Dax weiter auf Höhenflug: EZB-Geldflut lässt Griechenland-Wahl verblassen

Dax weiter auf Höhenflug: EZB-Geldflut lässt Griechenland-Wahl verblassen

Den Dax lässt das griechische Wahlergebnis kalt, Anleger freuen sich weiter über das Anleihekaufprogramm der EZB. Auch die Ansteckungsgefahr durch Griechenland gilt als gering.

Der Dax lässt sich vom griechischen Wahlergebnis nicht beirren. Nachdem der Leitindex am Montagmorgen im Minus startete, drehte er schon am Vormittag deutlich ins Plus. Entgegen der Erwartungen bleiben Anleger trotz des Wahlsieges des Linksbündnis Syriza optimistisch.

Offenbar überwiegt an den Märkten die Freude über das von der Europäischen Zentralbank (EZB) angekündigte Anleihekaufprogramm deutlich gegenüber dem Wahlergebnis in Griechenland. "Die Stimmung ist angesichts der jüngsten Konjunkturspritze der EZB einfach zu gut, um den Dax nachhaltig ins Minus zu drücken", sagte ein Börsianer. Lediglich Bankwerte gehörten zu den Verlierern, die Angst vor einem Schuldenschnitt Griechenlands drückten die Papiere ins Minus.

Anzeige

Reaktionen in den Medien

  • „Le Figaro“: Die griechische Herausforderung

    „Wenn diese Wahl gegen das „Establishment" in Griechenland ausreicht, damit Frankreich, Deutschland und andere die Schulden Griechenlands an seiner Stelle zurückzahlen, würde dies den übrigen Euroskeptikern von Podemos in Spanien über Ukip in Großbritannien bis hin zu Marine Le Pen in Frankreich Tür und Tor öffnen. Sollte hingegen jetzt Griechenland aus der Eurozone und der EU austreten, dann wird man damit leben müssen. Auf jeden Fall wird man aus diesem Experiment (des Syriza-Parteichefs Alexis) Tsipras wertvolle Lehren ziehen können. Für Europa ist es sinnvoller, das griechische Experiment bis zum Ende zu beobachten, als zu versuchen, das Land durch eine inkonsequente Sonderbehandlung zu neutralisieren.“

  • „De Standaard“: Europa steht vor einem Dilemma

    „Europa steht nun vor einem Dilemma. Soll es rigoros auf dem strikten Sparkurs bestehen, den es den Griechen auferlegt hat? Oder soll es sich mit Tsipras an den Verhandlungstisch setzen, um nach einem Kompromiss zu suchen? Letzteres scheint die vernünftigste Option zu sein. Dabei dürfte jedoch der radikalste Punkt des Syriza-Programms - der Erlass eines Teils der Staatsschulden - ausgeschlossen sein. Das wäre nicht fair gegenüber jenen Euroländern, die sich stets dem Brüsseler Spardiktat gebeugt haben, und erst recht nicht gegenüber denjenigen, die ebenfalls durch Europa „gerettet“ wurden und im Gegenzug ihren Verpflichtungen artig nachgekommen sind.“

  • „Aftenposten“: Tsipras hat seine Chance nicht genutzt

    „Politiker, die eine Wahl gewinnen wollen, dürfen große Worte benutzen. Aber sobald die Wahl vorbei ist, wird erwartet, dass die Rhetorik abgeschwächt wird, um die Erwartungen der Anhänger in Vorbereitung auf den Alltag zu dämpfen. Das gilt besonders für einen Politiker, der Ministerpräsident wird. Das war die Möglichkeit, die Tsipras gestern hatte und nicht genutzt hat. Als er seine Siegesrede am Sonntagabend gehalten hat, hat er die meisten seiner Wahlversprechen wiederholt, nicht zuletzt seine unversöhnliche Haltung gegen die Forderungen, die die EU als Bedingung für die enormen Kredite, die Hellas seit 2010 bekommen hat.“

  • „DNA“: Syriza bringt Europa und Griechenland frischen Wind

    „Der haushohe Sieg von Syriza bedeutet einen Bruch mit der etablierten Ordnung und ein Todesurteil für einige alte erstarrte Parteien. Er bringt einen frischen Windstoß für einen Kontinent, der neuen Atem schöpfen und sich neu erfinden muss. Man kann vernünftigerweise hoffen, dass (Syriza-Chef Alexis) Tsipras das tun wird, was (Präsident) François Hollande nach seiner Wahl nicht tun konnte oder wollte. Tsipras' Politik des Wiederaufschwungs und der Reformen der Institutionen kann vielleicht Erfolge bringen, wenn die Finanzmärkte ihm die Zeit lassen, sie durchzusetzen. Tsipras verdient eine Chance dort, wo alle anderen Politiker gescheitert sind.“

