Deutsche Bank mischt mit: Mehr riskante Kredite als vor der Krise

KommentarDeutsche Bank mischt mit: Mehr riskante Kredite als vor der Krise

von Martin Seiwert

Die Kreditvergabe in den USA ignoriert erneut Ausfallrisiken, Anleger kaufen gebündelte Papiere wie vor der Finanzkrise. Bei Hochzinskrediten für Unternehmen bildet sich eine gefährliche Spekulationsblase.

Im Jahr sechs nach Lehman sind die Bilder von gefeuerten Bankern, die den Inhalt ihrer Schreibtische in kleinen Kartons aus der Bank tragen, verblasst. Amerika hat sich an seine Rekordarbeitslosigkeit gewöhnt, und Europa kämpft mit seiner eigenen Krise. Der Schrecken schwindet, und überall, wo amerikanisches Recht noch Spielräume lässt, dreht sich das Roulette wieder – bei riskanten Unternehmenskrediten sogar in Vorkrisengeschwindigkeit. Leveraged Loans heißen solche Kredite an Firmen mit eingeschränkter Kreditwürdigkeit. Die auf ihnen basierenden Anlageprodukte sind die gleichen wie vor der Krise: Kredite werden gebündelt und dann scheibchenweise verkauft.

2007 wurden in den USA hoch verzinste Leveraged Loans im Gesamtvolumen von 535 Milliarden Dollar aufgelegt. Ein Jahr später wurden sie nach heftigen Kursabstürzen zum Inbegriff der fatalen Spekulation, es gab fast keine neuen mehr. In diesem Jahr aber wird das neu aufgelegte Kreditvolumen rund 600 Milliarden Dollar erreichen, mehr als je zuvor und mehr als das Bruttoinlandsprodukt von Schweden oder Polen.

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Deutsche Bank Quelle: dpa

Investoren wissen oft kaum, was sie da bekommen, sie jubeln über acht, neun, manchmal auch zehn Prozent Zinskupon. Das ist in Zeiten, in denen Zinsen für Staatsanleihen weit unter der Drei-Prozent-Linie entlangkrebsen, eine Menge. Mehr als die Hälfte dieser Leveraged Loans war 2013 mit besonders hohen Risiken behaftet, weil Kreditgeber kaum Einblick in die Lage der Unternehmen hatten.

Die Notenbank Fed schrieb deshalb US-Großbanken, sie mögen bitte kein Geschäft mit besonders gefährdeten Kreditnehmern machen. Für die gebündelten Kredite als Anlageform fordert die Fed sogar gesetzliche Auflagen. Mark Zandi, Chef-Ökonom bei Moody’s Analytics, spricht von einer „wachsenden Sorge“ hinsichtlich der Qualität der den Loans zugrunde liegenden Kredite: „Die Befürchtung ist, dass wir den gleichen Weg gehen wie 2005 und 2006 mit den Immobilienkrediten“, sagte er einer US-Zeitung. An den Produkten lässt er kein gutes Haar: „Was wie Unkraut wächst, ist wahrscheinlich Unkraut.“

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Droht ihretwegen eine neue Finanzkrise? Noch nicht. Dafür sind Volumen und Ausfallrisiken noch nicht groß genug. Sollten die Leveraged Loans weiter wuchern und die Zinsen steigen, könnten die von der Zinslast überforderten Kreditnehmer reihenweise ausfallen. Dass die Deutsche Bank unlängst durch einen windigen Deal auffiel, ließ die Wall Street aufhorchen. Zusammen mit GE Capital versorgten die Deutschen das Medienunternehmen Learfield Communications mit dem Achtfachen seiner jährlichen Gewinne: 330 Millionen Dollar. Laut Standard & Poor’s ist Learfield das erste Unternehmen mit Erträgen unter 50 Millionen Dollar, das in den Genuss eines Leveraged Loans kommt und ein Symbol für die „zunehmend aggressive“ Kreditvergabe. Hoffentlich haben die Deutschbanker in Frankfurt im Blick, was ihre US-Kollegen da so treiben.

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