Dax-Umfrage: „Jetzt startet die Weihnachtsrally“

Dax-Umfrage: „Jetzt startet die Weihnachtsrally“

, aktualisiert 11. Dezember 2017, 14:07 Uhr
von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Anleger haben beschlossen, dass in diesen Tagen eine Rally an den Aktienmärkten startet. Dabei spekulieren sie aber nur auf kurzfristige Kursgewinne, wie eine exklusive Umfrage zeigt. Doch sie könnten falsch handeln.

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The German share price index, DAX board, is seen at the stock exchange in Frankfurt, Germany, November 20, 2017. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Düsseldorf„Okay, die Rally ist jetzt!“ So könnte man das Ergebnis der aktuellen Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment interpretieren. Anleger haben beschlossen, dass die Weihnachtsrally jetzt beginnt und nur kurz anhält. Sie möchten die Kursgewinne noch mitnehmen, rechnen aber immer weniger mit einer nachhaltigen Rally, die bis zum Frühjahr nächsten Jahres durchlaufen könnte.

„Es ist also eine Spekulation auf kurzfristige Kursgewinne bis Weihnachten, vielleicht noch bis in den Januar hinein. Mehr nicht“, lautet das Fazit des Börsenexperten Stephan Heibel. In dieses Bild passe nicht nur das Umfrageergebnis, sondern auch das Euwax-Sentiment der Stuttgarter Börse, das eine sehr schnelle Gewinnrealisierung der Privatanleger zeige.

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Der Inhaber des Analysehauses wertet die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage zur Börsenstimmung unter mehr als 2700 Anlegern aus und leitet daraus Prognosen zur künftigen Börsenentwicklung ab – mit einer sehr hohen Trefferqualität.

Für ihn ist solch ein Muster, dass Anleger nur auf kurzfristige Kurssteigerungen spekulieren, aber typisch für den Beginn einer nachhaltigen Rally. Die Stimmung steige langsam an, während der Optimismus, der sich im Verlauf der Korrektur für die Zukunft gebildet hat, zunächst deutlich zurückgehe. „Irgendwann haben Anleger ihre Gewinne realisiert und ihre Erwartungen auf null gefahren und wundern sich dann, wenn die Rally nicht endet, sondern weiterläuft“, lautet seine Erfahrung. Dann würden sie den Kursen hinterherlaufen, und erst wenn dann der Optimismus wieder ansteige und extrem hohe Werte erreiche, ende die Rally. Das könne gut bis ins nächste Frühjahr gehen.

„Vor diesem Hintergrund kann ich mir durchaus vorstellen, dass wir hier den Beginn einer Rally sehen, die zunächst Weihnachtsrally genannt wird, dann Jahresend-, dann Neujahrsrally und dann einfach nur noch ungläubig beobachtet wird, bis sie im April/ Mai dann endlich ausläuft“, meint der Sentiment-Experte.


Anleger bekommen gute Laune

Die Ergebnisse der aktuellen Umfrage im Detail: Die November-Korrektur wird von den Teilnehmern unserer Sentiment-Umfrage bereits als beendet betrachtet. Nur noch sieben Prozent (minus neun Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) geben an, dass der deutsche Leitindex sich derzeit in einem Abwärtsimpuls befindet. Hingegen gehen 46 Prozent (plus vier Prozentpunkte) von einer Seitwärtsbewegung aus. Mehr als jeder Vierte (26 Prozent, plus acht Prozentpunkte) meint bereits wieder eine startende Rally zu erkennen. Damit ist das Sentiment diese Woche vom neutralen Bereich in Richtung „gute Laune“ angesprungen.

Entsprechend hat sich auch die Verunsicherung unter Anlegern zurückentwickelt. Nur noch acht Prozent (minus acht Prozentpunkte gegenüber Vorwoche) geben an, von der Dax-Entwicklung dieser Woche auf dem falschen Fuß erwischt worden zu sein. Weitere 30 Prozent (minus fünf Prozentpunkte) sehen ihre Erwartungen kaum erfüllt. Hingegen hat gut jeder Zehnte (elf Prozent, plus vier Prozentpunkte) auf diese Dax-Entwicklung spekuliert, und für weitere 51 Prozent (plus zehn Prozent) haben sich ihre Erwartungen zum größten Teil erfüllt. „Wir hatten in der Vorwoche zwar keinen Extremwert bei der Verunsicherung“, erläutert Heibel, „die war aber mit einem Wert im oberen Viertel aller Umfrageergebnisse recht hoch.“

