
Der Milliarden-Traum vom Verkauf der US-Tochter ist geplatzt. René Obermann wird am morgigen Donnerstag in der durch die vierspurige Friedrich-Ebert-Allee in Bonn zerschnittenen Telekom-Zentrale eine rasante Kehrtwende verteidigen müssen.
Ganz im „Sinne unserer Strategie“ („Verändern, verbessern, erneuern“) und die „beste Lösung für unser Unternehmen, unsere Kunden und unsere Aktionäre“ sei der Verkauf von T-Mobile USA an den Konkurrenten AT&T, hatte der Telekom-Chef vor elf Monaten frohlockt. Doch die US-Kartellwächter untersagten das Geschäft, kurz vor Weihnachten 2011 löste Obermann die Verkaufsvereinbarung mit AT&T.
Nun müsste er verkünden, dass sich wohl doch nichts verändert, verbessert oder erneuert hat. Die Bilanzpressekonferenz der Bonner am Donnerstag böte dafür die beste Gelegenheit.
Chart: Die Aktie der Deutschen Telekom
Chart: Aktienkurse der Telekomriesen
Deutsche Telekom
Aktie der Deutschen Telekom, Kurs in Euro
Vodafone
Aktienkurs in Euro
Telefónica-Deutschland / O2
Der erste große Börsengang seit Jahren: Am 31. Oktober 2012 begann der Handel für Telefónica-Deutschland, die Holding-Mutter des Mobilfunkanbieter O2.
Aktienkurs in Euro.
Deutsche Telekom
Aktie der Deutschen Telekom, Kurs in Euro
"Schwacher Ausblick"
Der Verkauf des US-Geschäfts war als Befreiungsschlag für Aktionäre und Gläubiger der Telekom geplant. Das einst für 56 Milliarden Dollar inklusive Schulden teuer erworbene US-Geschäft wollte Obermann nach mehr als einem Jahrzehnt für noch 39 Milliarden Dollar verkaufen – und damit eine teure Altlast begraben. Die Börse jubelte, die T-Aktie machte einen Satz von bis zu 16 Prozent und erreichte mit mehr als elf Euro den höchsten Kurs seit zwei Jahren.
Bild: dpaDie Deutsche Telekom prüft einem Bericht des "Handelsblatt" zufolge ab dem Geschäftsjahr 2013 eine Kürzung ihrer Dividende. Die Zahlung an die Aktionäre könnte bis zu einem Drittel geringer ausfallen. Für die vielfach leidgeprüften Telekom-Aktionäre wäre das ein neuer herber Rückschlag. Schließlich ist die vergleichsweise hohe Dividende ein der wenigen verbliebenen Argumente, das für die einstige Volksaktie spricht. Die traurige Geschichte der Telekom-Aktien begann nämlich schon kurz nach dem Börsengang des einstigen Staatskonzerns.
Bild: dpaDie Geschichte der Volksaktie Telekom
Ron Sommer, damaliger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, managte den Börsengang der Telekom. Die Aktie startete am 18. November 1996 im Frankfurter Börsenhandel. Zuvor war die „T-Aktie“ nach einer omnipräsenten Werbekampagne für 28,50 DM (14,57 €) vor allem Privatanlegern angeboten worden und erreichte breite Bevölkerungsschichten – was ihr den Beinamen „Volksaktie“ einbrachte. Durch den Börsengang erlöste die Telekom umgerechnet etwa zehn Milliarden Euro. Später folgten noch eine zweite und dritte Tranche (28. Juni 1999, Stückpreis 39,50 €, Erlös 10,88 Mrd. € und 19. Juni 2000, Stückpreis 63,50 €, Erlös 15 Mrd. €). Insgesamt sammelte die Telekom durch die Aktienemissionen also mehr als 35 Milliarden Euro von Anlegern ein.
Bild: APDie Strategie von Telekom-Chef Ron Sommer fußte auf der Aufspaltung des riesigen ehemaligen Staatskonzerns in vier Geschäftsfelder (T-Com, T-Mobile, T-Online und T-Systems). Ursprünglich sollte jede einzelne Gesellschaft an die Börse gehen. Letztlich gelang dies nur bei der Internet-Tochter T-Online, die ab dem 17. April 2000 an der Börse debütierte. Ausgegeben wurden die Aktien zum Stückpreis von 27 Euro, die Telekom nahm so 2,7 Milliarden Euro ein.
