Dax-Umfrage: Donald Trump und die große Verunsicherung

Dax-Umfrage: Donald Trump und die große Verunsicherung

, aktualisiert 14. November 2016, 13:15 Uhr
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Anleger sind verunsichert: Zum einem glauben Sie, dass die Rally bald beendet ist. Doch viele von ihnen planen weitere Aktienkäufe.

von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hat die Stimmung an der Börse gedreht. Eine exklusive Analyse zeigt, wie sich die widersprüchlichen Aussagen der Anleger bald auflösen dürften.

DüsseldorfWas für eine Börsenwoche! Nach dem Wahlsieg von Donald Trump bei der Wahl zum US-Präsidenten entlud sich die Zurückhaltung der Anleger der vergangenen Monate binnen weniger Stunden. Aus vorbörslich minus drei Prozent schoss der Dax ins Plus, eine Schwankung von fünf Prozentpunkte an nur einem Tag.

Es folgte eine Rally in genau den Titeln, die unter einem US-Präsidenten Donald Trump profitieren werden: Bau, Pharma, Banken. Zum Ende der Woche wurden dann diejenigen Aktien verkauft, die bei einem „weiter wie bisher“ bevorzugt worden wären: Technologie und Wachstumsaktien, die unabhängig von der Konjunktur laufen.

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Eine Entwicklung, die für den Börsenexperten Stephan Heibel nicht sehr überraschend kam. Am vergangenen Montag sagte er, viele Anleger hätten „den Finger am Abzug, beziehungsweise „auf der Kauf-Taste des Computers“ – warteten aber noch wegen der Unsicherheit in Zusammenhang mit den US-Präsidentschaftswahlen ab. „Die Stimmung ist inzwischen stark genug heruntergeprügelt, so dass eine heftige Rally durchaus möglich erscheint“, interpretierte Heibel vor sieben Tagen die jüngsten Umfrageergebnisse. Allerdings müsse auch die Möglichkeit eines „reinigenden Gewitters“ vor der zu erwartenden Rally in Betracht gezogen werden, warnte der Experte damals vor einseitigem Optimismus.

Wöchentlich werden bei dieser Erhebung mehr als 2.300 Anleger gefragt, wie sie die Lage an den Aktienmärkten einschätzen. Die Ergebnisse bewertet Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx. Seine Prognosen zur Dax-Entwicklung sollen Orientierung für die Geldanlage bieten.

Und wann wird der Dax aus seiner monatelangen Seitwärtsspanne zwischen 10.827 Punkten auf der Ober- und rund 10.200 Zählern auf der Unterseite ausbrechen? „Für die kommende Woche enthält die aktuelle Stimmungslage wenig Aussagekraft“, schränkt Heibel ein. Der Schiefstand der Vorwochen wurde nun abgebaut. Die meisten Stimmungsindikatoren sind auf neutralem Niveau, wenn man von der nach wie vor großen Verunsicherung absehe. „Kaufinteresse ist vorhanden, man traut sich nur noch nicht so recht“, sagt er.

Doch sollte es Donald Trump in den kommenden Wochen gelingen, sich als wahrlich präsidialer, bedachter Politiker zu positionieren, insbesondere indem er erfahrene Politiker in die von ihm zu besetzenden Ämter beruft, könnte die Rally durchaus nochmals neuen Zunder erhalten. Wählt er hingegen radikale oder unbekannte Minister, dürften sich Anleger zurückhalten. „Das Risiko eines heftigen Ausverkaufs sehe ich für die kommenden Wochen bis zu seiner Vereidigung am 20. Januar aber nicht“, meint Heibel.


Ist der Dax an seine Grenzen gelangt?

Die Rally der vergangenen Handelstagen hinterlässt auch ihre Spuren in der Anlegerstimmung. Nun sehen 40 Prozent und damit 35 Prozentpunkte mehr gegenüber der Vorwoche den Dax in einem Aufwärtsimpuls. Nur noch sieben Prozent (minus 43 Prozentpunkte) sehen die Frankfurter Benchmark in einem Abwärtsimpuls. Weitere 41 Prozent (plus achte Prozentpunkte) betrachten die aktuelle Marktphase als Seitwärtsbewegung.

Das Lager der Niedergeschlagenen wurde damit binnen weniger Stunden leer gefegt, die meisten sind direkt zu den Optimisten gewechselt. „Eine Überhitzung ist trotz des heftigen Umschwungs jedoch noch nicht zu erkennen“, erläutert Heibel. Eine extrem positive Stimmung wäre ein Indiz für fallende Kurse.

