Devisenmarkt: Wie die Schwellenländer die Zinswende verkraften

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Devisenmarkt: Wie die Schwellenländer die Zinswende verkraften

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Fed-Chefin Janet Yellen.

von Saskia Littmann

Die Währungen der Schwellenländer haben auf die Zinswende der Fed deutlich gelassener reagiert, als einige das erwartet hatten. Viele Emerging Markets sind einfach zu sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt.

Selbst die eigentlichen Verlierer der US-Zinswende stehen am Ende nicht so schlecht da wie befürchtet. Noch im Oktober hatte die US-Notenbank Fed ihre Zinserhöhung im Hinblick auf die schwächelnden Schwellenländer verschoben. Auch im Dezember warnten Kritiker noch, Länder wie Brasilien, Indien oder China könnten durch den starken Dollar endgültig ins Straucheln geraten. Bisher sieht es so aus, als wären die Warnungen umsonst gewesen.

Der Schwellenländer-Index MSCI Emerging Markets legte am Mittwoch um rund 1,4 Prozent zu, auch am Donnerstagvormittag nach der Entscheidung der Fed, den Zinskorridor auf 0,25 bis 0,5 Prozent anzuheben, legte der Index in London um 1,1 Prozent zu. Schwellenländer-Analysten betonten, das behutsame Vorgehen der Fed, welches die Notenbank in Aussicht gestellt hat, würde insbesondere den Schwellenländern zugutekommen.

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Stimmen zur Zinswende der Fed

  • David Folkerts-Landau, Chefvolkswirt Deutsche Bank

    "Die heutige Entscheidung der Fed, die Zinsen zum ersten Mal seit fast zehn Jahren zu erhöhen, ist ein historischer Moment. Die Zinsanhebung markiert das offizielle Ende der globalen Finanzkrise für die USA und bildet den Auftakt zu einer Normalisierung der amerikanischen Geldpolitik. Dieser Schritt wurde allgemein erwartet. Vor dem Hintergrund, dass auf dem US-Arbeitsmarkt nahezu Vollbeschäftigung herrscht und im kommenden Jahr ein Anstieg der Inflation erwartet wird, war eine Anhebung der Zinsen längst überfällig. Diejenigen, die die Zinsanpassung kritisch sehen, lassen außer Acht, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durchaus Zinssätze zwischen zwei und drei Prozent und eine Fed-Bilanz ohne Überschussreserven rechtfertigen - eine Zinspolitik, die weit entfernt vom Krisenmodus ist, der selbst heute noch dominiert."

  • Martin Wansleben, DIHK-Hauptgeschäftsführer

    "Diese Entscheidung der Fed war fällig. Angesichts der guten wirtschaftlichen Situation können die USA einen langsamen Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes gut verkraften. Die Auswirkungen auf die Schwellenmärkte dürften begrenzt bleiben, solange die Notenbank nur moderat an der Zinsschraube dreht. Insgesamt wird die Erhöhung zwar nicht ganz ohne kurzfristige Folgen bleiben. Allerdings sind diese leichter verkraftbar als die Risiken neuer Finanzmarktblasen.
    Die Entscheidung der Amerikaner dürfte es zudem der EZB erleichtern, ihren übertriebenen Aktionismus der letzten Monate zu überdenken. Denn Geld zum Nulltarif allein lässt die Unternehmen hierzulande nicht investieren, dazu brauchen sie vielmehr bessere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen."

  • Stefan Kooths, Institut für Weltwirtschaft

    "Klar ist, dass sich im Zuge der Normalisierung des Zinsniveaus die Preisblasen an Anleihe-, Aktien- und Immobilienmärkten zurückbilden werden. Bei diesem Prozess lauern erhebliche Gefahren eines sprunghaften Verlaufs, nicht zuletzt auch für die Devisenmärkte und die in US-Dollar verschuldeten Schwellenländer. Es nützt aber nichts, aus Furcht davor den Ausstieg aus der ultra-expansiven Zentralbankgeldversorgung immer weiter hinauszuzögern. Je länger die künstlich niedrigen Zinsen bestehen bleiben, umso mehr Verzerrungen entstehen und desto schmerzhafter würde eine noch spätere Korrektur. Von einer Normalisierung ist die US-Geldpolitik immer noch meilenweit entfernt. Entscheidend wird jetzt sein, wann die Marktteilnehmer den nächsten Schritt erwarten."