Bild: ReutersIm Sommer 2000 ersteigerte die Mobilfunktochter T-Mobile UMTS-Lizenzen für einen Preis von umgerechnet 8,5 Milliarden Euro, die sich lange Jahre mangels entsprechender Kundennachfrage und Schwierigkeiten in der technischen Umsetzung als relativ nutzlos erwiesen.

Der Kurs der Telekom-Aktie von 2000 bis Anfang 2012
Die T-Aktie war natürlich sofort ein Schwergewicht im Dax. Aber nur in den ersten Monaten entwickelte sich die Volksaktie besser als der deutsche Aktienindex, der bis 2002 ebenfalls in Folge der Dotcom- und Börsenkrise massiv verlor.
Dax-Kursindex = reine Kursperformance des Dax, ohne Dividenden, logarithmische Darstellung, indexiert, Quelle: Bloomberg
Bild: APIm Mai 2001 kaufte die Telekom die US- Mobilfunkunternehmen Voicestream und Powertel für umgerechnet mehr als 39 Milliarden Euro einschließlich der übernommenen Schulden – was heftige Kritik an Konzernchef Ron Sommer hervorrief. Erst 2005 galt die mittlerweile in T-Mobile USA umbenannte Mobilfunksparte als rentabel.
Bild: dpaAnfang 2001 führte eine Wertberichtigung von Immobilienwerten um 2,2 Milliarden Euro in der Bilanz für 2000 zu einer Klagewelle von Privataktionären, die sich betrogen fühlten. Aufgedeckt hatte die allzu optimistische Bewertung der Telekom-Immobilien in der Bilanz das Anlegermagazin „Die Telebörse“ aus der Verlagsgruppe Handelsblatt.
Bild: ReutersRon Sommer trat am 16. Juli 2002 vom Amt des Vorstandsvorsitzenden zurück. Die Bundesregierung als Hauptaktionärin hatte den Schweizer nach massiven Verlusten der Volksaktie und wegen der hohen Konzernschulden aus dem Amt gedrängt. Nachfolger wurde Kai-Uwe Ricke. Unter seiner Ägide begann das schmerzhafte Sparen. Zehntausende Telekommitarbeiter wurden entlassen oder in Transfergesellschaften ausgegliedert.
Bild: dpaRicke machte Sommers Strategie der vier Säulen rückgängig und begann damit, die Konzerngeschäftsfelder wieder zusammen zu führen. Die Telekom wollte ihren Kunden wieder alle Dienstleistungen aus einer Hand anbieten. Eine teure Kehrtwende. Nach nicht einmal fünf Jahren kaufte die Telekom die T-Online-Aktien zurück und nahm die Tochter von der Börse.
Bild: APIm November 2005 teilte die Telekom mit, dass in den folgenden drei Jahren erneut 32.000 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen sollten. Der Bund verkaufte im April 2006 Teile seines Aktienpakets an den Finanzinvestor Blackstone. Im November 2006 erklärte Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke seinen Rücktritt.
Die Deutsche Telekom prüft einem Bericht des "Handelsblatt" zufolge ab dem Geschäftsjahr 2013 eine Kürzung ihrer Dividende. Die Zahlung an die Aktionäre könnte bis zu einem Drittel geringer ausfallen. Für die vielfach leidgeprüften Telekom-Aktionäre wäre das ein neuer herber Rückschlag. Schließlich ist die vergleichsweise hohe Dividende ein der wenigen verbliebenen Argumente, das für die einstige Volksaktie spricht. Die traurige Geschichte der Telekom-Aktien begann nämlich schon kurz nach dem Börsengang des einstigen Staatskonzerns.
Doch nun heißt es zurück auf Los – mit erheblichen Konsequenzen für Anleger, die von ihrer Lieblingsaktie Telekom nicht lassen können. Und das sind nicht wenige: Nach Angaben der Münchner Tetralog Systems befindet sich das T-Papier in fast jedem fünften deutschen Privatanleger-Depot – häufiger als jede andere Aktie. Zudem sind viele private Investoren Gläubiger der Bonner: 41 Schuldtitel der Telekom, meist mit einer privatanlegerfreundlichen Stückelung von 1000 Euro herausgegeben, sind an den Börsen notiert.























