Dax-Umfrage: „Die Luft ist vorerst raus“

Dax-Umfrage: „Die Luft ist vorerst raus“

, aktualisiert 16. Januar 2017, 16:38 Uhr
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Platter Reifen: Auch an der Börse ist vorerst die Luft raus, es fehlt Treiber für weiter steigende Kurse. Vielleicht helfen positive Quartalszahlen der US-Unternehmen.

von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Der Treiber für die deutlichen Kursgewinne während der Trump-Rally hat sich aufgelöst. Anleger sollten in dieser Woche auf drei wichtige Quartalszahlen achten, die die weitere Richtung der Aktienmärkte vorgeben dürften.

DüsseldorfNoch vor einer Woche war für den Börsenexperten Stephan Heibel klar, dass die „Verschnaufpause an den Aktienmärkten nicht zu lange dauern dürfe, wenn steigende Kurse nachhaltig bleiben sollten“. Der Grund für seine Ansicht: Der Zukunftsoptimismus der Anleger bei der Handelsblatt-Umfrage zur Börsenstimmung war deutlich angestiegen.

Der Optimismus ist wichtig für Verschnaufpausen, damit sich keine Abwärtsdynamik entwickeln kann. Sollten die Kurse fallen, wird bei einem hohem Zukunftsoptimismus in der Regel frühzeitig gekauft. Eine kurzzeitige Verschnaufpause oder auch eine längerfristige Korrektur endet in solchen Fällen meistens schnell. Dauert die Verschnaufpause zu lange, so dass irgendwann alle optimistischen Anleger gekauft haben, können die Kurse nach unten durchsacken.

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In der vergangenen Woche konnte der Dax mit einem Wochenplus von 0,3 Prozent auf 11.629 Punkte nicht aus der Seitwärtsbewegung ausbrechen. Kommt es nun zu fallenden Kursen? Oder wird die Rally fortgesetzt?

Das aktuelle Umfrageergebnis zeigt: Die Euphorie der Vorwochen nimmt wieder ab. Nur noch gut jeder Fünfte (minus fünf Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) sieht in der aktuellen Dax-Entwicklung einen Aufwärtsimpuls. Hingegen fürchtet die gleiche Zahl eine Topbildung. Die meisten tummeln sich im Lager der Neutralen, die Zahl der Antworten, die eine Seitwärtsbewegung andeuten, steigt um vier Prozentpunkte auf 47 Prozent.

Die Seitwärtsbewegung dieser Woche zehrte jedoch an den Nerven der Anleger. Nur noch zwölf Prozent (minus drei Prozentpunkte) haben auf diese Entwicklung spekuliert. 55 Prozent (minus fünf Prozentpunkte) fühlen sich zum größten Teil bestätigt. Mit 27 Prozent (plus sieben Prozentpunkte) gibt es nun jedoch wieder deutlich mehr Anleger, die latent unzufrieden sind (Erwartung kaum erfüllt). Nur noch sechs Prozent wurden völlig überrascht.

Die Erwartung an die Börsenentwicklung in drei Monaten bleibt durchwachsen: 26 Prozent der Anleger (minus drei Prozentpunkte) erwarten weiter steigende Kurse, 31 Prozent (plus sechs Prozentpunkte) fürchten fallende Kurse und 28 Prozent (minus drei Prozentpunkte) gehen von einer Seitwärtsbewegung aus. „Damit ist die Erwartung leicht negativ, was bei der grundsätzlich optimistischen Einstellung von Anlegern eher selten der Fall ist“, erläutert Heibel.


Anleger stecken Tiefschläge weg

Die leicht negative Erwartung zeigt sich auch in der Investitionsbereitschaft: Nur noch jeder Fünfte will in den kommenden zwei Wochen zukaufen, 18 Prozent wollen verkaufen. Die meisten Anleger wollen erst einmal abwarten (plus sechs Prozentpunkte auf 63 Prozent).

Das Sentiment der Börse Stuttgart, das anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den Dax ermittelt wird, zeigt: Während dieser Dax-Seitwärtsbewegung lösen viele Privatanleger ihre Absicherungspositionen auf, das Euwax-Sentiment hat das extrem negative Niveau des Jahreswechsels hinter sich gelassen. „Damit ist ein wichtiger Treiber für steigende Kurse nun nicht mehr vorhanden“, meint der Inhaber des Analysehauses Animusx.

