Dax-Umfrage: Profis spekulieren auf einen Ausverkauf

Dax-Umfrage: Profis spekulieren auf einen Ausverkauf

, aktualisiert 06. Juni 2017, 15:02 Uhr
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A trader makes a telephone call when the curve of the German stock index DAX went up again at the stock market in Frankfurt, Germany, Thursday, Aug. 27, 2015. (AP Photo/Michael Probst)

von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Die nächsten Handelstage könnten turbulent werden: Institutionelle Investoren haben in der vergangenen Woche ihre Spekulationen auf fallende Kurse verdoppelt. Was das für die Entwicklung an den Börsen bedeutet.

DüsseldorfMacht der Dax jetzt Sommerpause?“, fragte Börsenexperte Stephan Heibel am vergangenen Montag, nach dem er die Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment ausgewertet hatte. Denn die Stimmung der Anleger hatte sich vor einer Woche auf einem neutralen Niveau eingependelt, Abwarten bei der Anlageentscheidung lautete damals das Motto.

Entsprechend der Prognose bewegte sich der Dax in der vergangenen Woche anfangs kaum. Erst am Freitag kam plötzlich Bewegung auf, nachdem US-Präsident Donald Trump den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen angekündigt hatte. An dem letzten Tag der vergangenen Handelswoche stieg die Frankfurter Benchmark plötzlich auf ein neues Allzeithoch, das derzeit bei 12.878 Zählern liegt. Nach dem Seitwärtstrend in den ersten vier Handelstagen gab es zum Ende noch ein Wochenplus von 1,7 Prozent.  

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Basis für diese Börsenprognosen ist das Handelsblatt-Dax-Sentiment, eine Umfrage zur aktuellen Börsenstimmung unter mehr als 2500 Anlegern – im Börsendeutsch Sentiment genannt. Die Ergebnisse wertet Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx, aus und leitet daraus Vorhersagen für das weitere Geschehen auf dem Parkett ab.

In der aktuellen Umfrage hat sich die Laune der Umfrageteilnehmer schlagartig verbessert. Jeder Dritte sieht nun einen Aufwärtsimpuls (plus 19 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche), genauso viel (plus zehn Prozentpunkte) gehen von einer Topbildung aus. Deutlich weniger Anleger betrachten die jüngste Dax-Entwicklung nun noch als Seitwärtsbewegung. Die Quote fällt auf 29 Prozent, zehn Prozentpunkte weniger.

Damit wurden die Erwartungen von 56 Prozent (unverändert) der Anleger zum größten Teil erfüllt, 13 Prozent (plus vier Prozentpunkte) haben auf diese Entwicklung in der vergangenen Handelswoche spekuliert. Jeder Fünfte (plus sieben Prozentpunkte) sieht seine Erwartungen an die Vorwoche als kaum erfüllt an, jeder Zehnte (plus drei Prozentpunkte) wurde überrascht.

Endlich wird die gute Laune an der Börse nicht mehr gleich von Zukunftspessimismus begleitet. Nur noch jeder Dritte (minus drei Prozentpunkte gegenüber Vorwoche) fürchtet für den Dax in drei Monaten fallende Kurse. Dafür ist die Zahl derer, die nun eine Topbildung (plus drei Prozentpunkte auf elf Prozent) oder eine Seitwärtsbewegung (plus ein Prozentpunkt auf 29 Prozent) gestiegen. Unverändert 22 Prozent erwarten einen Aufwärtsimpuls. „Damit ist der Rekord-Pessimismus der Vorwochen weiter zurückgegangen“, fasst Hebel zusammen.


Rally in gesunder Verfassung

Und so wollen 19 Prozent (plus ein Prozentpunkt) der Anleger in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen, während 20 Prozent (plus zwei Prozentpunkte) eher verkaufen wollen. Mit 61 Prozent (minus drei Prozentpunkte) bleiben die meisten jedoch weiterhin abwartend an der Seitenlinie.

Das Sentiment der Stuttgarter Börse Euwax zeigt weiterhin eine moderate Absicherungsneigung der Privatanleger, der Wert liegt bei minus 4,35 Prozent. Dieser Indikator wird durch den realen Handel mit Hebelprodukten auf den Dax berechnet. Dieser negative Wert zeigt: Privatanleger würden von einer Rally in dieser Handelswoche auf dem falschen Fuß erwischt. Sie müssten, sollten die Kurse steigen, ihre Absicherungspositionen verkaufen, um die Verluste zu begrenzen. Und diese Verkäufe würden dann die mögliche Rally weiter anheizen.

