Dax-Umfrage: Stehen die Börsen vor einer Trendwende?

Dax-Umfrage: Stehen die Börsen vor einer Trendwende?

, aktualisiert 24. Juli 2017, 12:33 Uhr
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Ein Börsenhändler schaut am 09.12.2016 in Frankfurt am Main (Hessen) morgens im Handelssaal der Börse auf seine Monitore. Der Dax stieg erstmals in diesem Jahr über 11 000 Punkte. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa Foto: Frank Rumpenhorst/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Rückschläge an den Aktienmärkten sind Kaufkurse – so lautete die Empfehlung vor einer Woche. Nun sind nach dem Absturz vom vergangenen Freitag die Möglichkeiten zum Einstieg da. Doch gilt der Ratschlag immer noch?

DüsseldorfNoch vor einer Woche hatte Börsenexperte Stephan Heibel grundsätzlich steigende Kurse erwartet und eventuelle Rückschläge, wie sie bei jeder Rallye vorkommen, als Kaufkurse betrachtet. „Ich sehe Rückschläge und Verschnaufpausen weiterhin als Gelegenheiten an, Positionen auszubauen“, waren seine Worte.

Nach einem Dax-Minus von 3,1 Prozent in der Vorwoche bietet sich Anlegern aktuell eine vorzügliche Gelegenheit zum Nachkaufen, allein am Freitag ging die Frankfurter Benchmark um 1,7 Prozent in die Knie. Handelt es sich dabei nun doch um eine Trendwende oder bleibt es bei der Empfehlung zum Nachkaufen?

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Basis für Heibels Marktprognosen ist die Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment, bei der wöchentlich mehr als 2500 Anleger zur aktuellen Börsenstimmung befragt werden. Der Inhaber des Analysehauses Animusx wertet das Abstimmungsverhalten aus. Dabei achtet er vor allem auf Kontra-Indikatoren. Sind die Anleger beispielsweise zu euphorisch, ist das ein Indiz für bald fallenden Kurse. Dann sind – vereinfacht gesagt – zu viele von ihnen investiert, sie fallen als Käufer aus, sollten die Kurse mal nachgeben.

Das Ergebnis der aktuellen Umfrage zeigt: Die gut gelaunten Anleger der Vorwoche sind direkt ins Lager der Niedergeschlagenen gewechselt. Einen Aufwärtsimpuls im Dax sehen nur noch sieben Prozent (minus 15 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) und eine Topbildung weitere elf Prozent (minus sechs Prozentpunkte). Der Anteil der Pessimisten ist um 29 Prozentpunkte auf 37 Prozent gestiegen, so viele meinen, derzeit einen Abwärtsimpuls zu erkennen. Weitere 38 Prozent (minus 13 Prozentpunkte) betrachten die aktuelle Entwicklung des deutschen Börsenbarometers als Seitwärtsbewegung.

Die hohen Kursverluste in der vergangenen Woche kamen für die Umfrageteilnehmer überraschend. So haben nur noch 44 Prozent (minus 13 Prozentpunkte) den Kursverlauf der vergangenen Woche zum größten Teil erwartet. Jeder Fünfte (plus elf Prozentpunkte) wurde auf dem falschen Fuß erwischt und hat entsprechend die Entwicklung der vergangenen Woche überhaupt nicht erwartet. Ihre Erwartungen kaum erfüllt sehen 29 Prozent (plus vier Prozentpunkte), auf den Rücksetzer spekuliert haben sieben Prozent (minus drei Prozentpunkte).


Optimismus auf Jahreshöchststand

In drei Monaten wird der Dax steigen – sind 36 Prozent der Umfrageteilnehmer (plus zwei Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) nun überzeugt. Nur noch 18 Prozent (minus vier Prozentpunkte) fürchten weiter fallende Kurse. Auf eine Seitwärtsbewegung setzen 30 Prozent (plus ein Prozentpunkt), eine Bodenbildung erwarten elf Prozent (plus drei Prozentpunkte). „Der Zukunftsoptimismus steigt weiter an, der Optimismus ist auf dem höchsten Niveau des laufenden Jahres“, erläutert Heibel.