  • Jörg Zeuner, KfW-Chefvolkswirt

    "Wir sind auf dem Weg in die Normalität. Die US-Konjunktur läuft solide, der Arbeitsmarkt hat Vollbeschäftigung erreicht und die Kerninflation ist jetzt schon hoch genug, um mit dem Zinserhöhungszyklus zu starten. Mit dem Zinsschritt beginnt die Fed, Handlungsspielraum für neue Herausforderungen zurückzugewinnen. Denn ein langfristig starker Dollar und ein dauerhaft niedriger Ölpreis bringen durchaus Schwierigkeiten für die US-Wirtschaft."

  • Michael Menhart, Chefökonom Münchener Rück

    "Mit der Zinsentscheidung der Fed ist der lange erwartete Einstieg in eine restriktivere Geldpolitik da. Für nächstes Jahr ist mit weiteren Zinsschritten zu rechnen. Gleichwohl wird die US-Zentralbank unter den Notenbanken der großen Volkswirtschaften wohl erst mal alleine bleiben - die EZB hat ja jüngst sogar ihre expansive Politik noch zeitlich ausgeweitet. Angesichts der Risiken für die Finanzstabilität wäre eine Abkehr von der Politik des billigen Geldes wünschenswert."

  • Holger Sandte, Europa-Chefvolkswirt Nordea Bank

    "Ich finde die Zinserhöhung angemessen, im Grunde überfällig. Der Pfad der Zinserhöhungen im kommenden Jahr dürfte relativ flach bleiben. Gegenwind von den Finanzmärkten, etwa auch ein stärkerer Dollar, dürften das Tempo der Zinserhöhungen drosseln. Für die EZB heißt der Schritt der Fed erst einmal nicht viel."

  • Franck Dixmier, Anleihechef Allianz Global Investors

    "Die Zinserhöhung spiegelt ein begründetes Vertrauen der Mehrheit der US-Notenbanker in die Beschäftigungslage und die Aussichten auf eine mittelfristige Rückkehr der Inflation zur Zielmarke von zwei Prozent wider. Die Fed dürfte jedoch mit einem zweiten Zinsschritt warten, bis sich die Inflation erhöht hat."

  • Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank Group

    "Letztlich möchten die US-Währungshüter die Nullmarke bei den Zinsen hinter sich lassen, um beim nächsten Abschwung über die nötige Zinsmunition zu verfügen. Janet Yellen wird im kommenden Jahr sehr behutsam mit weiteren Zinserhöhungen vorgehen. In Anbetracht der fragilen Lage im verarbeitenden US-Gewerbe bleiben weitere Zinsschritte aber eine Gratwanderung."

  • Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank

    "Man könnte sich jetzt darüber streiten, ob die sehr kleine Zinsveränderung tatsächlich die große Wende ist - oder nur ein kleines geldpolitisches Trostpflaster für die angespannte Weltwirtschaft. Wie geht es jetzt weiter? Drei Faktoren stehen im Fokus: die US-Inflation, die US-Konjunktur und die Weltwirtschaft."

  • Klaus Wiener, Chefvolkswirt des GDV

    "Für die EZB hat der Zinsentscheid der Fed keine Signalwirkung - dazu sind auch die konjunkturellen Rahmenbedingungen zu unterschiedlich. Die Kapitalmarktzinsen im Euroraum werden wohl noch für sehr lange Zeit auf ihrem extrem niedrigen Niveau verharren."

