Dax-Umfrage: Die Bären gewinnen die Oberhand

Dax-Umfrage: Die Bären gewinnen die Oberhand

, aktualisiert 13. Februar 2017, 15:39 Uhr
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Die Plastiken von Bulle und Bär, die beiden Symbole für Optimismus und Pessimismus an der Börse, stehen vor der Deutschen Börse in Frankfurt. Die Anleger werden immer pessimistischer, doch mittelfristig dürften laut dem Handelsblatt-Sentiment die Kurse weiter steigen.

von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Die Kurse steigen, doch immer mehr Anleger erwarten beim Dax in naher Zukunft fallende Notierungen. Eine exklusive Analyse zeigt, wie sich solch eine Stimmung auf die Aktienmärkte auswirken dürfte.

Düsseldorf„Anleger haben ihre spekulativen Positionen verkauft und warten auf neue Impulse an den Aktienmärkten.“ Das war am vergangenen Montag für Stephan Heibel nach Auswertung der Handelsblatt-Umfrage zur Börsenstimmung klar. Neue Impulse aber blieben aus, der Dax ging nahezu unverändert aus der Handelswoche.

Dadurch erwies sich auch die zweite Prognose als richtig: Heibel rechnete vor einer Woche nicht mit einem Unterschreiten der 11.200 Punkte im Dax. Er begründete das am vergangenen Montag mit der geringen Investitionsquote der Profi-Anleger. Diese hatten ihre Engagements am Aktienmarkt in die Trump-Rally hinein stark verkleinert.

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Wöchentlich werden bei der Handelsblatt-Umfrage zur Börsenstimmung mehr als 2.300 Anleger befragt. Daraus leitet Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx seine Einschätzungen ab, wie sich der Dax in den kommenden Handelstagen entwickeln könnte.

Doch das gestaltet sich derzeit schwierig. „Die Stimmung unter den Anlegern ist unverändert geblieben und weist wie in der Vorwoche eine Reihe von Widersprüchen auf“, erläutert er. Am vergangenen Montag war die Einschätzung richtig, dass Anleger abwarten werden: In der Folge hatte sich der deutsche Leitindex Dax nur seitwärts bewegt, das Handelsvolumen war vergleichsweise gering.

Laut Auswertung der aktuellen Umfrage erkennt nach wie vor knapp die Hälfte der Anleger eine Seitwärtsbewegung. Gut jeder Vierte (plus sieben Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) erkennt einen Aufwärtsimpuls im Dax; 19 Prozent fürchten jedoch, dass der aktuelle Stand bereits eine Topbildung markiert und der Leitindex bald schwächer notiert. Nur noch sechs Prozent sehen den Beginn eines Abwärtsimpulses.


Die Zahl der Käufer geht zurück

Auf die Seitwärtsbewegung haben zwölf Prozent (plus fünf Prozentpunkte) spekuliert. Fast jeder Zweite fühlt sich zum größten Teil in seiner Erwartung bestätigt, weitere 31 Prozent sehen ihre Erwartungen kaum erfüllt. Acht Prozent der Umfrageteilnehmer wurden auf dem falschen Fuß erwischt.

Die Erwartung an den Dax ist erstaunlich negativ. Gut jeder Dritte fürchtet in drei Monaten fallende Kurse, 28 Prozent hoffen auf steigende Kurse, genauso viele erwarten eine Seitwärtsbewegung. „Damit ist die Erwartungshaltung der Anleger im historischen Vergleich nach wie vor sehr pessimistisch“, erläutert Heibel.

Entsprechend möchte kaum jemand in den kommenden zwei Wochen seine Aktienpositionen ausbauen. Die Zahl der Käufer sinkt im Vergleich zur Vorwoche um zwei Prozentpunkte auf 17 Prozent. Da Anleger ihre Positionen jedoch bereits glattgestellt haben, möchte auch kaum jemand verkaufen: Ebenfalls nur 17 Prozent wollen sich von Aktien trennen. Also stellen mehr Umfrageteilnehmer ihre Investitionspläne zurück und warten auf neue Impulse ab. Deren Anteil steigt um zwei Prozentpunkte auf 66 Prozent.