Doch halt, so schnell wollen wir den Optimismus nicht umsetzen, meinen viele Anleger. Denn die Zahl derer, die kaufen wollen, fällt. Nur noch 19 Prozent (minus sechs Prozentpunkte) wollen in den kommenden zwei Wochen ihrem Optimismus durch Aktienzukäufe Taten folgen lassen. Hingegen wollen 16 Prozent (plus zwei Prozentpunkte) ihre Positionen verkleinern. Mit 65 Prozent (plus vier Prozentpunkte) bleiben die meisten Anleger an der Seitenlinie und schauen erst einmal zu.

Ein Blick auf andere Indikatoren zeigt ein widersprüchliches Bild: Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln, zeigt eine ziemlich bullische Positionierung an. Mit einem Wert von 6,46 Punkten ist es die optimistischste Positionierung dieses Jahres. Ganz anders sieht es bei den institutionellen Anlegern aus, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern: Das Put/Call-Verhältnis ist auf das zweithöchste Niveau dieses Jahres angesprungen und zeigt somit eine sehr pessimistische Positionierung an.

Der auf technischen Marktdaten basierende „Angst-und-Gier-Index“ des US-Börsenbarometers S&P 500 zeigt mit 76 Prozent bereits extreme Gier an, was als Warnsignal zu sehen ist. Gleichzeitig ist die Investitionsquote der institutionellen US-Anleger um fünf Prozentpunkte auf nur noch 84 Prozent zurückgegangen, was wiederum eventuelle Kursverluste begrenzen dürfte. Der Bulle-Bär-Index der US-Privatanleger zeigt mit 9,8 Prozent großen Optimismus an.

„Das sind extrem widersprüchliche Signale: Während Privatanleger durchweg optimistisch sind, zeigen sich die Institutionellen überaus vorsichtig“, bilanziert der Sentiment-Experte.


Starker Euro belastet

Seiner Ansicht nach haben drei Themen vergangenen Woche den Aktienhandel bestimmt: Der starke Euro, die EZB-Geldpolitik sowie der große Verfallstag am vergangenen Freitag.

Der große Verfallstag war am Freitagmittag vorüber. Am Abend verfielen die Optionen in den USA, der dortige Handel lastete am Nachmittag noch auf dem Dax. „Aus dieser Perspektive spricht vieles dafür, dass der Dax ab heute wieder steigt“, meint Heibel.

Die EZB-Geldpolitik bleibt locker, auch diese Entscheidung sollte die Aktienbörse unterstützen. Doch allein der Umstand, dass ein Ende der lockeren Geldpolitik diskutiert, und somit früher oder später kommen wird, belastet die Märkte und stützt den Euro.

Die starke Euro belastet insbesondere die Exportnation Deutschland. Gerade internationale Anleger würden sich daher vom Dax abwenden. Auch institutionelle Anleger aus Deutschland sehen diesen Trend sehr früh und sichern sich entsprechend ab. „An Privatanlegern gehen solche Zusammenhänge häufig unerkannt vorüber“, erläutert Heibel, „so würde ich die doch sehr unterschiedlichen Sentiment-Ergebnisse zwischen Privaten und Institutionellen erklären.“

Diese Woche haben demzufolge institutionelle Anleger die Börsenrichtung im Dax dominiert. Wie so häufig bestimmen diese kurzfristig die Richtung, während Privatanleger mittelfristig die bessere Erwartungshaltung haben.

„Ich bleibe daher bei meiner Einschätzung, dass die derzeit rückläufigen Kurse Kaufgelegenheiten darstellen“, so Heibel. Allerdings sei es aufgrund der widersprüchlichen Stimmungslage sehr schwer abzuschätzen, wie weit der Dax noch sinken könne, bevor sich seine mittelfristige Perspektive der Rally-Fortsetzung durchsetzt. „Schlimmstenfalls wenden sich Anleger nach diesen turbulenten Tagen von der der Börse ab und kehren erst nach dem Sommer zurück.“

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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