Nach den turbulenten Kurskapriolen der Vorwochen wurden in den vergangenen Handelstagen noch immer 30 Prozent (minus sieben Prozentpunkte) der Umfrageteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt. Nur jeder Zehnte hat nach eigenen Angaben auf diese Rally spekuliert. Die meisten fühlen sich zum größten Teil bestätigt (minus elf Prozentpunkte auf 36 Prozent) oder sehen ihre Erwartungen kaum erfüllt (minus drei Prozentpunkte auf 24 Prozent). Gerechnet hat mit dieser Entwicklung also fast niemand, doch das Überraschungsmoment ist mäßig, da sich die meisten Anleger vor dem Urnengang dieser chaotischen Wahl neutral positioniert hatten.

Überraschend ist die schwache Erwartung der Anleger. Nach Heibels Ansicht ist das eine Folge der negativen Berichterstattung über Donald Trump. Nur noch 28 Prozent (minus neun Prozent) erwarten für den Dax in den kommenden drei Monaten steigende Kurse, 14 Prozent (plus acht Prozentpunkte) sehen jedoch für den Dax schon bald eine Topbildung. Fallende Kurse fürchtet fast jeder Vierte (plus sechs Prozentpunkte), weitere 30 Prozent gehen von einer Seitwärtsbewegung aus. Fazit dieses Abstimmungsverhalten: Mit der aktuellen Rally ist der Dax wohl an seine Grenzen gelangt, glauben die meisten Anleger.

Das steht aber im Widerspruch zum Investitionsverhalten, das deutlich gestiegen ist. 29 Prozent (plus fünf Prozentpunkte gegenüber Vorwoche) wollen Aktien zukaufen, nur 15 Prozent (plus zwei Prozentpunkte) wollen in den kommenden beiden Wochen verkaufen. Neutral verhalten sich 56 Prozent, sieben Prozentpunkte weniger als vor einer Woche.

Die neue Verunsicherung der Anleger zeigt sich auch beim Euwax-Sentiment, an der Stuttgarter Börse sind die Absicherungskäufe wieder angestiegen. Dieser Indikator wird anhand realer Transaktionen mit Hebelprodukten auf den Dax ermittelt.


Optimismus in den USA

Derzeit kaufen Anleger nur noch geringfügig mehr Finanzprodukte, mit denen auf steigende Kurse gewettet wird, als auf fallende. Damit ist die bullische Haltung der Vorwoche, als Anleger verstärkt auf Dax-Kursgewinne gesetzt hatten, wieder auf ein neutrales Niveau zurückgekommen.

Ein Blick auf den US-Aktienmarkt zeigt: Der technische „Angst-und-Gier-Index“ des Auswahlindex S&P 500 ist leicht auf 44 Prozent angestiegen, zeigt damit ebenfalls Neutralität. Institutionelle Anleger haben ihre Investitionsquote auf durchschnittlich 73 Prozent angehoben (zuvor 58 Prozent), was das Ergebnis der Käufe vom Mittwoch nach dem Wahlergebnis sein dürfte.

Börsenbriefschreiber und Blogger geben zu 46 Prozent Kaufempfehlungen aus, ebenfalls ein Wert, der im neutralen Bereich liegt. US-Privatanleger sind zu 39 Prozent „bullisch“ gestimmt, das ist der höchste Wert seit vielen Monaten. Der Optimismus der US-Anleger steht in krassem Gegensatz zur gesunkenen Erwartungshaltung der deutschen Anleger. Was aber auch mit den verschiedenen Entwicklungen an den Börsen zusammenhängt. Der Dow Jones hat vergangene Woche ein neues Jahreshoch erreicht, das deutsche Börsenbarometer hingegen steckt noch in einer Seitwärtsspanne zwischen 10.200 Punkten auf der Unterseite und 10.827 Zählern auf der Oberseite fest. Und vom Allzeithoch ist der Dax noch 1500 Punkte entfernt.

Heibels Fazit der aktuellen Handelsblatt-Umfrage: Die Stimmung sei nach der Rallye natürlich bestens, doch die Verunsicherung bleibt extrem groß. Wohl, weil man Angst vor dem vermeintlich unberechenbaren Donald Trump habe.
So erwarten viele ein baldiges Ende der Rally, möchten aber die letzten Prozentpunkte dennoch mitnehmen und kaufen. Das wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich, lässt sich aber leicht auflösen, wenn man sich im Detail anschaut, welche Aktien gekauft werden können und welche nunmehr wohl eher gemieden werden. In seinem Börsenbrief Heibel-Ticker ist der Sentimentexperte in der aktuellen Ausgabe ausführlich auf die Rotationsbewegung innerhalb von Portfolios eingegangen, die institutionelle Anleger nun als Antwort auf den überraschenden Wahlsieg durchführen.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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