Dax-Umfrage: Weihnachtstimmung unter den Anlegern trügt

Dax-Umfrage: Weihnachtstimmung unter den Anlegern trügt

, aktualisiert 27. Dezember 2016, 14:45 Uhr
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Es herrscht unter den Anleger eine friedliche Stimmung. Sie sind mit den Kursgewinnen der vergangenen Wochen zufrieden. Doch diese Lage dürfte sich bald ändern.

von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr nutzen die meisten Anleger in Deutschland für eine Auszeit. Doch eine exklusive Analyse zeigt, dass es bald zu rasanten Kursbewegungen kommen dürfte.

DüsseldorfEuphorie wie noch nie – das war das Stimmungsbild der Anleger vor einer Woche. Obwohl der Dax rund 900 Zähler unter seinem Allzeithoch von 12.390 Punkte notierte, reichte ein neues Jahreshoch für diese extrem optimistische Stimmung. Es war beim Handelsblatt-Dax-Sentiment, das seit dem Sommer 2014 erhoben wird, ein neues Rekordhoch.

Und diese Woche? Der Dax ist weiter gestiegen, nur nicht mehr so stark. In der vergangenen Handelswoche schlug ein Plus von 0,6 Prozent zu Buche. Doch schon die Verlangsamung der Rally reicht aus, um die zuvor euphorische Stimmung deutlich abzukühlen.

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Wöchentlich werden bei der Handelsblatt-Umfrage mehr als 2300 Anleger zur Börsenstimmung befragt. Die Ergebnisse werden von Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx, ausgewertet und interpretiert. Aus dem Abstimmungsverhalten leitet er eine Prognose ab, wie sich der deutsche Leitindex in den kommenden Tagen entwickeln könnte.

Die aktuelle Umfrage zeigt: Nur noch 31 Prozent (minus 27 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) der Anleger sehen in der aktuellen Dax-Bewegung noch einen Aufwärtsimpuls, stattdessen gehen nun 38 Prozent (plus 28 Prozentpunkte) von einer Seitwärtsbewegung aus. Weitere 26 Prozent (minus fünf Prozentpunkte) betrachten die Jahreshochs im Dax als Topbildung.

Die moderat steigenden Kurse im Dax wollen 60 Prozent (plus 13 Prozentpunkte) zum größten Teil so erwartet haben, nur noch 19 Prozent (minus 13 Prozentpunkte) haben darauf spekuliert. „Dieser Schwenk zeigt, dass sich viele Anleger so kurz vor Weinachten mit den erzielten Aktiengewinnen zufrieden geben und sich nunmehr neutral positionieren“, analysiert Heibel.

Diese friedliche Stimmung zeigt sich auch in der Erwartungshaltung der Anleger. Herrschte vor einer Woche noch eine pessimistische Haltung gegenüber künftigen Kursgewinnen, so gehen nun 32 Prozent (plus 15 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) der Umfrageteilnehmer von weiter steigenden Kursen in drei Monaten aus. 31 Prozent (minus fünf Prozentpunkte) erwarten eine Seitwärtsbewegung und nur noch 27 Prozent (minus zwei Prozentpunkte) fürchten fallende Kurse.


"Typisch für eine Fortsetzung der Rally"

Die Erwartung der Anleger zu der Kursentwicklung in drei Monaten fiel vor einer Woche auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren und erholte sich diese Woche wieder in den neutralen Bereich. „Aus der Perspektive der Sentimentanalyse ist dies durchaus typisch für eine Fortsetzung der Rally nach einer kurzen Verschnaufpause“, meint der Animusx-Inhaber Heibel.

Doch die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr nutzen die meisten Anleger in Deutschland für eine Auszeit. So ist der Anteil derer, die noch nicht wissen, wie sie sich in den kommenden zwei Wochen verhalten werden, um 12 Prozentpunkte auf 61 Prozent gestiegen. Nur jeder Fünfte will zukaufen (minus fünf Prozentpunkte), 19 Prozent (minus sieben Prozentpunkte) wollen verkaufen.

Was vor allem für eine Fortsetzung der Rally spricht: Die Absicherungsgeschäfte der Privatanleger sind derzeit so stark wie im vergangenen Juli, als der Dax zur Erholungsrally ansetzte. Das zeigt das Sentiment der Stuttgarter Börse Euwax, das auf realen Handelsdaten mit Hebelprodukten auf den Dax basiert. Im Juli dieses Jahres stieg das deutsche Börsenbarometer um 1500 Zähler.

Auch Joachim Goldberg, der eine Sentimentumfrage für die Börse Frankfurt auswertet, stellte bei seinen Teilnehmern bereits Mitte der Woche vor Weihnachten eine zurückhaltende Stimmung mit starker Neigung zur Absicherung der Gewinne fest.

In den USA hat sich die Stimmung merklich abgekühlt. Der „Angst-und-Gier-Indikator“ des US-Index S&P 500 ist von der extremen Gier der Vorwoche leicht zurückgefallen und liegt bei noch 71 Prozent. Die Investitionsquote institutioneller Anleger ist wieder über 100 Prozent gesprungen (101,33%) und zeigt noch immer eine sehr optimistische Positionierung an. 45 Prozent der Empfehlungen von Bloggern und Börsenbriefschreibern sind Kaufempfehlungen und entsprechend sind mit 44,6 Prozent mehr Privatanleger bullisch gestimmt als im Jahresdurchschnitt.


Anleger dürften bald in Zugzwang kommen

Heibel bleibt bei seiner Meinung: „In den USA wird es schwer für den Dow Jones, die 20.000 Punkte zu erklimmen“. Dazu sei die Stimmung drüben zu optimistisch. Doch hierzulande habe sich die Stimmung ausreichend abgekühlt und gleichzeitig ist die Positionierung der Anleger so vorsichtig, dass ein Ausverkauf den Dax wohl nur geringfügig unter Druck setzen würde.

„Auf der anderen Seite setzt ein Anstieg über 11.500 Punkte im Dax Anleger unter Zugzwang setzen und ermöglicht einen schnellen Lauf in Richtung 12.000 Punkte“. Denn dann müssten Absicherungsgeschäfte aufgelöst werden und diejenigen, die sich nun neutral positioniert haben, würden den Kursen hinterherlaufen.

Ein ähnliches Szenario erwartet die X-Markets, die Derivatetochter der Deutschen Bank. In ihrer Analyse unter dem Titel „Start frei für das Jahresfinale“ merken sie an, dass man „unter Berücksichtigung des eher niedrigen Handelsvolumens in der vergangenen Woche den Eindruck gewinne, dass die meisten Investoren ihre Bücher bereits geschlossen haben.“ Allerdings brauche es bei niedrigen Volumina auch nicht viele Hände, um den Markt zu bewegen.

Das positive Chartbild ändere aber nichts daran, dass dem Markt ein kleiner Rücksetzer (idealerweise bis 11.150 oder sogar 11.000) gut tun würde. „Doch diese Bewegung/Korrektur könnte spielend auch ins nächste Jahr verschoben werden“, meinen die Experten. Mögliche Kursziele auf der Oberseite liegen bei 11.550 und 11.800 Punkten.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist

Quelle:  Handelsblatt Online
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