Dax-Umfrage: Frühes Rally-Ende verunsichert Anleger

Dax-Umfrage: Frühes Rally-Ende verunsichert Anleger

, aktualisiert 06. Februar 2017, 13:44 Uhr
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Die Kursverluste der vergangenen Woche nagen am Optimismus der Anleger. Doch Profis haben in den vergangenen Tagen viel verkauft – ein Zeichen dafür, dass zumindest die Korrektur nicht sehr deutlich ausfällt.

von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Erreicht der Dax bald die Marke von 12.000 Punkten? Oder müssen Anleger in den nächsten Tagen mit deutlichen Korrekturen am Aktienmarkt rechnen? Es gibt ein Indiz, das die Antwort auf diese Fragen geben kann.

DüsseldorfViele Anleger fragen sich nach dem Dax-Rücksetzer der vergangenen Woche: Ist die Rally nun beendet? Denn unmittelbar nachdem die Frankfurter Benchmark die Marke von 11.600 Punkten übersprang und anschließend mit 11.893 Zählern ein neues Jahreshoch markierte, fielen die Kurse. Der deutsche Leitindex verlor in der vergangenen Handelswoche 1,4 Prozent auf 11.651 Punkte.

Ist dieses Wochenminus nun die Konsolidierung vor dem endgültigen Kursanstieg in Richtung 12.000 Punkte? Oder müssen Anleger ein weiteres Abrutschen befürchten? Antworten auf diese Frage will Börsenexperte Stephan Heibel mithilfe der Auswertung der Handelsblatt-Umfrage „Dax-Sentiment“ beantworten.

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Woche für Woche werden mehr als 2.300 Anleger unter anderem dazu befragt, wie sie die aktuelle Lage an der Börse beurteilen und welche Erwartungen sie an die künftige Kursentwicklung haben. Daraus leitet Heibel, Eigentümer des Analysehauses Animusx, Prognosen zur künftigen Börsenentwicklung ab. Oft sind sind es Kontraindikatoren: So sind eher verhaltene Erwartungen aus Sicht der Sentiment-Theorie gute Voraussetzungen für steigende Aktienkurse in diesem Börsenjahr. Denn es gilt: Je stärker die Skepsis an der Börse, desto größer das Lager der Kaufwilligen.

Hingegen rechnen bei einer euphorischen Stimmung fast alle Anleger mit weiter steigenden Kursen. Sind aber fast alle schon investiert und bereit zum Absprung, dann ist es höchste Zeit zu verkaufen. Umgekehrt ist jemand, der skeptisch ist und fallende Kurse erwartet, wohl noch nicht investiert – sonst hätte er ja bereits gekauft.

Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Oft müssen weitere Indikatoren herangezogen werden, um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erlangen.

Das gilt auch für das aktuelle Umfrageergebnis. Noch am vergangenen Montag stellte der Sentimentexperte eine große Euphorie fest. Ein Warnzeichen, das aber nicht zwangsläufig sofort zu fallenden Kursen führen muss.
„Der Aktienmarkt könnte diesem Indikator zufolge gut noch ein wenig weiter steigen“, meinte er vor einer Woche. Gleichzeitig warnte er aber auch vor den jüngst aus spekulativen Gründen eingestiegenen Tradern. Die dürften bald ihre Gewinne mitnehmen, und dann könnte ziemlich schnell eine Korrektur kommen.

Diese Trader haben in vergangenen Tagen tatsächlich ihre spekulativen Positionen schnell wieder verkauft und warten nun auf neue Signale, die über die künftige Richtung an den Aktienmärkten Aufschluss geben könnten. Die Euphorie ist entsprechend verflogen.


Stimmung hat sich deutlich abgekühlt

Doch es gibt einen anderen Indikator, der zumindest gegen eine größere Korrektur spricht. Laut der umfangreicheren Animusx-Umfrage, an der auch Profi-Anleger teilnehmen, ist die Investitionsquote von institutionellen Anlegern in den vergangenen Wochen stark rückläufig. Profis haben in die Trump-Rally hinein ihre Engagements stark verkleinert. „Somit gibt es derzeit nicht mehr viel, was verkauft werden kann“, meint Heibel. Eine Korrektur der Rally, die aufgrund der kürzlich so euphorischen Stimmung zu erwarten war, dürfte aufgrund der geringen Investitionsquote von institutionellen Anlegern klein ausfallen. „Ich rechne daher nicht mit einem Unterschreiten der 11.200 Punkte im Dax“, meint der Sentimentexperte.

