Deutsche Staatsanleihen: Die Bundesregierung muss sich bewegen

Deutsche Staatsanleihen: Die Bundesregierung muss sich bewegen

, aktualisiert 24. November 2011, 11:48 Uhr
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Andrea Cünnen ist Handelsblatt-Korrespondentin in Frankfurt.

von Andrea CünnenQuelle:Handelsblatt Online

Das mangelnde Interesse an den neuen Bundesanleihen ist noch kein Warnsignal - aber ein erster leiser Weckruf der Investoren an die Bundesregierung, beim Thema Euro-Bonds nicht länger auf Zeit zu spielen.

Die Angst der Investoren um die Euro-Zone hat jetzt auch Deutschland erreicht. Viele Banken weigerten sich am Mittwoch, Deutschland noch Kredit zu geben. Die schwache Nachfrage zeigt, dass es jetzt ans Eingemachte geht – Investoren wollten Taten sehen und die Gewissheit haben, dass der Euro in seiner jetzigen Form überlebt. Die steigenden Renditen am Anleihemarkt deuten in die gleiche Richtung: Am Donnerstagmorgen stieg die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen auf mehr als 2,2 Prozent - vergangene Woche lag sie zeitweise noch bei rund 1,7 Prozent.

Für die neue zehnjährige Bundesanleihe über sechs Milliarden Euro reichten die Investoren nur Kaufgebote über knapp 3,9 Milliarden Euro ein. So ein schwaches Ergebnis gab es für das erfolgsverwöhnte Deutschland im Zeitalter des Euros noch nie. Das ist zwar kein Grund, die Refinanzierung Deutschlands als gefährdet anzusehen. Aber der Flop zeigt, dass der Sex-Appeal der Bundesanleihen als extrem sichere Anlage nachlässt. Es ist nicht mehr so, dass alle risikoscheuen Investoren ihr Geld aus anderen Euro-Staaten abziehen und es gerne und en masse in deutschen Anleihen parken, sei der Zins auch noch so niedrig.

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Es kommt immer mal wieder vor, dass die bei den Anleiheversteigerungen zugelassenen 38 Banken, die oft im Auftrag von anderen Investoren handeln, zu wenig Gebote abgeben. Zuletzt haben sich die Fehlschläge aber gehäuft. Am Mittwoch fand bereits die neunte schwache Auktion dieses Jahres statt. Bislang fehlten aber meist nur um die 500 Millionen Euro an Nachfrage – am Mittwoch waren es 2,1 Milliarden Euro.

Im Auftrag der Deutschen Finanzagentur, die Deutschlands Schulden verwaltet, wird die Bundesbank nach und nach die Anleihen verkaufen. Der Bund hatte die Anleihe mit einem historisch niedrigen Zinsschein von nur zwei Prozent ausgestattet. Damit finanziert sich Deutschland extrem günstig – und wenn der Bund den Investoren einen etwas höheren Kupon gegönnt hätte, wäre die Nachfrage größer gewesen.

Doch das unbedingte Vertrauen in deutsche Staatspapiere ist nicht mehr da. So konnten die Bundesanleihen schon in den vergangenen Tagen weder von der Schwäche der Aktienmärkte noch vom stärkeren Druck auf die Anleihen der Euro-Krisenländer profitieren.

Das zeigt: Die Krise hat den ganzen Kern der Euro-Zone erfasst. Frankreich, Finnland, die Niederlande und Österreich müssen für ihre Anleihen mehr Rendite zahlen als noch vor wenigen Monaten. Dabei werden diese Länder von den Ratingagenturen ebenso wie Deutschland mit der Topnote Dreifach-A bewertet und gelten mit Blick auf das Ausfallrisiko als sicher, auch wenn Frankreichs Spitzenrating wankt.


Die Krisenstaaten brauchen Zeit

Für die Investoren in deutsche Anleihen wird sich das Umfeld kaum bessern. Wenn die wackligen Euro-Länder, zu denen aus Sicht der Anleger auch Italien und Spanien gehören, tatsächlich radikal sparen und solider werden, dann hilft das Deutschland wirtschaftlich, aber nicht am Anleihemarkt. In diesem Fall würden die Investoren nämlich nach und nach wieder die Anleihen der beiden Südländer kaufen und ihre wenig rentablen Bestände an Bundesanleihen abbauen. Die Folge wären niedrigere Kurse und höhere Renditen bei den Bundes-Bonds.

Vordergründig scheint das miserable Ergebnis der jüngsten Versteigerung den Gegnern einer weiteren Vergemeinschaftung von Staatsanleihen recht zu geben. Sie argumentieren, dass Deutschland nicht für die Schulden aller anderen Euro-Länder einstehen könne, ohne die eigene Bonität zu gefährden. Deshalb sei es richtig, dass die Bundesregierung in der aktuellen Diskussion über die gemeinschaftlichen Bonds aller Euro-Länder oder über ein erweitertes Mandat für die Europäische Zentralbank (EZB) für Stützungskäufe hartnäckig bleibe und auf die Eigenverantwortung der Länder poche.

Doch diese Argumentation greift zu kurz. Denn die Krisenstaaten brauchen Zeit, um die Anleger zu überzeugen. Was passiert, wenn unterdessen niemand eingreift? Dann ist angesichts des „Käuferstreiks“ für Anleihen von Italien und Spanien, von dem Commerzbank-Chef Blessing am Dienstag sprach, die Gefahr groß, dass die Euro-Zone auseinanderbricht. Der Rettungsfonds EFSF kann Italien und Spanien nicht auffangen. Wenn der Euro-Raum aber in Einzelteile zerfiele, würde das die Weltwirtschaft in eine tiefe Rezession, wenn nicht sogar eine Depression stürzen. Eine Gemeinschaftswährung der Kernländer – also der „AAA“-Staaten – oder eine neue D-Mark würden massiv aufwerten und die deutsche von Exporten abhängige Wirtschaft vollends abwürgen.

Deshalb verlangen die Anleger ein Sicherheitsnetz. Kurzfristig bleibt nur die EZB als Geldgeber, der durch Käufe die Renditen der Anleihen der Euro-Staaten niedrig hält. Und auf längere Sicht führt an einer Fiskalunion mit zumindest zum Teil begebenen Euro-Bonds kein Weg vorbei.

Von daher ist der Käuferstreik bei den Bundesanleihen ein erster leiser Weckruf der Investoren an die Bundesregierung, sich zu bewegen und nicht länger auf Zeit zu spielen. Bleibt zu hoffen, dass sie ihn hört.

Die Autorin ist Korrespondentin in Frankfurt. Sie erreichen sie unter: cuennen@handelsblatt.com

Quelle:  Handelsblatt Online
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