Devisen: Doppelter Rückschlag für das Pfund

Devisen: Doppelter Rückschlag für das Pfund

, aktualisiert 12. Juli 2017, 16:14 Uhr
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An den Finanzmärkten bekommt die Landeswährung die Wirren um den Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union am stärksten zu spüren.

von Matthias StreitQuelle:Handelsblatt Online

Die britische Landeswährung steht seit dem Brexit-Votum im vergangenen Jahr unter Druck. Nun trübt auch noch der stellvertretende Notenbankchef die Aussicht auf eine Zinserhöhung ein. Das Pfund fällt – einmal mehr.

FrankfurtDie Unsicherheit über den Ausstieg der Briten aus der Europäischen Union kann man am Finanzmarkt nirgends besser ablesen als an der Währung des Königreichs, dem britischen Pfund. Seit Monaten befindet es sich im Abwärtstrend. Zuletzt rauschte es gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung auf 1,1189 Euro je Pfund – und damit den tiefsten Stand seit acht Monaten. Mitte Mai waren es noch acht Cent mehr. Abgesehen von der Pfund-Schwächephase im vergangenen Herbst habe das Pfund zuletzt Mitte 2011 auf einem derartigen Niveau gelegen, ordnet Sören Hettler, Devisenanalyst der DZ Bank, die aktuelle Situation ein.

Der Negativtrend hat zwar einerseits mit einem aktuell starken Euro zu tun. Doch das ist eben nur die Hälfte der Wahrheit. Der jüngste Fall in dieser Woche fand seinen Auslöser in einem Doppelschlag des stellvertretenden britischen Notenbankchefs Ben Broadbent. Schon am Dienstag warnte er in einer Rede in Aberdeen vor den Schäden, die Großbritannien entstehen könnten, wenn der Brexit zu einem schwächeren Handel mit der EU führt.

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In einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der schottischen Zeitung „The Press and Journal“ erklärte er zudem, dass er noch „nicht bereit“ für eine Leitzinsanhebung in Großbritannien sei. Dabei hatte es zuletzt durchaus gegenteilige Signale gegeben. Auf einer Notenbankkonferenz im portugiesischen Sintra Ende Juni erklärte der britische Notenbankchef Mark Carney, dass eine Zinserhöhung näher rücke. Der Chefvolkswirt der Bank, Andy Haldane, hatte dies ebenfalls signalisiert. Das solle helfen, den Anstieg der Lebenshaltungskosten zu begrenzen.

Der Leitzins der Bank of England befindet sich seit August vergangenen Jahres auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent. Zuvor lag der Zins nach seinem jähen Abstieg in der Finanzkrise von fünf Prozent bei 0,5 Prozent.In der Tat belastet die Schwäche des Pfunds die Bewohner der Insel. Seitdem die Briten am 23. Juni 2016 mehrheitlich für einen Brexit stimmten, ging es für den Pfund-Kurs zwar mehrfach auf und ab. Die Verluste aber dominieren das Bild. Seit dem Referendum hat die britische Währung gegenüber dem Euro 15 Prozent verloren. Gegenüber dem Dollar gab es ähnlich stark nach.

Da das Königreich ein Leistungsbilanzdefizit aufweist, muss es mehr Waren importieren als es selbst exportiert. Je schwächer die eigene Währung, desto teurer die Güter. „Die Kauflaune der Konsumenten hat sich im Juni auf das niedrigste Niveau seit den Nachwehen des Brexit-Referendums vor knapp einem Jahr eingetrübt“, erläutert Hettler von der DZ Bank. Dass sei jedoch keine Überraschung: Schließlich liege die Inflationsrate in Großbritannien derzeit bei drei Prozent, die Einkommenssteigerungen aber lediglich bei 1,8 Prozent. So gering seien letztere seit Ende 2014 nicht mehr ausgefallen.

Am Mittwochnachmittag konnte sich der Pfundkurs zwar wieder etwas erholen. Die Aussichten bleiben wegen der unklaren Verhandlungslage beim Brexit jedoch weiter trübe. „Angesichts der zunehmenden Anzeichen einer abkühlenden Konjunktur und der unverändert hohen Unsicherheit darüber, wie es nach dem Brexit weitergeht, sehen wir wenig Raum für Zinserhöhungen und bleiben dementsprechenden Pfund-Pessimisten“, schreibt die Commerzbank-Analystin Esther Reichelt. Wissend, dass die Verhandlungen erst im Frühjahr 2019 abgeschlossen sein werden, dürfte der Pfund-Kurs auch in den kommenden Monaten schwanken.

Quelle:  Handelsblatt Online
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