  • „Guardian“: Neue Vereinbarungen für eine neue Ära in Griechenland

    „Jetzt wird sich entscheiden, ob die neue griechische Regierung sich mit ihren Kreditgebern auf neuer Grundlage einigen kann. Ein erfolgreiches Ergebnis wird hauptsächlich von Deutschland abhängen, wo man immer noch meint, dass die Eurozone nur mit der finanzpolitischen Rechtschaffenheit weiterleben kann, die das Erdbeben in Griechenland herbeigeführt hat. Für (Bundeskanzlerin) Angela Merkel wird das nicht einfach sein. Es ist ja nicht nur Griechenland; die gesamte Eurozone braucht einen Neuanfang. Der Norden sollte endlich auf die Botschaft des Südens hören.“

  • „El País“: Syriza darf Steuerzahlern in der EU nicht schaden

    „Die Wahl in Griechenland zeigt, dass die demokratischen Strukturen in Europa funktionieren. Sie erlauben den Sieg von nicht konventionellen Parteien. Griechenland bleibt ein Mitglied der europäischen Familie, auch wenn die neue Führung keinem der etablierten Lager der Konservativen und der Sozialdemokraten angehört.

    Die EU-Verbündeten nehmen den Wahlausgang, auch wenn er ihnen nicht gefällt, als etwas Normales hin. Syriza wird als Regierungspartei die Interessen der Bürger so gut vertreten wie es geht. Die neue Regierung muss aber die internationalen Verpflichtungen einhalten. Sie darf den Steuerzahlern in den anderen EU-Ländern keinen Schaden zufügen und keine Angriffe auf die Stabilität der EU unternehmen.“

  • „NZZ“: Die schwere Last des Wahltriumphs in Griechenland

    „Der Wahltriumph des Linksbündnisses hat auch politisch eine europäische Dimension. Er wird in den südeuropäischen Ländern jene Protestparteien beflügeln, welche die Sparpolitik bekämpfen. (Parteichef Alexis) Tsipras will nicht nur Griechenland retten, sondern den ganzen Kontinent verändern. Ihm schwebt ein Europa ohne Austerität vor. Der Wahlsieger hat der eigenen Bevölkerung trotz dem gewaltigen Schuldenberg viel versprochen. Die Erwartung ist groß, dass die neue Partei die alten Verkrustungen aufbrechen kann. Ob die Rezepte von Tsipras Linderung bringen werden, ist fraglich. Sie könnten das Land auch in ein noch größeres Elend stürzen.“

Die Aussicht darauf, dass die EZB ab März monatlich für 60 Milliarden Euro Anleihen kaufen wird, verscheucht die Angst vor einer wiederaufflammenden Euro-Krise. "Wir erwarten nicht, dass die aktuellen Entwicklungen den Euro noch weiter schwächen", schreiben die Analysten der BNP Paribas in einem Kommentar.

Der Euro war nach dem Syriza-Sieg zeitweise unter 1,11 Dollar gefallen und lag damit auf einem Elf-Jahres-Tief. Im Tagesverlauf lag die Gemeinschaftswährung allerdings wieder leicht im Plus. Auch hier dürfte die Wirkung der geldpolitischen Lockerung durch die Zentralbank überwiegen.

Auch den ifo-Index hat der schwache Euro angetrieben. Der Indikator legte bereits zum dritten Mal in Folge zu und kletterte von 105,5 auf 106,7 Punkte. „Die Unternehmen waren merklich zufriedener mit ihrer aktuellen Geschäftslage", sagte ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Zudem blickten sie wieder mehrheitlich optimistisch auf die kommende Entwicklung, so der Ökonom.

Grund für die Zuversicht ist neben dem schwachen Euro vor allem der niedrige Ölpreis. Beides wirkt im Moment wie ein Konjunkturpaket, die Industrie und die Exportunternehmen frohlocken. Allerdings spielten die Entscheidung der EZB für den umstrittenen Ankauf von Staatsanleihen oder die Wahl in Griechenland noch keine Rolle, da sie für die Umfrage zu spät kamen.

weitere Artikel

Die Experten von Fidelity sehen in der weitgehend positiven Reaktion der Märkte auf die Griechenland-Wahl auch ein Indiz dafür, dass die Ansteckungsgefahr von Griechenland auf andere Euro-Krisenstaaten deutlich geringer ist, als es viele befürchtet haben.

"Der Finanzsektor steht heute deutlich robuster da, als zum Höhepunkt der Krise 2011", heißt es in einer Analyse. Europas Finanzinstitute hätten Kapitalreserven aufgebaut und Verflechtungen reduziert. "Daher gehe ich davon aus, dass die Kurse an den Finanzmärkten heute eher von den Fundamentaldaten der Unternehmen beeinflusst werden als von externen Makrofaktoren", schreibt Paras Anand, Leiter des europäischen Aktienteams bei Fidelity Worldwide Investments.

Während der Dax noch immer auf der EZB-Überholspur unterwegs ist, ist die Stimmung an der griechischen Börse mies. Anleger fürchten, dass Athen aus der Währungsunion ausscheiden könnte, sollte Syriza-Chef Alexis Tsipras die Reformauflagen der internationalen Geldgeber kippen und einen Schuldenerlass durchsetzen wollen. Die Athener Börse fiel zeitweise um 5,5 Prozent. Der Index für die heimische Bankenbranche brach sogar um bis zu 12,3 Prozent ein.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%