Die neutrale, abwartende Haltung zeigt auch das Euwax-Sentiment der Privatanleger-Börse Stuttgart. Der Indikator wird anhand von realen Transaktionen mit Hebelprodukten auf den deutschen Leitindex ermittelt. Bei diesem Sentiment wurden die großen Absicherungspositionen des Jahreswechsels inzwischen aufgelöst.

An der Terminbörse Eurex zeigen Institutionelle wieder einen etwas größeren Absicherungsbedarf an, wenngleich das Verhältnis zwischen Calls und Puts noch im neutralen Bereich notiert. Auch Joachim Goldberg leitet aus seiner Sentimentumfrage, die er für die Börse Frankfurt erhebt, eine neutrale Haltung bei Privaten und Institutionellen ab. Er schließt daraus auf eine weitere Woche der Seitwärtsbewegung.


Viele Experten rechnen mit einer Korrektur

Der „Angst-Gier-Index“ des US-Index S&P 500, der anhand von markttechnischen Indikatoren errechnet wird, notiert mit 65 Prozent gleichfalls im neutralen Bereich. Zwar hat der Markt ein gutes Momentum, der Anstieg wird jedoch nicht mehr von allen Aktien mitgemacht. „Am Beginn einer Rally steigen alle Aktien. Je reifer der Anstieg wird, desto weniger Aktien ziehen den Index durch überproportionale Kursgewinne nach oben“, erläutert der Sentimentexperte. Betrachte man die Rally aus diesem Blickwickel, zeige sich: Der Aufschwung geht zwar noch nicht in seine Endphase, befindet sich jedoch schon lange nicht mehr in der Anfangsphase.

Institutionelle US-Anleger haben eine Investitionsquote von 96 Prozent und sind somit hoch investiert. US-Privatanleger sind zu 36 Prozent „bullish“ und damit ein wenig optimistischer als vor einer Woche. Der Zuversichtswert liegt allerdings noch unter dem historischen Durchschnitt von 38,5 Prozent.

Das allgemeine Fazit dieser Umfrage ähnelt dem Ergebnis der Vorwoche: „Es bleibt dabei: Das Sentiment zeigt keinen akuten Schiefstand bei den Anlegern“, sagt Heibel. Somit sei aus der Sentimentanalyse keine klare künftige Richtung an den Aktienmärkten abzuleiten.

Details gibt es dennoch: Die Erwartungshaltung der Anleger ist pessimistischer geworden. Damit könnte eine Unterschreitung der aktuellen Unterstützung bei 11.400 Punkten nunmehr einen kräftigeren Ausverkauf nach sich ziehen. Zeitlich gesehen dürfte laut Heibel ein solcher Ausverkauf jedoch nur kurz anhalten. Mitte Dezember hat der deutsche Leitindex die Marke von 11.400 Punkten überschritten und diese Marke seitdem immer wieder verteidigt. Dadurch wurde dieser Bereich zur Unterstützungslinie.

Auf der anderen Seite nennen Finanzexperten inzwischen unzählige Gründe, warum eine Korrektur überfällig sei. „Anleger haben sich auf eine Korrektur eingestellt“, entgegnet der Sentimentexperte. Aus dieser Betrachtungsweise lasse sich ableiten, dass genau das nicht passieren werde, sondern dass die Kurse mittelfristig deutlich ansteigen.

„Ich kann keine Auskunft geben, wie sich die Aktienmärkte in den kommenden ein oder zwei Wochen verhalten“, meint der Animusx-Inhaber. „Doch mittelfristig dürfte sich der vorherrschende Pessimismus stützend auf die Aktienmärkte auswirken. Ich erwarte für die kommenden Monate weiter steigende Kurse.“

Wie immer sei dies eine Momentaufnahme der aktuellen Stimmung. Ereignisse, die den Aktienmärkten neue Impulse geben, können natürlich jederzeit die Vorzeichen umkehren. „Mit einem wild twitternden US-Präsidenten sind neue Impulse jederzeit möglich“, erinnert Heibel an die jüngsten Erfahrungen.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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