Devisen: Euro oder Dollar - Pest oder Cholera?

Devisen: Euro oder Dollar - Pest oder Cholera?

, aktualisiert 10. November 2011, 15:55 Uhr
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Wie stark ist er wirklich? Viele Fakten sprechen gegen den Euro.

Quelle:Handelsblatt Online

Angesichts der Börsenentwicklung zeigt sich der Euro erstaunlich stabil. Mit eigenen Qualitäten hat die Kraft der Gemeinschaftswährung jedoch nichts zu tun - eher mit dem Mangel an Alternativen.

FrankfurtSeine Zukunft spielt derzeit die Hauptrolle an den Finanzmärkten. Dennoch ist er - gemessen an den Kursveränderungen - nur ein Nebendarsteller: Der Euro hält sich klar über 1,30 Dollar. Als im vorigen Jahr das Krisengetümmel Griechenland, Portugal und Irland erfasste, war er noch unter 1,20 Dollar gerutscht. Dieser Tage wird über die Zahlungsfähigkeit Italiens - der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone - spekuliert, und der Euro notiert mit 1,36 Dollar noch rund drei Cent höher als Ende 2010. Zum Vergleich: Der Dax hat angesichts des mangelnden Vertrauens in die Euro-Zone in diesem Jahr rund 1000 Punkte verloren.

Was hält den Kurs der Gemeinschaftswährung so stabil? Händlern in Tokio zufolge könnten asiatische Staatsfonds hinter der Entwicklung stecken. „Wir sind für die Euro-Zone eher pessimistisch gestimmt, aber wir sehen stetige Unterstützung für den Euro aus dem Nahen Osten und von asiatischen Staatsfonds“, erklärte Ankita Dudani, Währungsstrategin bei RBS Global Banking. Möglicherweise tun die europäischen Marktteilnehmer auch nur das, was die US-Anleger nach der Lehman-Krise 2008 taten: sie ziehen all ihr Geld zusammen, horten es und/oder bedienen ausstehende Verpflichtungen. Jens Nordvig, Währungsstratege bei Nomura Securities, hält die Wirkung dieser Kapital-Rückführung aber für begrenzt. Einen echten Zusammenhang zwischen den Kapitalflüssen und dem Kurs sieht er nicht.

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Viele Börsianer vermuten, dass es schlicht an Alternativen zum Euro mangelt: „Das liegt daran, dass wir es auf diesem Schönheitswettbewerb mit zwei recht unschönen Währungen zu tun haben“, erklärte Devisenanalyst Mario Mattera vom Bankhaus Metzler. Schließlich stünden die USA mit ihrer eigenen Schuldenkrise nicht viel besser als die Euro-Zone da. Einen gravierenden Unterschied gebe es allerdings: Denn die USA hätten eine Wirtschaftsregierung, um die in der Euro-Zone derzeit noch gefeilscht werde. Dies spreche für den Dollar, der davon bislang aber nicht so stark wie im Vorjahr profitieren konnte. 2010 war der Euro im Sommer bis auf 1,1875 Dollar abgesackt. In diesem Jahr liegt das Tief bei 1,2875 Dollar, das er am 10. Januar erreichte.

Danach setze ein Run auf den Euro ein: Als im Frühjahr der inzwischen pensionierte EZB-Chef Jean-Claude Trichet die Märkte mit einer Straffung der Geldpolitik überraschte, kletterte die Gemeinschaftswährung über 1,49 Dollar. Tatsächlich spielt auch die Geldpolitik eine Rolle in der relativ moderaten Entwicklung. Denn die Leitzinsen liegen hierzulande mit 1,25 Prozent immer noch höher als in den USA, wo sie nahe null Prozent angesiedelt sind.


Die Fed hält die geldpolitischen Zügel lockerer als die EZB

Commerzbank-Analystin Antje Praefcke verweist denn auch auf die Spekulationen um eine dritte Auflage des Anleihen-Kauf-Programms in den USA. „Das ist für den Dollar klar eine Belastung“, erklärt sie.

Die Fed hat schon zwei Mal seit der Lehman-Krise zu diesem Mittel der quantitativen Lockerung gegriffen. Anders als die EZB - auch sie kauft ja am Sekundärmarkt Staatsanleihen - zieht die Notenbank die zusätzliche Liquidität aber nicht wieder ab. Somit hält die Fed die geldpolitischen Zügel noch lockerer als die EZB.

Als weiteren Grund für die relative Stabilität des Euro sieht Praefcke den Bund-Future. Dieser Terminkontrakt auf die richtungweisenden deutschen Staatsanleihen werde von Investoren gekauft, die weiter in der Euro-Zone investiert bleiben wollen. „Und dafür braucht man Euro, das könnte die Währung stützten“, erklärte Praefcke. Deutschlands Staatsanleihen gelten an den Finanzmärkten als sicherer Hafen.

Wie lange der Euro-Wechselkurs der Krise standhalten kann, ist fraglich. Jederzeit könnte der Ausverkauf an den Aktienmärkten auf den Devisenmarkt übergreifen, warnen Händler. Denn einen echten Vorteil habe der Euro zum Dollar nicht. „Wir sehen hier ein Tauziehen zwischen zwei schlechten Währungen“, erklärt Mattera. Und so könnte der Eurokurs sehr schnell die Hauptrolle im Schuldendrama bekommen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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