Deutsche Börse und Nyse: Schlappe vor EU-Gericht

KommentarDeutsche Börse und Nyse: Schlappe vor EU-Gericht

Bild vergrößern

Deutsche Börse

von Annina Reimann

Gut drei Jahre nach der geplatzten Fusion mit der New Yorker Nyse Euronext hat das EU-Gericht in Luxemburg entschieden, dass die EU-Kommission die Pläne Anfang 2012 zu Recht durchkreuzt hat. Die Deutsche Börse hat sich damit endgültig blamiert. Es ist höchste Zeit für einen Neuanfang.

Bei seinem Neujahrsempfang Mitte Januar erwartete der Chef der Deutschen Börse hohen Besuch: Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich gab sich die Ehre. Und nutzte gleich die Chance, vor Größen aus der Bank- und Börsenlandschaft, aber auch den Chefs von Bundesbank und Europäischer Zentralbank, ihren ganz persönlichen Charme zu versprühen. Reto Francioni, so Merkel, habe in den vergangenen Jahren wirklich einen guten Job gemacht. Dann widmete sich die Kanzlerin Carsten Kengeter. Der tritt im Juni offiziell sein Amt als neuer Börsenchef an. Und in Asien, sagte Merkel mit Blick auf den neuen Mann in der ersten Reihe, kenne sich Kengeter doch als ehemaliger Investmentbanker bestens aus. „Das kann auch nicht schaden“, so Merkel.

Böswillig könnte man das als einen Seitenhieb auf Francioni interpretieren. Die Börse muss aufbrechen zu neuen Ufern, und das bitte mit Sachverstand. Francioni ist gegen Ende seiner Amtszeit viel zu lange alten Träumen hinterher gelaufen. Wie oft hat Francioni etwa noch mit der Anfang 2012 gescheiterten Fusion mit der New Yorker Nyse Euronext gehadert. 2013 etwa sprach er in einer Rede davon, dass er staunen müsse, „mit welcher Blauäugigkeit Chancen vergeben werden“ und erinnerte dabei an die von der EU-Kommission untersagte Fusion. „Europa hätte dadurch seinen Einfluss auf eine positive und gesellschaftlich verantwortliche Gestaltung der Weltmärkte deutlich erhöhen können. Ich denke, Europa hat in weit größerem Maße eine bedeutende Chance vertan als wir. Und auch als Europäer finde ich das bedauerlich“, so Francioni. Da war das Kind bereits seit einem Jahr in den Brunnen gefallen.

Anzeige

Am Montag nun, gut drei Jahre nach der geplatzten Fusion, hat Francioni eine weitere Schlappe einstecken müssen. Das EU-Gericht in Luxemburg hat erklärt, dass die EU-Kommission die Pläne damals zu Recht durchkreuzt habe. Das Gericht wies die Klage der Börse in allen Punkten zurück. Die EU-Kommission habe weder einen Rechtsfehler noch einen Ermessensfehler gemacht. Insbesondere im Börsenhandel mit europäischen Finanzderivaten hätte der Zusammenschluss zum weltgrößten Börsenbetreiber zu einer erheblichen Wettbewerbsbeschränkung geführt. In Sachen Nyse hatte die Deutsche Börse vor der geplanten Fusion in einigen Wettbewerbspunkten Entgegenkommen signalisiert und auf Effizienzgewinne verwiesen - die Kartellwächter aber nicht überzeugt.

Nachlässigkeit kann kein Gericht zurechtrücken

Und doch hat Francioni in seinen letzten Tagen als Börsenchef nichts Besseres zu tun, als zu verkünden, dass seine Börse „nach wie vor der Meinung“ sei, „dass die EU-Kommission eine zu enge Marktdefinition verwendet“ habe. Die Deutsche Börse werde nun prüfen, ob sie gegen das nicht rechtskräftige Urteil Rechtsmittel einlege. Eine Revision würde bei der höchsten EU-Instanz, dem Europäischen Gerichtshof (EuGH), landen.

Allein: Selbst wenn er dort Erfolg hätte – bringen würde es nichts. Denn die Nyse ist inzwischen von der US-Börse ICE übernommen worden. Und die Euronext ist im vergangenen Jahr separat an die Börse gebracht worden. Die Branchenkonsolidierung ist in den vergangenen Jahren weiter gelaufen - ohne die Deutsche Börse.

Deutsche Börse und Nyse Euronext Gericht bestätig Fusionsverbot

2012 wollte die Deutsche Börse mit der New Yorker Börse zur weltweiten Nummer Eins werden. Die EU-Kommission machte einen Strich durch die Rechnung. Und zwar zu Recht, wie das EU-Gericht nun entschieden hat.

Das Fusionsverbot für die Deutsche Börse und die New Yorker NYSE Euronext zum weltgrößten Börsenbetreiber war rechtens, hat das EU-Gericht in Luxemburg entschieden Quelle: REUTERS

Vor dem EuGH könnte die Deutsche Börse damit nur noch Klarheit für künftige Deals schaffen. Die – und man darf das rückblickend wohl sagen, denn sonst hätte der Deal ja kartellrechtlich geklappt – nachlässige Vorbereitung der Fusion kann eben auch kein Gericht mehr zurechtrücken.

Für Francioni war die Nyse nicht die erste gescheiterte Großfusion. Pläne etwa für einen Zusammenschluss mit der Londoner LSE sind in der Vergangenheit schon geplatzt. Stattdessen hat sich Francioni fortan auf Asien fokussiert. Dort hat sich der Umsatz im Vergleich zu 2007 auf zuletzt mehr als 100 Millionen Euro verdoppelt. Das ist vielleicht ein großer Schritt für Francioni – doch nur ein kleiner für die Börse.

Seinem Nachfolger hinterlässt Francioni einiges an Arbeit.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%