie werden zur aktuellen Marktlage und ihren Erwartungen zur Kursentwicklung befragt. Die Ergebnisse bewertet anschließend Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx. Seine Prognosen zur Dax-Entwicklung bieten Orientierung für die Geldanlage.

Auch das Ergebnis der aktuellen Umfrage bestätigt die Einschätzung, dass die Bären seltener werden. 22 Prozent der Anleger, die vor einer Woche noch eine Seitwärtsbewegung im Dax gesehen haben, und weitere sieben Prozent, die zuvor von einem Abwärtstrend ausgingen, haben diese Woche plötzlich Grund zum Feiern. Nur noch 17 Prozent betrachten den Dax in einer Seitwärtsbewegung.

Feierlaune macht sich bei 40 Prozent (plus 17 Prozentpunkte) breit, weitere 40 Prozent (plus 13 Prozentpunkte) registrieren die steigenden Kurse, gehen aber von einer Topbildung, also von einem baldigen Ende der Rally aus. Das kurzfristige Sentiment notiert damit bei 3,9 Prozent so hoch wie zuletzt im Januar. Zur Erinnerung: In der Umfrage vom 23. Januar 2017 notierte dieser Indikator bei 4,2 Prozent.

Auf steigende Kurse haben nur 22 Prozent (plus elf Prozentpunkte) der Anleger spekuliert, gut jeder zweite Umfrageteilnehmer (minus drei Prozentpunkte) fühlt sich jedoch in seiner Erwartung zum größten Teil bestätigt. Überrascht von der Entwicklung wurde jeder Zehnte, weitere 17 Prozent (minus zehn Prozentpunkte) sehen ihre Erwartungen kaum erfüllt. Damit ist die Selbstzufriedenheit der Anleger sprunghaft angestiegen und ebenfalls auf ähnlich hohem Niveau wie im Januar.


Hoher Pessimismus

Die große Überraschung: Trotz Feierlaune ist der Pessimismus über die künftige Aktienmarktentwicklung nach wie vor auf Rekordniveau: Unverändert 38 Prozent erwarten für den Dax in drei Monaten fallende Kurse, weitere 29 Prozent (plus vier Prozentpunkte) gehen von einer Seitwärtsbewegung aus. Nur 16 Prozent (minus vier Prozentpunkte) erwarten für den Dax weiter steigende Kurse und 13 Prozent (plus zwei Prozentpunkte) gehen von einer Topbildung innerhalb der kommenden drei Monate aus.

„Es ist der höchste Pessimismus zur künftigen Kursentwicklung, den wir jemals im Rahmen unserer Handelsblatt-Umfrage hatten“, analysiert Animusx-Inhaber Heibel. Mit minus 3,6 Prozent wurde der Rekordwert der Vorwoche (minus 3,1 Prozent) nochmals deutlich unterboten. Das Abstimmungsverhalten zeigt: Viele Anleger haben offenbar bereits verkauft oder warten ab, bis sie mit einer optimistischen Einstellung wieder in den Markt einsteigen.

So wollen nur noch 19 Prozent (minus zwei Prozentpunkte) der Anleger in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen, jeder Fünfte plant, zu verkaufen. Mit 61 Prozent ist weiterhin fast jeder Dritte unentschlossen über seine nächste Aktion. Damit ist auch die Investitionsabsicht auf einem extrem niedrigen Niveau.

Privatanleger haben auch ihrer pessimistischen Erwartung Taten folgen lassen: Wie schon vor einer Woche wird auch aktuell der Schutz vor fallenden Kursen groß geschrieben. Das ist ablesbar am Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der vor allem Privatanleger handeln. Dieser Indikator basiert auf realen Trades mit Hebelprodukten auf den Dax. Institutionelle Anleger, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern, sind hingegen neutral positioniert.

In den USA zeigt der technische Angst-und-Gier Index des S&P 500 mit 43 Prozent moderate Angst, liegt eher im neutralen Bereich. Die Investitionsquote institutioneller US-Anleger bleibt mit 69 Prozent nun in der zweiten Woche auf einem niedrigen Niveau. US-Privatanleger sind ebenfalls neutral bis leicht „bärisch“ gestimmt.

Das Fazit dieser Indikatoren: „Aus Sicht der Sentimentanalyse spricht nichts gegen ein neues Dax-Allzeithoch“, fasst Heibel zusammen. Die Stimmung sei zwar sehr gut, das gilt eher als ein Kontraindikator. Aber dank großer Zukunftsskepsis gebe es noch ausreichend trockenes Pulver am Wegesrand, das den Dax weiter anfeuern kann. „Eine Rally endet in der Regel nicht durch überbordenden Pessimismus, sondern eher durch Euphorie, die auch eine ungewisse Zukunft in rosarote Farben taucht“, erläutert der Sentimentexperte.


Nicht die Stimmung für einen Bärenmarkt

Sowohl in Deutschland als auch in den USA ist aber von Euphorie kaum die Rede, hierzulande gebe es lediglich berechtigte gute Laune. Zur künftigen Entwicklung herrsche überall große Skepsis und in den USA wurden die Positionen verkleinert, während in Deutschland zumindest Privatanleger bereits kräftig „Puts“ zur Absicherung gegen den Ausverkauf gekauft haben. „Das ist nicht die Stimmung, die für einen beginnenden Bärenmarkt typisch ist“, so der Börsenfachmann.

Im Gegenteil: Es gibt angesichts der niedrigen Investitionsquote reichlich Anleger, die im weiteren Verlauf der Rally feststellen können, zu wenig am Aktienmarkt involviert zu sein. Die werden mit ihren Käufen die Kursgewinne dann noch vergrößern. „Ich gehe daher kurzfristig davon aus, dass die Rally noch ein wenig weiter gehen wird“, so der Animusx-Inhaber

Heibel schaut sich wöchentlich auch weitere Indikatoren der US-Börsen an. So zeigen weitere Details vom „Angst-und-Gier Index des S&P 500“ an: Der S&P 500 notiert weiter über seinem gleitenden 125-Tagesdurchschnitt und damit höher als im Durchschnitt der vergangenen zwei Jahren. Damit deute sich ein sich beschleunigendes Kurswachstum an.

„Auch die Bären werden irgendwann einmal Recht bekommen. Vorzugsweise dann, wenn kaum einer nicht mehr damit rechnet“, meint Börsenexperte Heibel. Seiner Meinung nach wird der Dax in den kommenden Tagen ein neues Allzeithoch markieren. Doch dann sei es an der Zeit, eine Verschnaufpause einzulegen: Ein paar Gewinne sichern, neu ordnen und erst anschließend entscheiden, wie man sich weiterhin am Aktienmarkt positioniert.

„Aus dem Bauch heraus glaube ich, auch die nun zu erwartende Verschnaufpause dürfte überschaubar bleiben und die Rally könnte anschließend noch ein paar Wochen weitergehen“, meint der Sentimentexperte. Gegen diese Ansicht spricht die Saisonalität: Ab Mai beginnen oftmals sehr schwache Börsenwochen, die häufig bis in den Juli hinein andauern. Erst im Herbst würde es dann wieder deutlich nach oben gehen.

Welches dieser beiden Szenarien nun kommen wird, da möchte sich Heibel noch nicht festlegen. „Doch beide Szenarien sind mittelfristig bullisch und entsprechend sollten Sie meiner Meinung nach nicht alle Ihre Positionen versilbern, wenn wir das Allzeithoch erklimmen, sondern nur ein wenig auflösen und umstrukturieren.“

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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