Deutsche Annington: Unter Qualen an die Börse

KommentarDeutsche Annington: Unter Qualen an die Börse

von Hauke Reimer

Weniger geht kaum: Deutlich weniger Aktien als geplant kommen am Donnerstag an die Börse  - zu einem deutlich niedrigeren Preis. Trotz des Rabatts wird das Papier des größten deutschen Wohnungskonzerns nicht fliegen. Das Unternehmen hat noch gewaltige Aufgaben zu bewältigen - und Finanzinvestor Terra Firma dürfte bald weitere Aktien auf den Markt werfen.

Guy Hands, der Chef des Finanzinvestors Terra Firma, musste ordentlich zurückrudern. Für 16,50 Euro je Aktie hat Terra Firma die Aktien der Deutschen Annington verkauft; ausschließlich an Großinvestoren und im Hau-Ruck-Verfahren, nachdem der ursprünglich für den 3. Juli geplante erste Versuch schmählich gescheitert war. Im ersten Anlauf, damals hatte Terra Firma noch auf 21 Euro gehofft, hatten viele Investoren abgewunken. Zu massiv war der Eindruck, dass hier ein Aktienverkäufer den Hals nicht voll bekommt. Nur 60 Prozent der angebotenen Aktien wurden im ersten Durchgang vorbestellt - eine Klatsche für Terra Firma, Deutsche Annington und nicht zuletzt die federführenden Investmentbanken JP Morgan und Morgan Stanley. Terra Firma, die ihren Anlegern dringend mal einen erfolgreichen Börsengang vorweisen müssen, kassieren jetzt statt ursprünglich erhofften fast 700 Millionen Euro nur ein Viertel, rund 170 Millionen. Annington, immerhin, bekommt wie geplant 400 Millionen.

Terra Firma hatte keine andere Wahl: Annington braucht die 400 Millionen dringend. Mit ihnen, so scheint es, steht und fällt die weitere Finanzierung des mit immer noch 4,7 Milliarden Euro kräftig verschuldeten Konzerns. Denn die zum Jahreswechsel stolz verkündete Refinanzierung der Annington kann man, wenn man weniger wohlwollend drauf schaut, auch als einfache Verlängerung von Krediten bezeichnen. Annington muss nachliefern, die Schulden runter bringen, damit attraktivere Finanzierungsmöglichkeiten drin sind, zum Beispiele über Pfandbriefe. In Finanzkreisen wurde nach dem geplatzten ersten Börsengang sogar schon über einen Einstieg chinesischer Staatsfonds oder über eine Fusion mit dem deutschen Wohnungskonzern Gagfah spekuliert. Gagfah-Eignerin Fortress, ebenfalls aus dem Private-Equity-Lager, hätte dann Gagfah-Aktien einbringen und dafür Anteile des gemeinsamen Annington-Gagfah Konzerns bekommen. Doch Fortress zog es gerade diese Woche vor, ein ordentliches Gagfah-Paket gegen Cash auf dem Markt zu werfen.

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Private Anleger können die Annington-Aktie nicht zeichnen, wohl aber an der Börse nachkaufen. Dass ihnen der Kurs davonläuft, scheint trotzdem eher unwahrscheinlich. Annington ist zum einen auf dem aktuellen Niveau gerade mal fair bewertet. Und das Unternehmen hat eine Menge ungelöster Probleme: Überdurchschnittlich viel Ärger mit Mietern, große Wohnungsbestände in wirtschaftlich eher schwächeren Städten wie Dortmund und Essen, wenig Spielraum für Mieterhöhungen, ein weitgehend nicht aus der Immobilienbranche stammendes Management. Über allem, und das ist das stärkste Argument gegen die Aktie, hängt das Damoklesschwert weiterer Aktienverkäufe. Terra Firma hat nicht so viel verkauft, wie erhofft, wird also nach Gelegenheiten suchen, Aktien abzugeben, sobald das zulässig und möglich ist.

Was aber passiert, wenn ein Finanzinvestor beim Börsengang nicht so viel verkaufen kann wie ursprünglich erhofft, lässt sich hübsch am Beispiel Evonik ablesen. Seit CVC die Aktie an der Börse listen ließ, ist das Papier des Chemiekonzerns in einem recht freundlichen Aktienmarkt von 33 auf unter 25 Euro gefallen.

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