  • Frank Hübner, stellv. Leiter Volkswirtschaft Sal. Oppenheim

    "Unstrittig ist (...), dass der Startschuss für die Leitzinserhöhungen das Ende eines historisch einmaligen geldpolitischen Experiments darstellt. Da es keine Blaupausen für die Rückabwicklung einer solch ultraexpansiven Kurssetzung gibt, ist diese per se mit Unsicherheit verbunden und dürfte für Schwankungen an Kapital- und Devisenmärkten sorgen. Anfällig sind dabei traditionell die Volkswirtschaften und Währungen der Schwellenländer."

  • Marcel Fratzscher, DIW-Chef

    "Die Entscheidung war längst überfällig. Allerdings hat die US-Notenbank signalisiert, dass sie nur sehr langsam die Zinsen in den kommenden Jahren erhöhen wird. Die Geschwindigkeit der erwarteten graduellen Zinserhöhung könnte sich als zu langsam erweisen und die Risiken für die Finanzstabilität in den USA erhöhen. Die Prognose für die US-Wirtschaft ist gut, die Geldpolitik der USA jedoch für die kommenden Jahre weiterhin sehr expansiv."

  • Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverband BDB

    "Die Zinserhöhung der US-Notenbank ist eine gute Nachricht: Sie zeigt, dass die Fed dem konjunkturellen Aufschwung in den USA vertraut und die Folgen der Finanzkrise zum größten Teil als überwunden ansieht. Die amerikanische Notenbank hat die Marktteilnehmer sorgfältig auf den Zinsschritt vorbereitet."

  • Stefan Kreuzkamp, Chefanleger DWS

    "Die Fed betritt mit ihren Zinsschritt ganz klar Neuland: Noch nie hat sich eine US-Notenbank auf den Weg in einen Zinserhöhungszyklus gemacht, wenn die Raten für das Wirtschaftswachstum so niedrig waren und die eigene Bilanz so aufgeblasen. Die Tatsache, dass die Rücklagen von Finanzinstituten bei der Zentralbank seit 2007 von 15 Milliarden auf 2,5 Billionen Dollar angestiegen sind, macht den Weg für die Fed nicht einfacher. Wir erwarten aber nicht, dass die Fed ihre Bilanz zurückfahren wird, bevor sie nicht noch einige Zinsschritte gegangen ist.

    Dass die Fed ihren Zinserhöhungszyklus startet, so kurz nachdem die EZB ihre Geldpolitik noch weiter gelockert hat, unterstreicht unseren positiven Ausblick für den US-Dollar, von dem wir glauben, dass er im kommenden Jahr die Parität zum Euro erreichen und auch unterschreiten wird."

  • Nick Peters, Fonds Manager Fidelity International

    "Die Entscheidung der Fed ist eindeutig ein Zeichen der Zuversicht in die US-Wirtschaft. In den kommenden Monaten wird die US-Notenbank genau beobachten, wie die Wirtschaft und die Märkte reagieren werden. Ein entscheidender Faktor wird die Reaktion des US-Dollar sein. Viele Beobachter erwarten, dass höhere Zinsen zu einem festeren Dollar führen. Diese Einschätzung teile ich nicht unbedingt: Sollten wir 2016 nur wenige, beispielsweise zwei Zinsschritte sehen, gehe ich von einem schwächeren US-Dollar aus."

  • Luke Bartholomew, Investmentmanager Aberdeen Asset

    "Die Fed hat endlich damit begonnen, die Zinsen anzuheben. Nachdem jetzt diese eine Unsicherheit aufgelöst wurde, werden sich die Fragen nun um die Geschwindigkeit der Erhöhungen im nächsten Jahr drehen. Die Fed hat für das kommende Jahr vier Erhöhungen in Aussicht gestellt, was bedeutend mehr ist als der Markt erwartet hat. In den vergangenen Jahren, waren es die Vorhersagen der Fed, die falsch waren, und der Markt hatte Recht behalten. Wir könnten letztlich am Wendepunkt stehen, an dem der Markt beginnt, die Vorhersagen der Fed ernster zu nehmen."

