Dax-Umfrage: War das schon der Panik-Ausverkauf?

Dax-Umfrage: War das schon der Panik-Ausverkauf?

, aktualisiert 04. Oktober 2016, 16:44 Uhr
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Die Dax-Anzeigetafel an der Frankfurter Börse: Reicht der Kurssturz am Freitag, um eine nachhaltige Rally zu ermöglichen?

von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Noch am Freitag herrschte unter den Anlegern Panik - so groß wie zuletzt nach der Brexit-Entscheidung. Wiederholt sich die Geschichte und es kommt wie damals zu einer Rally? Dafür fehlen aber noch zwei Voraussetzungen.

DüsseldorfSo schnell wie die Aktienbörsen derzeit schwanken, kommt die jeweilige Gemütslage der Anleger kaum hinterher. Das zeigt die Auswertung des aktuellen Handelsblatt-Dax-Sentiments, einer Umfrage zur Börsenstimmung. Am Freitagmittag waren Anleger noch niedergeschlagen und hofften lediglich auf Besserung in einigen Monaten. Nachdem am Freitagabend jedoch eine mögliche drastische Absenkung der Strafe gegen die Deutsche Bank von 14 auf 5,4 Milliarden US-Dollar vermeldet wurde, besserte sich die Stimmung ein wenig.

Wöchentlich werden bei dieser Umfrage mehr als 2.300 Anleger gefragt, wie sie die Lage an den Aktienmärkten einschätzen. Die Ergebnisse bewertet Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx. Seine Prognosen zur Dax-Entwicklung sollen Orientierung für die Geldanlage bieten.

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So hatte er vor einer Woche genau diese starken Schwankungen mit positivem Grundtenor in Aussicht gestellt. Aus dem aktuellen Stimmungsbild jedenfalls ergebe sich unter dem Strich, dass nach der Unterbrechung der Aufwärtsbewegung eher eine Fortsetzung der Rally zu erwarten sei, sagte er vor einer Woche.

Das aktuelle Umfrageergebnis zeigt: Nach dem Ausverkauf vom vergangenen Freitag ist die Laune eines Drittels aller Umfrageteilnehmer von gut (minus 29 Prozentpunkte auf acht Prozent) auf schlecht (plus 22 Prozentpunkte auf 29 Prozent) umgeschlagen. Jeder zweite Umfrageteilnehmer sieht den Dax in einer Seitwärtsbewegung (plus 13 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche).

Jeder fünfte Anleger (plus zwölf Prozentpunkte) wurde auf dem falschen Fuß erwischt. Nur sieben Prozent geben an, auf die starken Kursschwankungen gewartet zu haben. Kaum erfüllt sieht jeder Dritte seine Erwartungen, nur noch 39 Prozent bewerten sie als zum größten Teil erfüllt.


Hauch von Panik lag in der Luft

Das Besondere an der aktuellen Umfrage, die wieder am Freitagfrüh gestartet wurde und über das Wochenende lief: Am Freitagvormittag, als die mögliche Einigung der Deutschen Bank mit den US-Justizbehörden noch in weiter Ferne schien, spiegelte das Ergebnis noch eine starke Verunsicherung unter den Anlegern wider. Die war so deutlich wie zuletzt infolge der überraschenden Brexit-Entscheidung Ende Juni dieses Jahres. Damals stürzte der deutsche Leitindex auf 9214 Zähler. Doch damit wurde die Grundlage für eine kräftige Rally gelegt, die das Börsenbarometer innerhalb weniger Wochen auf 10.800 Punkte führte.

„Ein Hauch von Panik lag am vergangenen Freitag in der Luft“, bilanziert der Börsenexperte das aktuelle Umfrageergebnis. Allerdings erholte sich im weiteren Verlauf der Umfrage die Stimmung.

Je tiefer der Dax fällt, desto stärker steigen die Erwartungen der Anleger. So erwarten nunmehr 36 Prozent (plus zwei Prozentpunkte) der Umfrageteilnehmer steigende Dax-Kurse in drei Monaten, nur jeder Fünfte geht von nachhaltig fallenden Kursen aus. Die deutlichste Veränderung in der Erwartung ergab sich für eine Topbildung. Diese favorisieren nur noch acht Prozent der Umfrageteilnehmer (minus acht Prozentpunkte). Dafür wird nun eher eine Bodenbildung erwartet (plus vier Prozentpunkte auf sechs Prozent). Nach wie vor gehen 30 Prozent von einer anhaltenden Seitwärtsbewegung aus.

