Devisen: Wirbel am Währungsmarkt

Devisen: Wirbel am Währungsmarkt

, aktualisiert 08. September 2017, 16:55 Uhr
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Devisenstrategen rechnen weiterhin mit einem starken Euro – auch, weil der Dollar schwächelt.

von Matthias StreitQuelle:Handelsblatt Online

Trotz der Sorgen über eine Euro-Stärke klettert die Gemeinschaftswährung unbeirrt weiter und hält sich standhaft über der Marke von 1,20 Dollar. Das liegt aber nicht nur an dem schwächelnden Dollar.

FrankfurtBei der jüngsten Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) hat sich EZB-Chef Mario Draghi sichtbar besorgt zum Euro-Wechselkurs geäußert. Die Schwankungen seien „eine Quelle der Unsicherheit“. Dabei ist der Euro zum Dollar in den vergangenen Monaten nur in eine Richtung geschwankt – nach oben. Heute steht die Gemeinschaftswährung im Vergleich zum Dollar 14 Prozent stärker da als noch zu Jahresbeginn. Und auch Draghis warnende Kommentare helfen nichts: Der Euro steigt am Freitag weiter und hält sich hartnäckig jenseits der Marke von 1,20 Dollar.

Doch es wäre zu einfach, die Aufwertung allein Draghi in die Schuhe zu schieben. Immerhin hat er sich kritisch zum Wechselkurs geäußert und damit versucht, weitere Anstiege, wenn nicht zu verhindern, so doch immerhin zu begrenzen.

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Da Euro-Dollar das meistgehandelte Währungspaar der Welt ist, lohnt ein Blick in die USA. Denn von dort erhält Europas Gemeinschaftswährung reichlich Auftrieb. Dabei dürfte die EZB vielmehr auf Entlastung aus den USA gehofft haben. Denn die Amerikaner sind Europa bei der Straffung der Geldpolitik weit voraus – die Anleihekäufe wurden bereits im Oktober 2014 beendet, und die Fed denkt darüber nach, ihre Bilanz zu schrumpfen; seit 2015 wurde der Leitzins viermal angehoben. Doch das allein ist eben kein Garant für eine Stärkung des Greenbacks.

Entscheidend ist der Blick in die Zukunft, und da sehen Investoren derzeit mehr Potenzial auf europäischer Seite. Zunehmend lasten die Spannungen mit Nordkorea und die möglichen Folgen des Hurrikans Irma, der auf die Küste von Florida zusteuert, auf dem Dollar. Trifft Irma wie befürchtet auf die Küste, wäre es bereits der zweite verheerende Tropensturm binnen zwei Wochen, der die USA heimsucht.

Auch wenn Diskussionen über mögliche Folgen bislang allenfalls spekulativ sind: Trifft der Hurrikan mit Wucht auf die Küste, könnte die Folgen für Menschen und Unternehmen enorm ausfallen. Das drückt die Stimmung.

Hinzu kommt neue Unsicherheit bei der Geldpolitik. Lange Zeit schien es als gesichert, dass die US-Notenbank Fed nach den Zinsschritten vom März und Juni dieses Jahres im Dezember noch einmal nachlegen wird. Doch diese Aussicht wird mehr und mehr getrübt. Die Inflation blieb in den USA mit 1,7 Prozent zuletzt hinter dem erklärten Ziel von zwei Prozent zurück.

Und so sprechen sich im Offenmarktausschuss der Notenbank bereits mehrere Mitglieder wie Neel Kashkari, Jael Brainard und Robert Kaplan dafür aus, mit weiteren Zinsschritten vorsichtig zu sein.

Das ist jedoch nicht die einzige Unsicherheit bei der Fed. In dieser Woche ist Notenbank-Vize Stanley Fischer zehn Monate vor Ende seiner Amtszeit zurückgetreten. Der Vertrag von Fed-Chefin Janet Yellen läuft Anfang Februar 2018 aus. Und auch hier ist unklar, wie es weitergeht. Die Geldpolitik der Fed nennt die Commerzbank daher eine „große Unbekannte“.

Derzeit spreche wenig gegen eine anhaltende Dollar-Schwäche. Der Vertrauensverlust in den US-Dollar lässt sich am Dollar-Index ablesen, der die US-Währung mit den sechs größten der Welt vergleicht. Seit Jahresbeginn befindet er sich auf Abwärtskurs. Die Verluste summieren sich auf elf Prozent.


Der Yen als sicherer Hafen

Und so verwundert es wenig, dass Deviseninvestoren nach Alternativen suchen und sie neben dem Euro auch wieder im Yen finden. Seit Jahresbeginn hat die japanische Währung gegenüber dem Dollar acht Prozent gutgemacht und am Donnerstag den höchsten Stand seit November vergangenen Jahres erreicht. Auch wegen der zunehmenden Spannungen zwischen den USA und Nordkorea sehen zahlreiche Anleger im Yen einen sicheren Hafen. An diesem Wochenende erwarten Börsianer einen weiteren Atomraketentest Nordkoreas, weil das Land seinen Unabhängigkeitstag feiert. Allein seit Februar hat Nordkorea 14 Raketentests durchgezogen.

Langfristig dürfte der Yen den jüngsten Aufwärtstrend aber nicht halten können, schätzen die Devisenanalysten von Morgan Stanley: „Wir erwarten, dass die japanische Zentralbank die Zinskurve weiter kontrollieren wird, was zu niedrigen realen Renditen und Kapitalabflüssen führen sollte.“ Seit mehr als 20 Jahren herrscht in Japan die Niedrigzinspolitik. Die Bank von Japan kauft neben Anleihen auch Aktien auf und hat sich seit vergangenem Jahr verpflichtet, die Rendite auf ihre zehnjährige Staatsanleihe nahe null zu halten.

Während die Japaner damit weit von einem Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik entfernt scheinen, hat die EZB diesen Schritt mit der Ratssitzung am Donnerstag keineswegs von der Agenda gestrichen. Mario Draghi stellte einen Großteil der Beschlüsse für die kommende Sitzung im Oktober in Aussicht. Aktuell kauft die Notenbank jeden Monat Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro. Das Programm läuft Ende des Jahres aus. Dass ein abruptes Ende bevorsteht, gilt jedoch als ausgeschlossen. Es wird erwartet, dass die EZB die Anleihekäufe schrittweise zurückfährt.

Dabei dürfte der starke Euro allein kaum ein Hindernis sein. Schließlich hat Draghi seinen positiven Ausblick für die Eurozone betont, hob die Prognose für das Wachstum in diesem Jahr von 1,9 auf 2,2 Prozent an – trotz des aktuellen Eurokurses. Auch in den kommenden Jahren soll das Niveau nahe zwei Prozent liegen.

„In den neuen Projektionen der EZB ist ein Euro-Dollar-Kurs von 1,18 unterlegt. Kurse um das jetzige Niveau von 1,21 sind sicherlich noch keine ausreichende Abweichung, um die Erwartungen der EZB grundlegend zu verändern“, kommentieren die Analysten der Commerzbank. Problematischer werde es hingegen ab Kursen von 1,25 Dollar.

Mario Draghi und seinen Notenbankern dürfte längst klar sein: Wenn sie den Ausstieg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik umsetzen, wird das als positives Zeichen für die europäische Gemeinschaftswährung an den Märkten ausgelegt. Sie müssen also mit einem starken Euro umgehen können.

Quelle:  Handelsblatt Online
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