Deutsche Börse: "Das muss die Börse stoppen"

Deutsche Börse: "Das muss die Börse stoppen"

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Henning Gebhardt, Fondsmanager bei der Deutschen-Bank-Tochter DWS

von Annina Reimann

Der DWS-Fondsmanager Henning Gebhardt kritisiert nach der geplatzten Fusion den Vorstand der Deutschen Börse. Er fordert eine strategische Neuausrichtung.

WirtschaftsWoche: Herr Gebhardt, die Fusion zwischen der Deutschen Börse und der Nyse Euronext ist gescheitert. Wie beurteilen Sie das als Aktionär?

Gebhardt: Die Nyse und deren Aktionäre hätten von der Fusion unverhältnismäßig stärker profitiert. Daher ist das Scheitern der Fusion für die Nyse problematischer. Das Umtauschverhältnis war vorteilhafter für sie, außerdem ist New York viel stärker vom besonders wettbewerbsintensiven Aktienhandel abhängig als die breiter aufgestellte Deutsche Börse. Nun ist das Management der Börse gefordert.

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Was muss passieren?

Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni hat über die letzten Jahre mehrere Deals versucht und ist gescheitert. Es wird ihm also nicht viel anderes übrig bleiben, als sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren. Er muss viele Fragen beantworten: Wie reagiert die Börse auf den verschärften Wettbewerb? Kann man weiter Kosten senken? Hat man die richtigen Preismodelle? Die Börse hat in den letzten Jahren vor allem im Aktienhandel Marktanteile an andere Anbieter verloren. Da muss man in Klausur gehen und sagen: Was kann man auf eigener Basis besser machen?

Welche Folgen hat die Niederlage für das Management?

Das ist die große Frage. Gerade an Herrn Francioni geht das Ganze nicht spurlos vorbei. Die Fusionsbemühungen haben über ein Jahr lang die Kräfte des Managements gebunden. Im letzten Jahr und auch davor gab es bei der Börse eher Stillstand, da muss wieder mehr Dynamik reinkommen.

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Ist Francioni der Richtige an der Spitze der Börse? Sein Vertrag läuft Ende 2013 aus.

Hin und wieder muss es einen Neuanfang geben – in welcher Form auch immer. Das Geschäftsmodell hat sich einfach zu wenig nach vorn entwickelt. Da hatte die Börse in den letzten Jahren zu wenig neue Ideen. Als Aktionär der Deutschen Börse kann ich nicht zufrieden sein.

Was wünschen Sie sich?

Eine klare Antwort darauf, wie man sich erfolgreich außerhalb der europäischen Märkte entwickeln will. Die Musik spielt in Asien, da wird der Kuchen jetzt verteilt. Mich beschleicht die Ahnung, dass die Börse dort nicht immer der gewünschte Partner ist. Das Unternehmen muss auch stärker darauf hören, was seine
Kunden wollen. Diese bemühen sich zu oft um Alternativen, weichen auf neue Plattformen wie Chi-x oder Bats aus. Das muss die Börse stoppen. Große Visionen dürfen nicht dazu führen, dass das Tagesgeschäft vernachlässigt wird.

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