Zudem bedeuten steigende Zinsen in den USA nicht nur schlechtes für die BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Steigen die Zinsen im Dollarraum, spricht das für eine stärker wachsende US-Wirtschaft und davon wiederum profitieren auch die Schwellenländer, beispielsweise durch steigende Importe seitens der Amerikaner.

Die Währungen der Emerging Markets reagierten uneinheitlich. Chinas Yuan beispielsweise verliert gegenüber dem Dollar bereits seit einigen Tagen an Wert. Das liegt aber nicht nur an der US-Zinswende. Erst Anfang der Woche hatte Peking erklärt, die Bindung des Yuan an den Dollar lockern zu wollen. Künftig gelte nicht mehr nur der Dollar als Referenz für den Außenwert des Yuans, sondern ein Korb aus insgesamt 13 Währungen. Darin ist der Dollar zwar auch enthalten, ist aber nur mit 26 Prozent gewichtet.

Auch der brasilianische Real blieb bei seiner abwertenden Tendenz. Die Zinswende an sich sorgte aber nur für kurzfristige Schwankungen der Währung. Vielmehr belastet, dass die Ratingagentur Fitch die Bonität des Landes auf Ramschniveau (BB+) heruntergestuft hat. Das dürfte den Real deutlich stärker belasten als die etwas höheren Zinsen in den USA. Die Analysten von Fitch befürchten offenbar, das Haushaltsdefizit könnte auf mehr als zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen und gehen davon aus, dass Brasiliens Wirtschaft in diesem Jahr um 3,7 und im kommenden Jahr um 2,5 Prozent schrumpfen werde. Von einer kurzfristigen Erholung des Real ist daher nicht auszugehen. Angesichts des Ramsch-Status wird es für Brasilien immer schwieriger, sich zu refinanzieren. Sorgen bereitet den Analysten auch die politische Situation, ein großer Korruptionsskandal hemmt die Wirtschaft.

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Portrait Mark Mobius Quelle: PR

Ähnlich ist die Lage in Südafrika. Statt der Zinswende sind es vielmehr die hausgemachten Probleme, sowohl politisch als auch wirtschaftlich, welche den südafrikanischen Rand bewegen. Erst in der vergangenen Woche stürzte der Rand auf ein historisches Tief, weil Südafrikas Präsident den allseits geschätzten Finanzminister durch einen weitestgehend unbekannten ersetzte. Die Marktreaktionen fielen so dramatisch aus, dass Jacob Zuma seine Entscheidung schon nach nur vier Tagen zurückzog und einen anderen Finanzminister ernannte. Seit dem erholen sich Südafrikas Märkte langsam von ihrem Schock. Der Rand liegt weiterhin bei der kritischen Marke von fast 15 Dollar. Die weitere Entwicklung der Währung dürfte aber weniger vom US-Zins als von der heimischen Wirtschaft getrieben werden.

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Die indische Rupie verdeutlicht am ehesten, dass die Fed mit ihrer moderaten Zinserhöhung die Schwellenländer verschont hat. Die Rupie wertete um 0,5 Prozent auf, so viel wie seit fast zwei Monaten nicht mehr. Analysten rechnen damit, dass die Währung in den kommenden Monaten eine der stabilsten unter den asiatischen Devisen sein wird. Unter anderem dürfte auch der sinkende Ölpreis dazu beitragen, von dem Indien profitieren dürfte. Insgesamt seien die makroökonomischen Daten überzeugend.

Der von vielen erwartete Schwellenländer-Schock ist also vorerst ausgeblieben. Zum Vergleich: der Euro gilt als einer der Verlierer der Zinswende, er verlor rund einen halben Cent und rutschte auf unter 1,09 Dollar.

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