Die größten Kapitalvernichter: Die Auswahl des Schreckens

Die größten Kapitalvernichter: Die Auswahl des Schreckens

, aktualisiert 22. März 2017, 12:08 Uhr
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Der größte Aktienflop ist ein Dauergast in den Top-Ten der Kapitalvernichter.

von Susanne SchierQuelle:Handelsblatt Online

Anlegerschützer haben die 50 Unternehmen ermittelt, deren Aktienkurse 2016 das größte Minus eingefahren haben. An Nummer eins steht ein alter Bekannter. Doch auch mit vier Dax-Konzernen verloren Investoren viel Geld.

FrankfurtFür Anleger ist es die Auswahl des Schreckens: die Liste der 50 größten Kapitalvernichter an der deutschen Börse. Sie wird von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) jährlich ermittelt. Und auch dieses Mal zeigt sich: Obwohl der Dax das Jahr 2016 mit einem Plus von sieben Prozent und damit versöhnlich abgeschlossen hat, lief es längst nicht bei allen Firmen rund. Bei einzelnen Kandidaten mussten die Aktionäre wieder drastische Kurseinbrüche verkraften.

Für die Watchlist nehmen die Anlegerschützer bei allen im Prime Standard notierten Unternehmen zwei Kriterien unter die Lupe: Zum einen wird die reine Kursentwicklung im vergangenen Jahr sowie in den letzten drei und fünf Jahren untersucht; zum zweiten schauen sich die DSW-Experten die Performance, also die Kursentwicklung inklusive der Dividendenzahlungen an.

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„Verglichen mit den Auswahl-Indizes schneiden sowohl Kurs- als auch Performance-Watchlist katastrophal ab“, stellt DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler fest, der die Firmen eine Auswahl des Schreckens nennt. Doch gerade die Gewinnausschüttung werde von den Aktionären vermehrt als eine Art Fieberthermometer für die Stärke und Stabilität der Geschäftsmodelle bewertet, erklärt DSW-Vizepräsident Klaus Nieding: „Besonders sensibel reagieren sie auf das Absenken der Dividende.“

Die Nummer eins beider Listen und damit der größte Aktienflop ist dieses Mal der Maschinenbauer Singulus Technologies – ein alter Bekannter, wie Tüngler betont: „Das Unternehmen ist so eine Art Dauergast in den Top-Ten der beiden Listen.“ Im vergangenen Jahr brach der Kurs um 90,2 Prozent ein. Auf Sicht von drei Jahren waren es 98,7 Prozent. Das ist jeweils die schlechteste Performance aller untersuchten Aktien. Nur im Fünfjahresbereich gab es mit Solarworld eine Firma, die noch schlechter abgeschnitten hat: Der Kurs des Unternehmens brach in diesem Zeitraum um 99,5 Prozent ein. Da sich die Bewertung aber lediglich auf die alten Aktien von Solarworld bezieht, hat die DSW das Unternehmen aus der Wertung genommen.

Damit geht der zweite Platz der schlechtesten Unternehmen in diesem Jahr an die DF Deutsche Forfait, einen Neueinsteiger. Die Factoring-Gesellschaft war im Februar 2014 wegen angeblicher Verstöße gegen Iran-Sanktionen auf die Sanktionsliste der US-Behörden geraten. Zwar wurde der Außenhandelsfinanzierer im Oktober 2014 wieder von der Liste gestrichen, trotzdem hat er sich davon nur sehr langsam erholt. Da das Unternehmen aber wohl in den General Standard wechselt und damit künftig weniger Transparenzpflichten erfüllen muss, wird es in den nächsten Jahren nicht mehr in der DSW-Liste auftauchen. Auf Rang drei liegt der Kommunikationsdienstleiter 11 88 0 Solutions. Das Unternehmen, das im letzten Jahr noch unter dem Namen Telegate ebenfalls den dritten Rang belegte, hat mit einem Kursverlust von 88,4 Prozent auf drei Jahre ebenfalls ein beachtliches Minus hinter sich.


Im Vorjahr waren noch fünf Dax-Firmen dabei.

Auffällig ist, dass mit den beiden Kreditinstituten Commerzbank und Deutsche Bank sowie den beiden Energieversorgern Eon und RWE auch vier Unternehmen aus der obersten Börsenliga, dem Dax, zu den größten Kapitalvernichtern zählen. „Auch Investitionen in große Gesellschaften mit vermeintlich erprobten Geschäftsmodellen sind nicht zwingend ein sicheres Investment“, betont Tüngler. Auf der Liste, die die Dividendenzahlungen berücksichtigt, liegt RWE auf Rang 18. Die Deutsche Bank folgt auf Platz 24, Eon ist auf Platz 27 und die Commerzbank belegt schließlich Rang 31.

Ob es für die vier Konzerne künftig wieder besser läuft, steht in den Sternen: Die Analysten sind jedenfalls für die Zukunft der Versorger etwas optimistischer als für die der Banken. Laut Datenanbieter Bloomberg raten mehr als die Hälfte der Anlageprofis, die Aktie der Deutschen Bank zu verkaufen. Bei der Commerzbank sind es mehr als ein Viertel. Die RWE-Aktie empfehlen dagegen rund 47 Prozent der Analysten zum Kauf, auch bei Eon setzen 42 Prozent der Experten ihr Votum auf Kaufen.

Im vergangenen Jahr waren indes sogar noch fünf Dax-Firmen auf der Negativliste der Anlegerschützer vertreten. Eine echte Verbesserung gab es aber nicht: Der Kaliproduzent K+S, der dieses Mal wieder dabei ist, ist inzwischen lediglich aus dem Dax abgestiegen. Allerdings hat sich das Unternehmen an der Börse etwas erholt. Lag es in der Performance-Liste vergangenes Jahr noch auf Rang 34, ist es nun auf Platz 49 nach hinten gerückt.

Insgesamt schrumpften die Unternehmen auf der DSW-Watchlist im Einjahreszeitraum um 16 Prozent – inklusive Dividendenzahlungen. Im Dreijahresvergleich lag das Minus bei über 47 Prozent, im Fünfjahreszeitraum bei 33 Prozent. Vor allem im längerfristigen Vergleich hilft eine Dividendenzahlung den Problemfällen, vor ihren Aktionären etwas besser dazustehen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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