Dax-Umfrage: Die Gier der Anleger steigt wieder

Dax-Umfrage: Die Gier der Anleger steigt wieder

, aktualisiert 21. November 2016, 14:06 Uhr
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Sowohl in den USA als auch Deutschland spekulieren mittlerweile mehr Anleger auf steigende Kurse, die Gier nach Gewinnen wird größer.

von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Die Trump-Rally hat nur einen Tag gedauert, seitdem notiert der Dax wieder seitwärts. Wann kommt die Jahresendrally? Ein Blick auf verschiedene Indikatoren zeigt: Es gibt viel Überraschungspotenzial für die Aktienkurse.

DüsseldorfVor gut drei Monaten erreichte der Dax die Marke von 10.800 Punkten und die Anleger hofften damals auf mehr. Doch seitdem bewegt sich der deutsche Leitindex nur seitwärts mit 10.200 Punkten auf der Unterseite, oben ist bei rund 10.800 Zählern Schluss. Auch die vergangene Handelswoche änderte daran nichts, die Trump-Rally dauerte nur einen Tag. Ein Ergebnis, das Börsenexperte Stephan Heibel richtig voraussagte. „Für die kommende Woche enthält die aktuelle Stimmungslage wenig Aussagekraft“, sagte Heibel am vergangenen Montag. „Kaufinteresse ist vorhanden, man traut sich nur noch nicht so recht“.

Die Stimmungslage ist das Ergebnis der wöchentlichen Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment unter mehr als 2300 Anlegern. Das Abstimmungsverhalten wird anschließend von Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx, analysiert. Er leitet daraus eine Prognose ab, wie sich der Dax in den kommenden Handelstagen entwickeln könnte.

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Der Dax in der Seitwärtsbewegung, das sehen aktuell viele Anleger so. Denn die größte Veränderung in der Umfrage ist: Mehr als die Hälfte der Teilnehmer erkennen den deutschen Leitindex in einem Seitwärtstrend, rund 16 Prozentpunkte mehr als in der Vorwoche. Um diese Größe ist die Zahl der Optimisten gesunken, die den Dax noch vor einer Woche in einem Aufwärtsimpuls sahen. Alle anderen Lager blieben nahezu unverändert. Die Stimmung ist damit wieder leicht positiv, aber im neutralen Bereich.

Eine weitere Erkenntnis aus der aktuellen Umfrage: Das Überraschungsmoment der Vorwoche ist verflogen. Die Hälfte derer, die vor einer Woche durch die Rally auf dem falschen Fuß erwischt wurden, fühlen sich in ihren Erwartungen an die vergangenen Handelstage zum größten Teil erfüllt. Das Ergebnis stieg um zwölf Prozentpunkte auf 47 Prozent. „Damit ist auch die Selbstzufriedenheit wieder in den neutralen Bereich gesprungen“, erläutert Heibel.

Das positive Ergebnis der derzeitigen Erhebung ist die Entwicklung der Erwartungshaltung. Die meisten gehen in drei Monaten, also zum Amtsantritt von Donald Trump von einer Seitwärtsbewegung aus. (plus vier Prozentpunkte auf 34 Prozent) Noch vor einer Woche hatten verhältnismäßig viele Anleger eine baldige Topbildung oder gar einen Abwärtsimpuls in drei Monaten erwartet. Unverändert 28 Prozent der Teilnehmer erwarten steigende Kurse. Damit ist der Optimismus leicht angestiegen. „Das ist wichtig für die aktuelle Entwicklung, denn im Falle einer Verschnaufpause nach der heftigen Trump-Rally besteht so frühzeitig wieder Kaufinteresse“, analysiert der Sentimentexperte.


Mehr Spekulationen auf steigende Kurse

Denn aktuell lässt das Kaufinteresse wieder nach, das um zwei Prozentpunkte auf 27 Prozent fällt. Aber auch verkaufen möchten nur noch 13 Prozent, minus drei Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche. Die meisten ziehen sich wieder an die Seitenlinie zurück (plus fünf Prozentpunkte auf 61 Prozent) und warten erst einmal günstigere Kaufkurse oder höhere Verkaufskurse ab. Das sieht laut Heibel noch nicht nach einer Richtungsentscheidung aus, Anleger sind nach wie vor unentschlossen.

Ein Blick auf andere Indikatoren zeigt: Das Euwax-Sentiment, das aufgrund des Handels mit Hebelprodukten auf den Dax von der Stuttgarter Börse ermittelt wird, signalisiert wieder eine ansteigende Gier bei Privatanlegern an. Die meisten Spekulationen werden auf steigende Kurse abgeschlossen, Absicherungsgeschäfte nehmen ab. Die steigende Gier ist als Kontraindikator zu sehen, der eher fallende Kurse signalisiert, doch eine Überhitzung ist auch hier noch nicht zu sehen.

Der technische „Angst und Gier Index“ auf den US-amerikanischen Auswahlindex S&P 500 zeigt mit einem Wert von 63 Prozent schon wieder leichte Gier an. Dieser Index wird anhand von verschiedenen Marktdaten ermittelt. Positiv heraussticht hier der Unterindikator „Aktienpreisstärke“, der ein ausgeglichenes Niveau zwischen 52-Wochen-Hochs und -Tiefs anzeigt, sowie der Marktbreite-Index, der zeigt, dass die Rally von sehr vielen Aktien getragen wird und damit als „gesund“ gilt. Doch genauso wie an der Stuttgarter Börse Euwax kaufen auch in den USA Anleger verstärkt Calls, spekulieren also auf weiter steigende Kurse.

Institutionelle Anleger in den USA haben ihre Investitionsquote wieder angehoben (plus 10,5 Prozentpunkte auf 83,5 Prozent). Blogger und Börsenbriefschreiber sind mit 46 Prozent Kaufempfehlungen wieder bullish gestimmt, auch bei den Privatanlegern hat sich der Optimismus stark erhöht (plus acht Prozentpunkte auf 46,7 Prozent).


Mehr Überraschungspotenzial auf der Unterseite

„Bei dieser Stimmungslage ist insbesondere in den USA das Risiko einer Enttäuschung größer als die Chance auf eine Fortsetzung der Rally ohne Verschnaufpause“, so der Animusx-Inhaber. Doch Extremwerte seien weder auf der Ober- noch auf der Unterseite zu sehen. Für ihn drängt sich der Eindruck auf, dass diese gute Stimmung an den Aktienbörsen ein Resultat der jahrelangen negativen Berichterstattung über Konjunktur, Wirtschaft, Finanzmärkte und die Aktienanlage sei.

„Ich halte einen Ausbruch des Dax nach oben für wahrscheinlicher als eine Rückkehr unter 10.200 Punkte“, meint Heibel. Doch das Überraschungspotenzial liege auf der Unterseite. „Eine falsche Bemerkung von Donald Trump oder ein scheiterndes Referendum in Italien führt zu einem Ausverkauf“.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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