Devisen: Britisches Pfund so billig wie seit 1985 nicht

Devisen: Britisches Pfund so billig wie seit 1985 nicht

, aktualisiert 06. Juli 2016, 12:48 Uhr
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Die britische Währung hat seit dem Brexit-Votum rund 15 Prozent an Wert gegenüber dem US-Dollar eingebüßt.

von Matthias StreitQuelle:Handelsblatt Online

Während die britische Regierung noch nach einem Umgang mit dem Brexit-Votum sucht, fallen die Devisenmärkte in die Nervosität zurück. Das Pfund stürzt ab. Anleger fliehen in Gold und Anleihen.

Frankfurt am MainKurz schien es so, als hätte sich die Unruhe nach dem Brexit schon wieder gelegt. Der ganz große Crash an den Märkten blieb aus. In Woche eins nach dem Votum erholten sich die Börsen, das Pfund und der Euro stabilisierten sich einigermaßen.
Doch nun ist die Unruhe zurück, weil keiner weiß, wie es politisch weitergehen soll. Erst trat der Initiator des Referendums, David Cameron, als Premier zurück. Dann flohen die eifrigsten Verfechter des Austritts der Briten aus der EU – Londons ehemaliger Bürgermeister Boris Johnson und Ukip-Parteichef Nigel Farage – aus der Verantwortung.

Mittlerweile scheint der offizielle Austrittsantrag in Brüssel gar schon wieder zur Disposition. Die Bank of England lockerte am Dienstag die Kapitalvorgaben für Banken bei der Kreditvergabe, was ihnen 150 Milliarden Euro sparen könnte. Britische Immobilienfonds stellen Auszahlungen ein, weil Anleger in Scharen ihr Geld abziehen.

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Das hin und her zermürbt die britische Wirtschaft. Und die volle Wucht bekommt im Moment das Pfund zu spüren. Derzeit ist die britische Währung in US-Dollar so günstig wie seit 1985 nicht mehr. Das Pfund kostete zeitweise nur noch 1,2798 Dollar – 22 Cent weniger als noch vor dem Brexit-Referendum. Auch gegenüber dem Euro sackte das Pfund im gleichen Zeitraum von 1,30 Euro auf nur noch 1,17 Euro ab.

Was europäische Urlauber in Großbritannien freuen dürfte, bereitet Anlegern, Investoren und auch Notenbankern Kopfzerbrechen. Die meisten Marktteilnehmer dürften sich bestätigt fühlen, dass die Bank of England möglicherweise schon in der nächsten Woche geldpolitische Impulse setzen wird, schätzt die Commerzbank. „Noch ist ein Ende der Pfund-Schwäche also nicht in Sicht“, sagt die Devisenanalystin Thu Lan Nguyen. Holger Achnitz, Leiter des Devisenhandels der Citigroup in Deutschland, schätzt, dass der Kurs des Pfundes gar bis auf 1,20 Dollar fallen könnte.

Was auf den ersten Blick die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auf dem Weltmarkt stützen dürfte, beschert ihnen bei genauerer Prüfung mehr Probleme. Denn die Abwertung des Pfunds fußt auf politischen Unsicherheiten. Die EU ist ein wichtiger Handelspartner Großbritanniens. Das Königreich bezieht mehr als die Hälfte seiner Einfuhren aus der Europäischen Union (EU). 44 Prozent seiner Ausfuhren gehen in EU-Staaten. Würden auf diese Warenströme nun wieder Zölle eingeführt, könnte sie dies jährlich 24 Milliarden Pfund kosten, berechnet jüngst der Rektor der WHU Otto Beisheim School of Management, Markus Rudolf . Zum Vergleich: Die Nettozahlungen des Königreichs an die EU betrugen zuletzt rund fünf Milliarden Euro.


Gold und Anleihen stark gefragt

Die Unsicherheit über die Zukunft Großbritanniens im weltweiten Handelsgefüge macht Anleger und Investoren nervös. Sie fliehen wieder in vermeintlich sichere Anlagen. Allein am Dienstag stiegen die Bestände von goldbesicherten Indexfonds (ETF) um 38 Tonnen, dem höchsten Tageszufluss seit November 2009. Die Nachfrage treibt den Preis des oft als Krisenwährung betitelten Rohstoffs. Seit dem 23. Juni, dem Tag des Brexit-Referendums steigerte Gold seinen Wert um knapp ein Zehntel auf 1371 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). So teuer war der Rohstoff seit zweieinhalb Jahren nicht mehr.

Ebenso stark nachgefragt werden Anleihen. Auch sie gelten in Zeiten volatiler Aktienmärkte als vergleichsweise ausfallsicher. Die Folge: Steigt die Nachfrage nach Anleihen, steigt ihr Kurs. Im Gegenzug aber sinkt die Rendite. Bei der zehnjährigen Bundesanleihe ist der Andrang momentan so groß, dass sie auf ein neues Allzeittief von minus 0,2 Prozent gesunken ist. Anleger mehren ihr Geld nicht. Sie bezahlen für die Sicherheit. Auf die zehnjährige britische Anleihe bekommen Anleger zwar noch Geld. Doch auch deren Rendite fiel auf ein neues Rekordtief unter 1,38 Prozent.

In der kommenden Woche, am 14. Juli, kommt die Bank of England zur nächsten geldpolitischen Sitzung zusammen. Marktakteure gehen davon aus, dass sie intervenieren wird, den Leitzins womöglich von derzeit 0,5 auf null Prozent senkt. Gleichzeitig wirbt der britische Wirtschaftsminister Sajid Javid mit Steuersenkungen für Unternehmen und will einen 100 Milliarden Pfund schweren Wachstumsfonds auflegen – nicht gerade ein Zeichen für Stabilität.

Quelle:  Handelsblatt Online
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