Dax-Umfrage: „Wir sind nicht weit entfernt von Euphorie“

Dax-Umfrage: „Wir sind nicht weit entfernt von Euphorie“

, aktualisiert 06. März 2017, 17:19 Uhr
Bild vergrößern

Nur auf kurze Sicht rechnen Anleger mit weiter steigenden Dax-Kursen.

von Georgios KokologiannisQuelle:Handelsblatt Online

Anleger erwarten, dass der Dax kurzfristig noch Potenzial hat. Gleichzeitig steigt aber die Verkaufsbereitschaft der Investoren. Was das für die weiteren Aussichten am Aktienmarkt bedeutet, zeigt die neue Dax-Umfrage.

FrankfurtDer jüngste Aufwärtsschub am deutschen Aktienmarkt hebt die Stimmung der Anleger: Kurzfristig rechnen sie mit einer Fortsetzung der Rally, die den Dax zuletzt auf über 12.000 Punkte getrieben hat. Auf lange Sicht dagegen wächst das Misstrauen der Investoren. Das zeigen die Ergebnisse der Handelsblatt-Umfrage zur aktuellen Börsenstimmung.

Wöchentlich werden bei dieser Umfrage mehr als 2.300 Anleger gefragt, wie sie die Lage an den Aktienmärkten einschätzen. Die Ergebnisse bewertet Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses AnimusX. Seine Prognosen zur Dax-Entwicklung sollen Orientierung für die Geldanlage bieten.

Anzeige

Unter dem Strich wertet der Sentiment-Experte den aktuellen Gemütszustand der Investoren derzeit positiv: Nach dem Anstieg des deutschen Leitindexes von 11.700 auf 12.000 Zähler in der zweiten Februarhälfte sei jetzt zwar durchaus eine Zeit der Konsolidierung möglich, in der das Ausbruchsniveau bei 11.700 Punkten nochmals getestet werden könne. „Das wären dann aber, wie schon vor einer Woche gesagt, in meinen Augen Kaufkurse“, sagt Heibel.

Die neusten Umfrageergebnisse im Detail: Das Lager derer, die in der aktuellen Dax-Bewegung eine Topbildung sehen, hat sich um drei Prozent auf 35 Prozent vergrößert. Weitere 39 Prozent (+13 Prozent) akzeptieren, dass der Dax derzeit im Rally-Modus läuft (Aufwärtsimpuls). Nur noch 21 Prozent (-9 Prozent) finden sich im Lager der Seitwärtsbewegung. „Mit einem Sentimentwert von 3,6 Prozent sind wir nicht mehr weit entfernt von Euphorie“, sagt Heibel. Die beginne bei gemessenen Sentiment-Werten oberhalb von fünf Prozent.


Warum ein Ausverkauf an den Börsen unwahrscheinlich ist

Obwohl vor einer Woche die Angst vor einem Ausverkauf angesprungen sei, zeigten sich nach Einschätzung des Experten heute viele Anleger zufrieden mit der Börsenentwicklung: 51 Prozent (+1 Prozent) fühlen ihre Erwartungen zum größten Teil bestätigt, weitere 18 Prozent (+5 Prozent) haben sogar auf den Anstieg spekuliert. Nur 20 Prozent (-4 Prozent) sehen ihre Erwartungen kaum erfüllt und 10 Prozent (-1 Prozent) wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Damit liege die Selbstzufriedenheit auf einem neutralen Niveau.

„Die insgesamt gute kurzfristige Stimmung ist im Sinne der Sentiment-Analyse zwar ein Kontraindikator, fallende Kurse könnten drohen“, gibt Heibel zu bedenken.
Was aber auf längere Sicht für weiter anziehende Notierungen spreche sei die anhaltend große Skepsis der Anleger gegenüber den langfristigen Chancen am Aktienmarkt. Die führt zu erhöhter Verkaufsbereitschaft und einer Zunahme von Absicherungsgeschäften.

Die zu beobachtenden gestiegenen Absicherungsgeschäfte von Privatanlegern wie auch Profis machen einen Ausverkauf an den hiesigen Börsen unwahrscheinlich. „Weiter steigende Kurse würden Anleger zudem unter Zwang setzen einzusteigen, um die Rally nicht zu verpassen“, sagt Heibel. „Das würde dann zusätzlich Zunder geben.“ Insbesondere beim Überspringen des Allzeithochs im Dax bei 12.375 Punkten dürften seiner Analyse zufolge einige Investoren unter Zugzwang kommen.