In den USA notiert der technische „Angst-und-Gier-Index“ des S&P 500 bei 62 von maximal 100 Prozent und zeigt damit ein neutrales Niveau an. Institutionelle Anleger haben ihre Investitionsquote in die Seitwärtsbewegung des Dow Jones hinein um zehn Prozent verringert. Vor einer Woche waren noch 99 Prozent des Kapitals investiert, nun sind es nur noch 89 Prozent. Die US-Anleger jedoch bleiben jedoch zu 44 Prozent bullisch, lediglich 27 Prozent fürchten fallende Kurse.

Für Heibel stecken die Anleger die neuerlichen Tiefschläge erstaunlich gut weg. Weder die neuen Vorwürfe gegenüber Fiat Chrysler und Renault, Schummelsoftware zur Manipulation der Abgaswerte einzusetzen, noch die Drohung mit hohen Importzöllen auf in Mexiko produzierte Autos seitens Donald Trump haben die Aktien der Autohersteller nachhaltig unter Druck setzen können.

Diese negative Nachrichten, die zu einem anderen Zeitpunkt für einen Ausverkauf der Autobauer-Aktien inklusive deren Zulieferer gesorgt hätten, werden derzeit einfach weggelächelt. „Ich führe das auf die vormals großen Absicherungspositionen der Anleger zurück, die ich vor einer Woche als feste Unterstützung für die Aktienbörse und möglichen Treiber einer neuen Rallye interpretiert hatte“, erläutert der Sentimentexperte.

Das aktuelle Umfrageergebnis zeige, dass diese Unterstützung inzwischen deutlich schwächer geworden sei. Damit werden die Aktienmärkte langsam anfällig für Rückschläge. „Wir dürfen gespannt sein, wie Daimler, Volkswagen und BMW heute die erneuten Attacken des designierten US-Präsidenten Donald Trump verarbeiten“, meint Heibel. Trump drohte in einem Bild-Interview, auch deutsche Konzerne mit einem Importzoll von 35 Prozent zu belegen, wenn sie in Mexiko gebaute Autos in den USA verkaufen wollen.


Drei wichtige Quartalszahlen

Die Anlegerstimmung hat sich deutlich eingetrübt, die Luft ist vorerst raus. „Ich habe den Eindruck, dass man nun erst einmal abwartet“, meint Heibel. Zu viele Ereignisse stehen an: Die Berichtssaison hat begonnen und Ende der Woche wird Donald Trump ins Weiße Haus einziehen. Warum sollte sich ein Anleger heute schon positionieren, wenn doch in den kommenden zwei Wochen viele wichtige Informationen zu erwarten sind?

Seiner Meinung nach sei die Stimmung derzeit neutral. Es gäbe nun weder besondere Gefahren für einen heftigen Ausverkauf, noch sollte ohne ein besonderes Ereignis der Dax nach oben ausbrechen. Allerdings stehen die Märkte vor der Berichtssaison und da sei ein besonderes Ereignis jederzeit möglich.

Laut der vielleicht ältesten Börsentheorie, der „Dow Theory“, benötige jede Rally gesunde Banken und einen funktionierenden Logistik-Sektor. Demzufolge gibt es keine nachhaltige Aktienmarktrally, wenn nicht die Aktien der Banken und Transportunternehmen daran teilhaben.

Einige Banken haben am vergangenen Freitag bereits Zahlen vorgelegt, die positiv aufgenommen wurden. Diese Woche werden nun die Eisenbahner CSX und Union Pacific sowie auch die Fluglinie United Continental Quartalszahlen vorlegen. „Ich halte diese drei Quartalsergebnisse für die wichtigsten Zahlen dieser Woche, denn sie können uns Auskunft darüber geben, ob die Trump-Rally beendet ist oder nur eine Verschnaufpause einlegt“, meint der Sentimentexperte.

Seine Dax-Prognosen leitet Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx, aus der wöchentlichen Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment unter mehr als 2300 Anlegern ab. Zusätzlich wertet er weitere Indikatoren aus.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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