BaFin lehnt Kengeter-Deal mit Staatsanwaltschaft ab

Deutsche Börse: BaFin lehnt Kengeter-Deal mit Staatsanwaltschaft ab

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Carsten Kengeter, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Börse

Für Börsenchef Carsten Kengeter könnte es in der Insideraffäre noch einmal eng werden. Die Bafin ist mit dem von der Staatsanwaltschaft vorgeschlagenen Deal offenbar nicht einverstanden.

In der Insideraffäre bei der Deutschen Börse könnte es für Vorstandschef Carsten Kengeter noch einmal eng werden. Wie eine mit den Gesprächen vertraute Person Reuters am Freitag sagte, lehnt die Finanzaufsicht BaFin den Deal Kengeters und der Börse mit der Staatsanwaltschaft als zu niedrig ab.

Um das Verfahren gegen ihn beizulegen, sollte Kengeter aus seinem Privatvermögen 500.000 Euro bezahlen, das Unternehmen will 10,5 Millionen Euro an die Behörde überweisen. Der Insider sagte, verglichen mit ähnlich gelagerten Fällen seien diese Summen zu gering. Die BaFin, die Deutsche Börse und die Staatsanwaltschaft Frankfurt wollte sich nicht äußern. Die Aktie der Börse gab am Freitag um 2,5 Prozent nach.

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Ein Gerichtssprecher sagte auf Anfrage von Reuters, ihm liege noch keine offizielle Stellungnahme der BaFin in dem Fall vor. Zuerst hatte die Agentur "Bloomberg" darüber berichtet. Das Votum der BaFin ist sehr wichtig in dem Fall, weil sie vor der endgültigen Annahme eines Deals durch das zuständige Amtsgericht gehört werden muss.

Deutsche Börse Staatsanwaltschaft fordert 500.000 Euro Geldauflage gegen Kengeter

Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter wird Marktmanipulation sowie Insiderhandel vorgeworfen. Die zuständige Staatsanwaltschaft hat nun bei Gericht eine Einstellung des Ermittlungsverfahrens beantragt.

Carsten Kengeter Quelle: dpa

Sie prüft ohnehin unabhängig vom Gericht die Zuverlässigkeit des Vorstands der Börse. Auch die hessische Börsenaufsicht, die für die Betriebserlaubnis der Frankfurter Börsenaufsicht zuständig ist, prüft in dem Fall. Von ihr war am Freitag keine Stellungnahme zu erhalten. Mit einem Ergebnis der Untersuchung wird erst in den kommenden Monaten gerechnet.

Kengeter wird vorgeworfen, dass er im Dezember 2015 für 4,5 Millionen Euro Aktien des Börsenbetreibers gekauft hat - zwei Monate, bevor die Fusionspläne mit der Londoner Börse LSE öffentlich wurden. Diese hatten den Aktienkurs massiv nach oben getrieben. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft gab es zum Zeitpunkt des Aktienkaufs aber bereits Gespräche mit der LSE. Der frühere Investmentbanker Kengeter hatte die Aktien im Rahmen eines Vergütungsprogramms erworben, mit dem ihn der Aufsichtsrat langfristig an das Unternehmen binden wollte. Er hatte sich bei dem Kauf mit eigenem Geld verpflichtet, die Aktien mindestens bis Ende 2019 zu halten.

Sein Vorgehen hat der Börsenchef wiederholt verteidigt. Wenn es ein Angebot des Aufsichtsrats an das Top-Management zum Kauf von Aktienoptionen des eigenen Unternehmens gebe, dann sei es die "moralische Pflicht, ein solches auch anzunehmen", hatte er erst kürzlich erklärt. Der Aufsichtsratschef der Börse, Joachim Faber, stärkt Kengeter den Rücken. Faber steht allerdings wegen der Angelegenheit selbst unter Druck.

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