Die Verunsicherung der Anleger zeigt sich auch in der Investitionsbereitschaft, denn weder möchten Anleger auf dem nunmehr niedrigeren Niveau nennenswert verkaufen (minus zwei Prozentpunkte auf 14 Prozent), noch möchten sie zukaufen (minus fünf Prozent auf 22 Prozent). Die meisten wollen die kommenden zwei Wochen zunächst abwarten (plus sieben Prozentpunkte auf 64 Prozent).

An der Stuttgarter Börse Euwax stellen sich die Privatanleger auf eine Rally ein. Denn die Absicherungsgeschäfte, um sich vor Kursverluste zu schützen oder um auf fallende Kurse zu spekulieren, gehen immer weiter zurück. Die größten Positionen bestehen inzwischen in Call-Optionen, mit denen an einer Rally partizipiert werden kann. Dieser Euwax-Indikator wird anhand realer Transaktionen von Hebelprodukten ermittelt.

In den USA ist der „Angst-und-Gier-Index“, der auf technischen Indikatoren basiert, auf 45 Prozent gesunken und spiegelt eine neutrale Verfassung der US-Finanzmärkte wider. Auch in den USA signalisiert die Put-Call-Ratio eine neutrale bis zuversichtliche Haltung der Anleger. Gleichzeitig ist die Investitionsquote der Institutionellen in den USA wieder auf 84,5 Prozent angestiegen. US-Blogger und Börsenbriefschreiber geben aktuell zu 45 Prozent Kaufempfehlungen aus, auch das liegt im normalen Bereich. Privatanleger in den USA sind nur noch zu 24 Prozent „bullish“ gestimmt.


Zwei Szenarien sind möglich

Nach dem Dax-Kursrutsch am Freitag kurzzeitig unter 10.200 Punkte und entsprechend verunsicherten Anlegern, lauten nun die entscheidenden Fragen: Reichte das bereits für einen Panik-Boden? War das bereits der Ausverkauf, der einen nachhaltigen Boden ermöglicht? So wie es nach dem Brexit-Votum geschah.

„Die Sentimentanalyse gibt hier kein eindeutiges Bild“, erläutert Heibel. Häufig würden Wendepunkte, die auf einer Panik aufbauen, eine gewisse Zeit benötigen. Der finale Ausverkauf geschehe dann zwar sehr schnell, aber im Vorfeld zottele die Börse immer tiefer. „Das haben wir in der vergangenen Woche noch nicht gesehen, die Börse ist zwischenzeitlich immer wieder stark angestiegen“, schränkt der Sentimentexperte ein.

Brauchen wir denn gegebenenfalls gar keinen Panik-Boden? Vielleicht haben Anleger im Jahresverlauf wie beispielsweise in den Monaten Februar und Juni bereits ausreichend Panik gezeigt, so dass nunmehr ein moderater Ausverkauf ausreicht, um die nächste Rally vorzubereiten.

„Das mag sein“, meint Heibel. Insbesondere das Thema Deutsche Bank habe sich bereits sehr schnell in Wohlgefallen aufgelöst, da die US-Justiz Entgegenkommen signalisierte. Die Chance für eine heftige Gegenbewegung ist in diesem sprunghaften Markt jederzeit gegeben, der Dax könne dann in Richtung 10.800 Punkte springen. Doch ob sich darauf eine nachhaltige Rally aufbaue, sei noch ungewiss.

Um eine nachhaltige Rally aus der Sentimentsicht zu unterstützen, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt werden: Die Stimmung der Anleger auf dem Weg zu einem Dax-Stand von 10.800 Punkten müssen sich deutlich aufhellen, während sich gleichzeitig die Erwartungen an die künftige Entwicklung der Aktienmärkte eintrüben muss. Das werden die kommenden Umfrage zeigen.

Sollte hingegen die Stimmung schnell wieder kippen und der Dax bereits frühzeitig an Schwung verlieren, so ist nach Heibels Meinung ein erneuter Test der 10.200 Punkte zu erwarten, gegebenenfalls sind dann sogar Kurse um 10.000 Punkte möglich.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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