
DüsseldorfDie Anleger hoffen auf Aktionen der Notenbanken. Spekulationen über koordinierte Aktionen der Euro-Retter gaben bereits zum Wochenschluss den Märkten Auftrieb. In der nächsten Woche könnten Hoffnungsschimmer für weitere Kursschubser sorgen.
Allzu große Sprünge wird der deutsche Leitindex nach Meinung von Analysten aber wohl nicht machen, nachdem die Bundesbank am Freitag ihre kritische Haltung gegenüber der erhofften Wiederaufnahme von Anleihekäufen der Europäischen Zentralbank (EZB) bekräftigt hat. Am Donnerstag hatten entsprechende Äußerungen von EZB-Präsident Mario Draghi noch für Euphorie an den Finanzmärkten gesorgt.
Nachdem auch Angela Merkel und Francois Hollande ihre Treue zum Euro bekundet hatten, ging es für den Leitindex am Freitag nochmals deutlich aufwärts. Trotz holprigem Wochenstart hat der Dax auf Wochensicht ein kleines Plus geschafft.
Am kommenden Donnerstag äußert sich die EZB zu ihrer Geldpolitik. Nach der verbalen Intervention Draghis gebe es für diesen Termin aber beträchtliches Enttäuschungspotenzial, warnten die Analysten der Commerzbank.
Enttäuschungen programmiert
Marktanalyst Michael Hewson von CMC Markets sieht in Draghis Kommentaren zwar die Bereitschaft, die steigenden Renditen der Peripherie-Bonds zu kappen. Damit das effektiv geschehen könne, müsse die EZB allerdings ihr ganzes Gewicht in die Waagschale werfen, da der italienische Anleihenmarkt der drittgrößte der Welt sei. Wegen der Angst der Anleger infolge der Beteiligung des Privatsektors am griechischen Schuldenschnitt könnte sich die EZB jedoch zugleich in der Rolle wiederfinden, am Ende als einziger verfügbarer Anleihekäufer dazustehen. „Es scheint unwahrscheinlich, dass Deutschland solche Maßnahmen billigen wird, deshalb bleibt Vorsicht angebracht.“
Auch Marktstratege Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co warnt vor verfrühter Euphorie: „Am Ende kann die EZB nicht zusehen, wie der Euro den Bach runtergeht, aber es bleibt abzuwarten, ob sie schon in der neuen Woche etwas unternimmt.“ Kontraproduktiv seien in diesem Zusammenhang die Äußerungen des französischen Finanzministers Pierre Moscovici gewesen. Moscovici nahm am Freitag Draghi persönlich in die Pflicht und sagte, er vertraue darauf, dass der EZB-Präsident genau das tun werde, was nötig sei.
„Die EZB wird aber den Eindruck vermeiden wollen, dass sie auf Druck der Politik handelt“, sagte Rahn. Deshalb sei es möglich, dass die Notenbank ihre Maßnahmen später ankündigen werde. Neben den Anleihenkäufen dürfte bei der Pressekonferenz der EZB am Donnerstag auch das Thema Banklizenz für den EFSF ein Thema sein.
Die Fed soll es richten
Das Augenmerk richten Anleger zudem auf die Ratssitzungen der Notenbanken in den USA und Großbritannien. Den Anfang macht die Federal Reserve Bank am Mittwoch. In den vergangenen Wochen waren wiederholt Spekulationen über eine weitere Lockerung der Geldpolitik (QE3) aufgekommen. Analysten betonen allerdings, dass sich die Konjunktur deutlich verschlechtern müsse, bevor sich die Fed zu diesem Schritt entschließen werde.
Ob die Zahlen vom Freitag schlecht genug sind, um die Fed zum Handeln zu zwingen, ist unklar. Immerhin waren sie schlecht genug, um für weitere Hoffnungen auf ein QE 3 zu sorgen. Im zweiten Quartal ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) aufs Jahr hochgerechnet nur noch um 1,5 Prozent gewachsen, teilte das US-Handelsministerium am Freitag nach einer ersten Schätzung mit. In den ersten drei Monaten des Jahres waren es nach revidierten Zahlen noch 2 Prozent Wachstum, Ende 2011 sogar noch 4,1 Prozent.
In Großbritannien ist Experten zufolge die Wahrscheinlichkeit weiterer Anleihekäufe größer. Grund ist die Serie enttäuschender Konjunkturdaten der letzten Zeit. Die Bank von England (BoE) will ihre Entscheidung am Donnerstag verkünden.
US-Arbeitsmarkt bleibt Sorgenkind
Bei den Konjunkturdaten stehen vor allem die US-Beschäftigtenzahlen am Freitag im Fokus. Analysten sagen für Juli eine leichte Beschleunigung des Stellenaufbaus auf 100.000 von 80.000 voraus. Erste Hinweise auf die Aussichten für den US-Jobmarkt liefern zwei Tage zuvor die Zahlen der privaten Arbeitsagentur ADP. Hier sagen die Experten einen Rückgang des Beschäftigungszuwachses auf 120.000 von 176.000 voraus.
Am Dienstag stehen zudem die Daten zu den US-Konsumausgaben auf der Agenda. Hier prognostizieren Analysten für Juni ein Plus von 0,1 Prozent nach einer Stagnation im Vormonat. Der private Verbrauch gilt als die Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft.
Bilanzsaison läuft weiter auf Hochtouren
Parallel dazu legen erneut zahlreiche Konzerne ihre Zwischenbilanzen vor. Am Dienstag sind unter anderem Bayer und Deutsche Bank an der Reihe. Da letztere bereits eingeräumt hatte, dass der Nettogewinn im vergangenen Quartal rund ein Drittel niedriger ausfällt als gedacht, konzentriert sich die Aufmerksamkeit der Anleger auf die geplanten Stellenstreichungen im Investment-Banking sowie die Höhe möglicher Rückstellungen im Zusammenhang mit dem Libor-Zinsmanipulationsskandal.
Zu den großen deutschen Konzernen, die in der neuen Woche Einblick in ihre Bücher geben, gehören im Dax zudem HeidelbergCement und Metro am Dienstag sowie Fresenius, FMC, Henkel und BMW am Mittwoch. Am Donnerstag folgen Adidas, Deutsche Post, Lufthansa und Beiersdorf sowie am Freitag Allianz.



















