Dax-Umfrage: „Der Rally geht bald die Luft aus“

Dax-Umfrage: „Der Rally geht bald die Luft aus“

, aktualisiert 18. September 2017, 13:08 Uhr
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Handelssaal in Frankfurt.

von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Vor drei Wochen signalisierte das Handelsblatt-Dax-Sentiment eine Trendwende an den Börsen – seitdem hat der Dax fünf Prozent zulegt. Doch nun hat sich die Börsenstimmung geändert. Worauf Anleger achten sollten.

DüsseldorfIn nur drei Wochen konnte der Dax um fünf Prozent zulegen, allein in der vergangenen Handelswoche kam ein Plus von 1,7 Prozent hinzu – der Frankfurter Leitindex schloss am Freitag bei 12.518 Punkten. Diese Trendwende hatte das Dax-Sentiment damals richtig vorhergesagt. Der fünfwöchige Stimmungsdurchschnitt rutschte vor drei Wochen auf einen Extremwert (siehe Grafik). „Die Stimmung war damals so schlecht, dass weitere Kursverluste des Börsenbarometers unwahrscheinlich waren“, meint Börsenexperte Stephan Heibel, der die wöchentliche Umfrage unter mehr als 2600 Anlegern auswertet.

Damit hat der fünfwöchigen Stimmungsindikator erneut seine Treffsicherheit unter Beweis gestellt. Immer dann, wenn dieser Indikator einen Extremwert erreicht hatte, kam es zu einer Trendwende am deutschen Aktienmarkt – wie zuletzt im Februar 2016.

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Nach einem Dax-Plus von fünf Prozent in den drei Wochen stellen sich die Anleger zwangsläufig die Frage: Geht nun der Rally die Puste aus oder kann sie nochmals an Fahrt zulegen?

Darauf gibt der Sentimentexperte eine klare Antwort: „Ich bleibe bei meiner Einschätzung, dass dieser Rally nun langsam die Luft ausgehen wird, wenn keine neuen Kurstreiber mehr auftauchen.“ Zu schnell habe sich die ehemals niedergeschlagene Stimmung aufgehellt. Zudem sei in dieser Woche der Zukunftsoptimismus deutlich gesunken, gleichzeitig steige die Verkaufsabsicht der Anleger. „Das muss nicht gleich fallende Kurse zur Folge haben, aber eine Phase der Konsolidierung ist nun sehr wahrscheinlich.“

Hinter solchen Umfragen zur Börsenstimmung wie das Handelsblatt Dax Sentiment stehen zwei Annahmen:

  1. Wenn die große Masse von Anlegern bereits investiert hat, bleiben eben wenige übrig, die noch zusätzlich kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten; umgekehrt gilt natürlich Entsprechendes: Wenn die Anleger mehrheitlich nicht investiert haben, können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

  2. Wenn Anleger investiert haben, werden sie sich optimistisch über den erwarteten weiteren Kursverlauf äußern, wenn sie nicht investiert haben, pessimistisch. Denn für den zukünftigen Verlauf von Wertpapieren etwa pessimistisch zu sein, aber gleichzeitig investiert zu haben, würde unter normalen Umständen wenig sinnvoll erscheinen.

Laut aktueller Umfrage hat als Folge der guten Börsenentwicklung die Stimmung unter den Anlegern nochmals zugelegt. Jeder dritte Umfrageteilnehmer (plus zehn Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) sieht in der aktuellen Dax-Entwicklung einen Aufwärtsimpuls, 15 Prozent (plus zehn Prozentpunkte) betrachten dies als Topbildung. Nur noch 45 Prozent (minus neun Prozentpunkte ) gehen von einer Seitwärtsbewegung aus. Damit ist die Stimmung außerordentlich gut, aber noch nicht exzessiv.


