Deutsche Börse/Nyse: Fusion an EU-Veto gescheitert

Deutsche Börse/Nyse: Fusion an EU-Veto gescheitert

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Sie waren die Verfechter der Fusion: Duncan Niederauer (l), Chef der New York Stock Exchange (NYSE) und der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse, Reto Francioni.

Fast genau ein Jahr nach der Ankündigung der Megafusion haben die Brüsseler Wettbewerbshüter ihr Veto gegen die geplante Ehe zwischen Frankfurt und New York eingelegt. Die Fusion ist vom Tisch.

Bis zuletzt warb der amerikanische Börsen-Chef in Europa für die Ehe zwischen der Nyse Euronext und der Deutschen Börse. Doch aus Brüssel gab es nur verhaltene Stimmen, die Berater des EU-Wettbewerbskommissars Almunia standen dem Vorhaben kritisch und ablehnend gegenüber.

„Ungeachtet der von den Unternehmen angebotenen Abhilfemaßnahmen ist die Europäische Kommission zu der Einschätzung gelangt, der Zusammenschluss behindere in erheblichem Maße effektiven Wettbewerb“, teilte die Deutsche Börse in Frankfurt mit. Die EU-Wettbewerbshütter hatten vor allem den Börsenhandel mit Derivaten als Grund angegeben, der nach einer hypothetischen Fusion etwa 90 Prozent Marktanteil gehabt hätte - ein Monopol im europäischen Derivatemarkt, wie Almunia schon in den vergangenen Wochen monierte.

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Die Übernahmeversuche der Deutschen Börse

  • Häufiges Scheitern

    Bei ihren zahllosen Versuchen, große Wettbewerber zu übernehmen, ist die Deutsche Börse Deutsche Börse oft gescheitert. Im Visier waren bereits die Handelsplätze in Zürich, mehrfach die Londoner Börse LSE sowie Mailand. Beispiellos war der Aufstand mächtiger Großaktionäre gegen die LSE-Übernahme im Jahr 2005, die letztlich die damalige Börsenführung den Job kostete. Im Kampf um die europäische Vierländerbörse Euronext hatte 2006 die New York Stock Exchange (Nyse) die Nase vorn.

    Nach dem Kauf der US-Optionsbörse ISE 2007 - den Kritiker viel zu teuer fanden - ist die im Februar verkündete Fusion mit der Nyse Euronext zweifelsohne der größte Deal des Frankfurter Marktbetreibers. Mit dem am Freitag vorgelegten Konkurrenzangebot von Nasdaq OMX und ICE könnten die transatlantischen Pläne der Frankfurter allerdings wieder einmal durchkreuzt werden.

    Einige Stationen der Fusionsbemühungen der Deutschen Börse. (Quelle: dpa)

  • Mai 2000

    Der Plan einer Fusion mit der LSE scheitert.

  • August 2004

    Die Schweizer Börse SWX gibt Frankfurt einen Korb.

  • 9. Mai 2005

    Der Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, tritt als Folge des gescheiterten Übernahmekampfes um die LSE zurück.

  • 15. März 2006

    Die Deutsche Börse gibt bekannt, dass sie eine Fusion mit der Vierländerbörse Euronext beabsichtigt.

  • 2. Juni 2006

    NYSE und Euronext einigen sich auf eine Fusion.

  • 8. November 2006

    Gespräche der Deutschen Börse über ein gemeinsames Vorgehen mit der Borsa Italiana enden erfolglos.

  • 15. November 2006

    Die Deutsche Börse gibt Übernahmepläne für die Euronext auf. Euronext zieht eine Fusion mit der NYSE vor.

  • 30. April 2007

    Die Deutsche Börse kündigt die Übernahme der US-Optionsbörse ISE für umgerechnet rund zwei Milliarden Euro an.

  • Dezember 2008

    Die Deutsche Börse teilt mit, Sondierungsgespräche für eine Fusion mit Nyse Euronext seien ergebnislos beendet worden.

  • 15. Februar 2011

    Die Aufsichtsräte machen den Weg frei für den Zusammenschluss von Deutscher Börse und Nyse Euronext.

  • 1. April 2011

    Nasdaq OMX und ICE legen ein Angebot für Nyse Euronext vor, das sie selbst auf 11,3 Milliarden US-Dollar beziffern. Die Deutsche Börse bekräftigt, dass sie an ihren Fusionsplänen festhalten will.

„Wenn man ein solches Monopol zulässt, das zu höheren Preisen und weniger Innovation führt, dann ist das nicht im europäischen Interesse“, sagte Almunia. „Am Ende hatten wir keine andere Alternative, als die Fusion zu verbieten.“ Nach Ansicht der EU-Kommission hätte die Fusion der europäischen Wirtschaft geschadet. Ein solcher Zusammenschluss hätte „auf dem Markt für europäische Finanzderivate weltweit zu einer monopolartigen Stellung geführt“, teilte der EU-Wettbewerbskommissar mit.

Ein zäher Wettlauf aller Börsenplätze wird nun befürchtet

In einer ersten Stellungnahme kritisierten die beiden Konzerne die EU-Entscheidung als falsch, nannten sie aber zugleich verkraftbar. Beide sehen sich auch ohne Partner stark genug, um im schärfer werdenden Wettbewerb zu bestehen. Deutsche-Börse-Aufsichtsratschef Manfred Gentz schloss personelle Konsequenzen aus: „Es besteht zu grundlegenden Änderungen von Strategie, Struktur und Führung kein Anlass, vielmehr sind jetzt Ruhe und Kontinuität geboten.“

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Auch Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni sagte in Frankfurt: „Wir können das EU-Verbot verkraften. Die Deutsche Börse konzentriert sich nun auf ihr Wachstumsprogramm aus eigener Kraft.“ Der Dax-Konzern gehe nach einer „deutlichen Ergebnissteigerung“ im vergangenen Jahr mit „positiven Wachstumserwartungen“ ins Jahr 2012. Allerdings basiere das Urteil der EU-Kommission „auf einer realitätsfremd verengten Marktdefinition“, sagte der Schweizer. „Was jetzt folgt, ist ein zäher Wettlauf aller Börsenplätze - die asiatischen eingeschlossen - um die beste Positionierung an den Kapitalmärkten.“

Gegen das Nein aus Brüssel könnten die Konzerne vor dem Europäischen Gerichtshof klagen. Nyse-Chef Duncan Niederauer hatte kürzlich juristische Schritte gegen ein Veto nicht ausgeschlossen.

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