Das kurzfristige Sentiment ist zwar in dem Modus „gute Laune“ angesprungen, doch die Erwartung der Umfrageteilnehmer zur Dax-Entwicklung in drei Monaten ist zurückgegangen. Nur noch 29 Prozent (minus vier Prozentpunkte) gehen von weiter steigenden Kursen aus, hingegen erwarten 31 Prozent (plus vier Prozentpunkte) eine Seitwärtsbewegung. Fast jeder Vierte (24 Prozent, minus ein Prozentpunkt) erwartet sogar fallende Kurse. Fazit: Damit wird die aktuelle Rally, die vielleicht am Freitag vor zehn Tagen gestartet wurde, von vielen als finale Aufwärtswelle mit zeitlich begrenzter Dauer betrachtet. Am Freitag (1.12.) rutschte der Dax zwischenzeitlich auf 12.810 Punkte – seitdem geht es aufwärts.

Viele Börsianer möchten diese Rally mitnehmen, denn 26 Prozent (plus vier Prozentpunkte) möchten in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen, und nur noch 13 Prozent (minus drei Prozentpunkte) wollen Positionen verkaufen. Mit 61 Prozent (minus ein Prozentpunkt) warten die meisten jedoch weiterhin ab.


Dax in der Hand von ausländischen Investoren

Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der in erster Linie Privatanleger handeln, fällt wieder langsam. Noch in der vergangenen Woche hatte der Indikator einen neuen Rekordwert erreicht. Das hatte bedeutet: Die Zahl der Long-Hebelprodukte auf den Dax, die an dieser Börse gehandelt werden, war im Vergleich zu den Short-Hebelprodukten auf den Leitindex im gesamten Jahr noch nie so hoch.

Doch der Rückgang des Euwax-Sentiments ist nach Meinung von Heibel eher untypisch für die Börsensituation beim Dax – zumindest wenn man die Kursschwankungen des Börsenbarometers den heimischen Privatanlegern zuschreiben würde. „Am Ende einer Korrektur, wie wir sie in dem Index seit Anfang November sehen, wäre das Euwax-Sentiment typischerweise auf einem extrem niedrigen Niveau. Doch das Gegenteil ist heute der Fall“, erläutert Heibel. Seine Vermutung: Die Frankfurter Benchmark wurde durch ausländische Investoren in Richtung 12.800 Punkte ausverkauft, nun bekommen diese Anleger recht durch steigende Kurse. „Sollte diese Annahme stimmen, dann wäre auch nachvollziehbar, dass Privatanleger aufgrund ihrer strapazierten Nerven in die ersten steigenden Kurse hinein bereits ihre Positionen auflösen“, erläutert der Sentiment-Experte.

Übrigens zeigen auch die institutionellen Anleger, die sich über die Frankfurter Eurex absichern, dieses Verhalten: Sie sind in den Dezember hinein extrem „long“ positioniert gewesen und lösen nun zum Beginn dieser Rally ihre Positionen auf steigende Kurse schleunigst auf. Auch das spreche dafür, dass der Dax immer stärker in der Hand von ausländischen Investoren ist.

Der auf technischen Marktdaten basierende „Angst-und-Gier-Indikator“ des US-Börsenbarometers S&P 500 steht bei 60 Prozent und zeigt damit eine neutrale Verfassung der Wall Street an. Institutionelle US-Anleger haben ihre Investitionsquote von 77,5 Prozent auf nunmehr 58,5 Prozent reduziert. „Hier wird offensichtlich vor Weihnachten noch Kasse gemacht, nachdem in der Vorwoche noch schnell einige Werte eingesammelt wurden, die man zum Jahreswechsel im Portfolio haben möchte“, so der Animusx-Inhaber. „Window dressing“ wird das an der Börse genannt: Fondsmanager hübschen ihr Portfolio auf, indem sie die erfolgreichen Aktien des Jahres 2017 kaufen und die Verlustbringer oder Titel mit geringer Performance verkaufen.

Hinter Umfragen zur Börsenstimmung wie dem Dax-Sentiment stehen zwei Annahmen: Wenn die große Masse von Anlegern bereits investiert hat, bleiben wenige übrig, die noch zusätzlich kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt natürlich Entsprechendes: Wenn die Anleger mehrheitlich nicht investiert haben, können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

Wenn Anleger investiert haben, werden sie sich optimistisch über den erwarteten weiteren Kursverlauf äußern, wenn sie nicht investiert haben, pessimistisch. Denn für den zukünftigen Verlauf von Wertpapieren etwa pessimistisch zu sein, aber gleichzeitig investiert zu haben, würde unter normalen Umständen wenig sinnvoll erscheinen.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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