Die Details der aktuellen Handelsblatt-Umfrage: Die Stimmung unter den Anlegern ist deutlich zurücknommen. Die Euphorie der Vorwoche ist verflogen, nur noch 19 Prozent und damit 26 Prozentpunkte weniger als vor einer Woche sehen den Dax derzeit in einem Aufwärtsimpuls. Nur noch jeder Fünfte (minus zwölf Prozentpunkte) glaubt an eine Topbildung. Einen Abwärtsimpuls sieht nur jeder Zehnte (plus sieben Prozentpunkte), die meisten erwarten eine Seitwärtsbewegung (plus 30 Prozentpunkte auf 48 Prozent).

„Damit ist klar, dass viele Anleger den Rücksetzer dieser Woche nur als Verschnaufpause auf dem Weg zum Dax 12.000 betrachten“, schlussfolgert Heibel. Denn der Dax ist in der vergangenen Woche um 1,4 Prozent gefallen, dennoch sehen die meisten Anleger dieses Minus als Seitwärtsbewegung.

Auf diesen Rücksetzer der vergangenen Handelswoche hat dennoch kaum jemand gewettet. Für nur sieben Prozent (minus 14 Prozentpunkte) haben sich ihre Erwartungen voll und ganz erfüllt. Überrascht wurde hingegen auch kaum jemand (unverändert zehn Prozent). Die meisten geben an, diese Entwicklung so zum größten Teil erwartet zu haben (plus drei Prozentpunkte auf 52 Prozent); kaum erfüllt haben sich die Erwartungen für knapp jeden Dritten (plus elf Prozentpunkte).

An eine Fortsetzung der Rally in drei Monaten glaubt knapp jeder Vierte, (plus sieben Prozent) während nach wie vor fast jeder Dritte einen Abwärtsimpuls fürchtet. Die Stimmung polarisiert sich, nur noch jeder Vierte (minus acht Prozentpunkte) geht von einer Seitwärtsbewegung in drei Monaten aus.

Das Erstaunliche: Obwohl viele mit einer Fortsetzung der Rally rechnen, will nur jeder Fünfte (minus fünf Prozentpunkte) in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen. 16 Prozent (minus zwei Prozentpunkte) wollen ihre Positionen verkleinern, die meisten warten jedoch vorerst ab (plus sieben Prozentpunkte auf 64 Prozent).


Gewinnmitnahmen passen zum US-Präsidenten

Das Euwax-Sentiment der Stuttgarter Börse, das auf ge- und verkauften Dax-Hebelprodukten basiert, hat sich weiter normalisiert, Privatanleger sind derzeit überwiegend neutral positioniert, fürchten insgesamt weder deutlich fallende noch erheblich steigende Kurse. Auch die Put/Call-Quote der Terminbörse Eurex, an der professionelle Anleger handeln, zeigt eine überwiegend neutrale Positionierung der Institutionellen an.

In den USA zeigt der „Angst-und-Gier-Index“, der anhand von technischen Marktdaten ermittelt wird, mit 58 Prozent eine neutrale Verfassung des Index S&P 500 an. Amerikanische Privatanleger sind je zu einem Drittel bullisch, bärisch und neutral gestimmt. Institutionelle US-Anleger haben ihre Investitionsquote auf 94 Prozent zurückgefahren (zuvor 98 Prozent), sind damit aber noch immer stark investiert.

Das Handelsblatt Dax-Sentiment offenbart allerdings einen erkennbaren Widerspruch: Die Erwartung steigender Kurse hat zugenommen, gleichzeitig jedoch ist die Investitionsbereitschaft der Anleger merklich zurückgegangen.

„Das zeigt sich auch in der Selbstzufriedenheit unserer Umfrageteilnehmer, die ist kräftig eingebrochen“, erläutert Heibel. Seine Interpretation dieses Befunds: Anleger seien durch den Rücksetzer verunsichert, trauten sich nicht zu kaufen, hofften jedoch, dass es sich nur um eine Verschnaufpause des Dax auf dem Weg zur Marke von 12.000 Punkten handelt.

Die schnellen Gewinnmitnahmen würden auch zum Verhalten des neuen US-Präsidenten Donald Trump passen, der jederzeit durch einen unüberlegten Tweet Branchen oder ganze Aktienmärkte zum Einsturz bringen kann. „Dieses Verhalten, Gewinne früh zu realisieren, wird uns im Jahr 2017 noch häufiger über den Weg laufen“, glaubt der Animusx-Inhaber.

Die Quartalsberichte der abgelaufenen Woche waren durchwachsen, die Konjunkturdaten hingegen überwiegend positiv. Nach der Begrüßungsrally für den wirtschaftsfreundlichen US-Präsidenten wäre es nicht ungewöhnlich, wenn es nun zunächst zur Ernüchterung oder Warteperiode kommt, bevor dann in einigen Wochen oder Monaten die Auswirkung seiner Politik mit Zahlen belegt werden kann.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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