Privatanleger kaufen verstärkt Absicherungen gegen fallende Kurse

Die Selbstzufriedenheit verharrt auf dem durchschnittlichen Niveau der Vorwoche. 17 Prozent (plus sieben Prozentpunkte) geben an, auf diese Rally spekuliert zu haben, weitere 53 Prozent (minus sechs Prozentpunkte) haben steigende Kurse zum größten Teil erwartet. Vermutlich unterinvestiert sind 23 Prozent (minus ein Prozentpunkt ) der Umfrageteilnehmer, denn ihre Erwartungen haben sich kaum erfüllt. Unverändert sieben Prozent wurden sogar auf dem falschen Fuß erwischt.

Mit diesem Kurssprung hat sich der Zukunftsoptimismus der Vorwochen plötzlich verflüchtigt. Nur noch 45 Prozent glauben an steigende Aktienkurse in drei Monaten, acht Prozentpunkte weniger als vor einer Woche. Dafür erwarten mit 27 Prozent (plus acht Prozentpunkte) mehr Anleger eine Seitwärtsbewegung. Einen Abwärtsimpuls fürchten nur 16 Prozent (plus ein Prozentpunkt).

Weiterhin 28 Prozent der Anleger wollen in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen, allerdings möchten nun deutlich mehr Anleger verkaufen. Deren Zahl steigt um vier Prozentpunkte auf 15 Prozent. Die Verkaufswilligen kommen aus dem Lager der ehemals unentschlossenen, das nun auf 57 Prozentpunkte geschrumpft ist.

Das Euwax-Sentiment der gleichnamigen Börse in Stuttgart ist auf minus 5,6 Punkte gefallen, Privatanleger kaufen also wieder verstärkt Absicherungsprodukte gegen fallende Kurse. Auch institutionelle Anleger, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern, haben wieder mehr Puts gekauft, deren Kurse bei fallenden Notierungen steigen. Das Put/Call-Ratio ist auf 2,1 angesprungen.

In den USA zeigt der technische Angst und Gier Index des Börsenbarometers S&P 500 mit 68 Prozent eine langsam wachsende Gier an, was ein Indiz für künftig fallende Kurse gilt. Die institutionellen US-Anleger haben ihre Investitionsquote hingegen auf 70 Prozent verringert. Das ist die niedrigste Investitionsquote seit diesem Frühjahr. US-Privatanleger sind diese Woche in Scharen ins Lager der Bullen geströmt. Der Bulle/Bär-Index ist auf 19 Prozent angesprungen.

„Die Aussicht auf eine friedliche Lösung des Nordkorea-Konflikts wurde vergangene Woche in die Aktienmärkte eingepreist“, meint Heibel zur vergangenen Handelswoche. Nun folge eine Phase, in der diese neue Überzeugung auf den Prüfstand gestellt werde. Und das könne immer wieder zu Verunsicherung führen, wie beispielsweise am Freitag nach dem erneuten Raketentest Nordkoreas.

Zudem dürfen sich Anleger auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed in dieser Woche freuen. Aus konjunktureller Sicht könnte Fed-Chefin Janet Yellen ihre beabsichtigten Zinsschritte weiter verzögern. „Doch ob sie das schafft, ohne das Vertrauen in die Notenbank zu schädigen, bleibt abzuwarten“, meint der Inhaber des Analysehauses Animusx. Kritiker der Liquiditätsflutung würden sich bestätigt fühlen, dass die Rückführung der Liquidität nicht gelingen könne, wenn Yellen kein verlässlicher Ausblick auf eine weitere Straffung der Geldpolitik gelinge.

„Für eine Fortsetzung der Rally nach einer kleinen Pause wäre es aus Sentimentsicht hilfreich, wenn wir kurzfristig nochmals eine Verunsicherung unter den Anlegern sehen“, meint der Experte für Börsenstimmung. Seiner Meinung nach wollen viele Anleger nach den deutlichen Kursanstiegen Gewinne mitnehmen. „Es braucht nun etwas Zeit und entsprechende Meldungen, um diese Verkäufe auch in die Tat umsetzen zu lassen. Erst danach sollte die Rally meiner Einschätzung nach wieder Fahrt aufnehmen.“

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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