Dieses Szenario gilt auch für institutionelle Anleger. Deren Put-Absicherungen, die mit fallenden Kursen an Wert zulegen, sind laut der Frankfurter Terminbörse Eurex in den vergangenen Tagen exorbitant in die Höhe geschnellt. Mit einem Put/Call-Verhältnis von 2,8 sind die Profis nun doppelt so stark abgesichert wie im Durchschnitt der vergangenen Monate. Dabei ist diese starke Absicherung erst in den vergangenen Tagen aufgebaut worden.

Der „Angst-und-Gier-Index“ des US-Index S&P 500, der auf technischen Marktdaten wie Handelsvolumen und Schwankungsbreite basiert, zeigt mit 58 Prozent eine neutrale Verfassung der US-Börsen an. Heibel hebt bei seiner Analyse einen einzelnen Indikator hervor, der in den vergangenen Tagen vielfach diskutiert wurde: die Marktbreite einer Rally.

Zur Erläuterung des Marktbreite-Indikators: Je älter und reifer eine Rally ist, desto weniger Einzelaktien sorgen mit umso größeren, überproportionalen Kursgewinnen für weiter steigende Indizes. Da erfolgreiche Unternehmen durch steigende Kurse immer wertvoller werden, steigt ihr Gewicht im Index und damit ihr Einfluss. Es wird eine Aufwärtsspirale in Gang gesetzt, an deren Ende nur noch wenige Einzeltitel für die Index-Zuwächse verantwortlich sind. „Wenn das der Fall ist, steht der Absturz kurz bevor“, erläutert der Sentimentexperte.

Bislang ist eher das Gegenteil der Fall. 60 von den insgesamt 500 Aktien im US-Index S&P haben in den vergangenen fünf Tagen ein neues 52-Wochenhoch erreicht.  Die „Marktbreite“ der Rally ist gesund. Das gleiche Bild zeigt sich beim deutschen Leitindex. Im Dax haben in den vergangenen Handelstagen acht der 30 Titel neue 52-Wochenhochs erzielt. „Es kann keine Rede davon sein, dass die Rallye sich in einem Endstadium befindet“, meint Heibel.


Die Folgen des Terroranschlags

Die Investitionsquote institutioneller US-Anleger ist vergangene Woche von 97 auf 91 Prozent zurückgegangen. Die Seitwärtsbewegung dieser Woche wurde also auch in den USA genutzt, um Positionen zu verkleinern, sich also auf einen möglichen Rückschlag vorzubereiten. Und auch die US-Privatanleger haben den Bulle/Bär-Index ins Minus gedreht. Mit  minus 4,6 Prozent sind US-Anleger nun wieder moderat pessimistisch gestimmt.

Die Indikatoren sorgen bei Stephan Heibel für Verwunderung. „Da legt die Rally mal ein paar Tage Pause ein und schon werden spekulative Long-Positionen aufgelöst, Anleger hüben und drüben positionieren sich für einen Ausverkauf. Gleichzeitig zeigen technische Indikatoren ziemlich deutlich, dass die Rallye noch nicht aus Altersgründen stirbt.“  

Nachdem es in den vergangenen Wochen eine Seitwärtskonsolidierung an den Finanzmärkten gab, sieht der Animusx-Inhaber größere Chancen für eine Fortsetzung der Rally. Nach der Auswertung der Umfrage sollte es in dieser Woche kräftig nach oben gehen, die 13.000 Punkte im Dax kommen für ihn in Reichweite. Allerdings ereignete sich nach dem Ende der Umfrage ein weiterer Terroranschlag in London. „Das dürfte zum Beginn der Woche auch an der Aktienbörse auf die Kurse drücken“, schränkt Heibel seinen Optimismus ein.

Doch wenn selbst die massiven Short-Positionierungen und Absicherungsgeschäfte weder Dax noch Dow Jones in den vergangenen Handelstagen Tagen in die Knie zwingen konnten, dann dürfte der Rückschlag zum Beginn der Woche klein bleiben. „Eine eventuelle Auflösung dieser Positionen sollte anschließend einer anlaufenden Rally weiter Zündstoff geben“.

Denn nicht nur die Stimmung ist gut, sondern auch die Zuversicht für die künftige Börsenentwicklung ist angestiegen. „Von Extremwerten, die in vielen Fällen eine Trendwende einläuten, sind wir weit entfernt“, erläutert der Animusx-Inhaber. Diese Stimmungsaufhellung könne als gesunde Begleitung steigender Kurse an den Märkten gesehen werden. Gleichzeitig haben sich die Anleger in den vergangenen Tagen genau für fallende Kurse positioniert. Deren Risiko nehme zu, dass sie ihre Short-Positionen auflösen müssen und dadurch für weitere Käufe sorgen.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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