Mit seiner früheren Interpretation der Börsenstimmung lag Heibel jedenfalls richtig: Auch vor einer Woche hatte der Sentiment-Fachmann unter den Teilnehmern der Handelsblatt-Umfrage eine moderat gute Laune gemessen – aber große Skepsis hinsichtlich der Erwartungen für die Dax-Entwicklung in drei Monaten festgestellt. Diese Stimmungslage hatte er zum Anlass genommen, steigende Kurse zu prognostizieren, und so kam es auch: Der Dax ist in der vergangenen Woche um 1,9 Prozent auf 12.027 Punkte angestiegen.


Selten war die Verkaufsbereitschaft so hoch wie derzeit

Die Skepsis über die zukünftige Entwicklung ist gegenüber der Vorwoche fast unverändert: Ein Prozent der Umfrageteilnehmer, die vor einer Woche noch einen Abwärtsimpuls in drei Monaten befürchtet haben, gehen nun von weiter steigenden Kursen aus. Damit beträgt das Verhältnis aus Bullen zu Bären derzeit 21 zu 35 Prozent. Von einer Seitwärtsbewegung gehen 28 Prozent (- 1 Prozent) aus. „Die Erwartung hat sich damit kaum von dem pessimistischen Rekordwert der vergangenen Woche erholt, die Skepsis bleibt groß“, sagt Heibel.

Den Sprung über die vielbeachtete Marke von 12.000 Punkte haben einige Anleger zum Verkauf ihrer spekulativen Positionen genutzt. Dennoch ist die Anzahl derer, die in den kommenden zwei Wochen ihre Positionen weiter verkleinern wollen, um 3 Prozent auf 25 Prozent angewachsen, während nur noch 18 Prozent (- 5 Prozent) zukaufen möchten. Mit 57 Prozent (+ 2 Prozent) möchten die meisten vorerst weiter abwarten.

„Es ist selten, dass mehr Anleger verkaufen als kaufen möchten, doch heute ist das bereits zum zweiten Mal im noch jungen Jahr der Fall. Im gesamten Jahr 2016 gab es nur vier Wochenwerte mit überwiegender Verkaufsabsicht“, sagt Marktbeobachter Heibel. Nur einmal sei der Verkaufsüberhang so groß wie heute gewesen: am 26. Dezember 2016, der Dax stand damals 500 Punkte tiefer als heute.

An der Terminbörse Euwax haben Privatanleger zuletzt wieder ihre Absicherungspositionen hochgefahren. Auch Joachim Goldberg, der für die Börse Frankfurt die Stimmung der Anleger untersucht, stellt fest, dass zwar viele Privatanleger ihre Positionen bei Überspringen der 12.000 Punkte abgestoßen haben, doch die Gefahr eines Ausverkaufs ist auch seiner Einschätzung nach momentan gering. Profis haben an der Eurex ihre Put-Absicherungspositionen hochgefahren, ebenso die Privatanleger an der Euwax. Fallende Kurse dürften in Deutschland in der kommenden Woche also kaum jemanden überraschen.


An der Wall Street herrscht Gier

Ganz anders dagegen die Stimmung an der Wall Street, wo die Leitindizes auch im März ihre Rekordfahrt fortgesetzt haben. Bis Mitte vergangener Woche war der Bluechip-Index des Dow Jones 12 Tage in Folge gestiegen und hatte damit die längste Gewinnserie seit 30 Jahren hingelegt. Eine Folge der Euphorie in den USA: Der technische „Angst und Gier“-Index des Leitindexes S&P 500 ist mit 72 Prozent nun bereits wieder am oberen Rand der Gier, ab 75 Prozent beginnt die extreme Gier. Und auch institutionelle Anleger in den USA haben ihre Positionen weiter hochgefahren. Die Investitionsquote liegt dort inzwischen bei 102 Prozent (+1,2 Prozent). Privatanleger in den USA hingegen sind aktuell neutral gestimmt.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%