Deutsche Börse: Anleger zwischen Party und Katerstimmung

Deutsche Börse: Anleger zwischen Party und Katerstimmung

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Ein Händler beobachtet die Turbulenzen am Deutschen Aktienmarkt

von Andreas Toller

Was war das denn? Der breite Kursrutsch an den Börsen weltweit hat die Bezeichnung Crash verdient. Nun geht es mit Jubel wieder aufwärts. Als Etappe des Börsenzyklus passt das zumindest ins saisonale Muster.

Mal wieder ist von einem „Schwarzen Montag“ die Rede. Der Absturz an den Börsen in New York, London, Frankfurt, Paris und nicht zuletzt Shanghai trug eindeutig Züge einer um sich greifenden Verkaufspanik. Der an den Börsen seit jeher stark ausgeprägte Herdentrieb ließ die Kurse weltweit in die Tiefe rauschen.

Dabei war die schlechte Nachricht, die den Crash auslöste, bei nüchterner Betrachtung gar nicht so dramatisch: Ein Meldung zum gebremsten Wachstum in China genügte völlig – das Wachstum sinkt dort von 6,8 auf 6,0 Prozent. Angesichts der Größe der chinesischen Volkswirtschaft ist das noch immer ein gewaltiges Wachstumsplus, aber eben deutlich weniger als erwartet und als aus den Vorjahren gewohnt.

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Die Schwäche Chinas und die sich dort zusammenbrauenden Gefahren für die Weltwirtschaft und die Börsen sind aber nicht neu. Schon lange ist von sich bildenden Anlageblasen in China die Rede. Viele Wirtschaftsexperten weisen seit langem auf die wachsenden Immobilien-, Kredit- und Aktienblasen im Reich der Mitte hin. Haben Anleger weltweit erst jetzt realisiert, dass Ihre Annahmen über die globale Wirtschaft und die Konjunkturlokomotive China zu optimistisch waren?

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Der China-Crash und die Auswirkungen für die Weltwirtschaft.

Der China-Crash und die Auswirkungen für die Weltwirtschaft. Quelle: Illustration: Dmitri Broido, Foto: Fotolia

Vermutlich nicht. Wie meist in der Geschichte der Börsencrashs genügte in der Nachbetrachtung ein relativ kleiner Anlass, um all die unterdrückten Bedenken der Anleger in den Fokus zu rücken. Dennoch stellt sich für Anleger die Frage, ob das Minus von drei bis fast fünf Prozent an den verschiedenen Börsen nun gerechtfertigt war. Falls ja, wäre es womöglich nur der Auftakt einen längeren Börsendepression, die ihre Tiefststände erst noch ausloten wird. Oder war es nur eine Verkaufswelle, verstärkt durch geringe Handelsumsätze in den Sommermonaten und Handelsalgorithmen, die auf Verkaufssignale mit Massenverkäufen in Millisekunden reagierten?

Von ruhigem Handel keine Spur

Den Grund für die dramatischen Kursbewegungen in dieser Woche in den geringen Handelsumsätzen zu suchen, wie sie für Sommermonate an der Börse typisch sind, funktioniert diesmal nicht. Zwar gilt grundsätzlich, je weniger an den Börsen gehandelt wird und je geringer die Zahl der Akteure an der Börse, umso stärker die Kursschwankungen. Aber diesmal kann von ruhigem Handel kaum die Rede sein.

Stichwort: Die schwärzesten Tage für den Dax seit 1987

  • Hintergrund

    Frankfurt, 24. Aug (Reuters) - Die Furcht vor einem deutlichen Konjunktureinbruch in China hat die Aktienmärkte am Montag auf Talfahrt geschickt. Der Frankfurter Leitindex Dax rutschte erstmals seit Mitte Januar wieder unter die Marke von 10.000 Punkten, zeitweise fiel er um bis 3,6 Prozent auf 9760 Zähler.

    Eindeutige Kriterien für einen Crash gibt es nicht - außer Panik, hohe Umsätze und hohe Verluste. Beim bislang größten Börsenkrach der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987, als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index an der Wall Street um 23 Prozent einbrechen ließ, gab es den Dax noch nicht. Er wurde erst am 1. Juli 1988 erstmals berechnet.

    Im folgenden eine Übersicht über die prozentual höchsten Verluste des Dax seither:

    DIE 1990er JAHRE UND DIE ANSCHLÄGE VON 9/11

  • 16. Oktober 1989

    Der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten bei einem Unternehmensverkauf einen Ausverkauf auslösten.

  • 19. August 1991

    Ein später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow drückt den Dax um gut neun Prozent ins Minus.

  • 20. Oktober 1997

    Im Sog der Asienkrise sackt der Dax im Handelsverlauf um bis zu 13 Prozent ab und schließt mit 3567 Punkten acht Prozent niedriger.

  • 1. Oktober 1998

    Die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds in den USA und einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den Dax um acht Prozent ins Minus.

  • 11. September 2001

    Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

  • Finanzkrise 2008

    Sie hinterlässt tiefe Spuren im Dax.

  • 21. Januar 2008

    Angst vor einer Rezession in den USA drückt den Dax um sieben Prozent auf 6790 Punkte ins Minus. Bei der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers am 15. September kommt er aber glimpflich davon und verliert nur moderate 2,7 Prozent.

  • 6. Oktober 2008

    Für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate muss binnen einer Woche ein zweites Rettungspaket geschnürt werden. Der Dax verliert sieben Prozent.

  • 8. Oktober 2008

    Im Sog der Finanzkrise stürzt der Nikkei -Index um über neun Prozent ab. Der Dax verliert bis zu neun Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der großen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der Dax schließt mit einem Minus von sechs Prozent.

  • 10. Oktober 2008

    Rezessionsängste angesichts der Finanzkrise drücken den Nikkei-Index um zehn Prozent. Der Dax verliert ebenfalls sieben Prozent.

  • 24. Oktober 2008

    Ein erneuter Absturz der Tokioter Börse drückt den Dax in der Spitze um über elf Prozent.

  • 8. August 2011

    Nachdem die USA bei der Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bestnote als Kreditnehmer verlieren, brechen die Kurse ein: Der Dax verliert rund fünf Prozent.

  • 5. September 2011

    Die Furcht der Anleger vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone drückt den Dax um 5,3 Prozent ins Minus.

  • 1. November 2011

    Der Dax verliert rund fünf Prozent. Auslöser ist die überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland über ein Rettungspaket.

  • 29. Juni 2015

    Das Scheitern der Gespräche zur Lösung der Schuldenkrise in Griechenland und die überraschende Ansetzung einer Volksabstimmung über die Forderungen der Gläubiger drückt den Dax gleich im frühen Handel um 4,6 Prozent auf 10.964,24 Punkte.

Tatsächlich verzeichnet die Deutsche Börse im Xetra-Handel in diesem Jahr zwar deutlich schwankende, aber insgesamt steigende Umsätze. Vor allem die Griechenland-Krise dürfte vielen Anlegern die Ruhe in den Sommermonaten geraubt haben. Im August steuert der Xetra-Handel mit noch vier ausstehenden Handelstagen auf Monatsbasis den Handelsrekord des laufenden Jahres an. Es fehlen nur noch fünf Milliarden Euro Handelsumsatz, um den Spitzenmonat März zu toppen. Dazu dürfte ein weiterer Handelstag genügen.

Insgesamt sind die Handelsumsätze auch im Vergleich zu den Vorjahren kräftig gestiegen. Gleich mehrere Banken melden für das erste Halbjahr endlich wieder gute Geschäfte im Aktienhandel. Der Umsatz an den Aktienmärkten hat sich nach Angaben der Analysefirma Markit im ersten Halbjahr um 25 Prozent erhöht auf 1,4 Billionen Euro. Das ist der höchste Wert seit mindestens 2009 – dem Jahr, in dem die Finanzkrise an den Börsen ihren Höhepunkt erreichte.

Ein Grund für Optimismus ist das höhere Handelsvolumen daher nicht. Denn gerade wenn Verluste drohen, wird das Börsengeschäft immer hektischer.

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