Die Opec und der Ölpreis: Die verordnete Preiskorrektur

Die Opec und der Ölpreis: Die verordnete Preiskorrektur

, aktualisiert 17. August 2016, 19:11 Uhr
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Die Fracking-Industrie in den USA war ausschlaggebend für den drastischen Preisverfall, der Öl zwischen Juni 2014 und Februar 2016 von über 110 auf 27 Dollar verbilligte.

von Matthias Streit und Andrea CünnenQuelle:Handelsblatt Online

Das Ölkartell macht erneut Andeutungen über eine Stabilisierung des Ölmarkts. Spekulanten lassen sich locken und wetten auf steigende Preise. Derweil gibt es erste Zeichen der Erholung bei den Anleihen von Ölproduzenten.

FrankfurtNun schalten sich sogar Ehemalige ein: Chakib Khelil, Ex-Energieminister Algeriens von 1999 bis 2010) und 2001 sowie 2008 Präsident der Opec glaubt daran, dass sich das Ölkartell auf ein Förderlimit einigen kann. „Alle Bedingungen für eine Vereinbarung sind vorhanden“, sagte Khelil in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Wahrscheinlich ist jetzt die Zeit gekommen, weil die meisten großen Ölproduzenten wie Russland, Iran, Irak und Saudi-Arabien Förderrekorde verzeichnen. Sie haben alle Marktanteile gewonnen, die sie gewinnen konnten.“

Khelil ist nur das neuste Mitglied in einer Riege bedeutender Öl-Staaten-Persönlichkeiten, die die jüngsten Spekulationen über eine mögliche Fördergrenze anfachen. Auch der saudische sowie der russische Ölminister mischen mit. Die vom schwachen Ölpreis arg gebeutelten Venezolaner nutzen ohnehin jede Gelegenheit, um auf eine Verknappung des Angebots zu drängen. Seit der amtierende Opec-Präsident Mohammed bin Saleh Al Sada am Montag vergangener Woche für Ende September ein informelles Treffen des Ölkartells einberufen hat, geht es wieder bergauf beim Ölpreis. Dessen Rückgang von mehr als 50 auf fast 40 Dollar seit Juni ist gestoppt. Ein Barrel (159 Liter) des Nordseeöls Brent kostet wieder über 49 Dollar, das nordamerikanische Leichtöl WTI 46 Dollar.

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Der alte Trick des Ölkartells, durch verbale Interventionen den Preis zu seinen Gunsten zu korrigieren, fruchtet also noch. Und das, obwohl die Erfahrungen aus dem Februar, April und Juni, als Spekulationen über ein mögliches Förderlimit schon einmal aufkamen, ja eigentlich zeigen, dass man ihnen nicht allzu viel Bedeutung schenken sollte. Die Gespräche scheiterten, weil sich die Opec, allen voran der Iran und Saudi-Arabien, nicht einigen konnten.

Die neuen Ankündigungen wurden von den Analysten der Großbanken daher gleich skeptisch aufgenommen. Viel mehr als „leeres Gerede“ werde auch diesmal nicht rumkommen, kommentierte die Commerzbank. Doch die Investoren dieser Welt scheinen das anders zu sehen. „Auch wenn eigentlich kein Marktbeobachter mit einer Einigung auf Produktionsobergrenzen beim Treffen in Algerien Ende September rechnet, sorgen die Diskussionen darüber wie schon im Frühjahr für Preisauftrieb“, bemerkt die Commerzbank nüchtern bis bissig.

Ein durchaus treibender Faktor sind – einmal mehr – die Hedgefonds. Nach den spekulativen Aussagen der Ölnationen – neben dem Opec-Präsidenten sprachen wenige Tage später auch der saudische Energieminister Khalid Al-Falih und der russische Energieminister Alexander Nowak von „stabilisierenden“ Maßnahmen – setzte bei den Geldmanagern ein Umdenken ein. Allein in der vergangenen Woche stiegen die Wetten auf steigende Ölpreise dreimal so stark wie jene auf fallende Preise, wie aus Daten der US-Aufsichtsbehörde für die Terminmärkte CFTC hervorgeht. Reuters zufolge setzen die Hedgefonds so stark auf steigende Preise wie seit Mitte Mai nicht mehr.

Stützend wirkt auch die Prognose der Internationalen Energieagentur, laut der bereits im dritten Quartal dieses Jahres die Ölnachfrage das Angebot übersteigen werde. Spätestens in der ersten Hälfte des nächsten Jahres rechnen die meisten Analysten dann damit, dass sich Angebot und Nachfrage ausgleichen. Und am Markt machen sich schon erste kleine Zeichen der Erholung breit.


Ramsch oder hohe Erträge?

Der sich erholende Ölpreis hat auch den Anleihen von Ölförderern eine ordentliche Rally beschert. Dabei sind besonders die Hochzinsanleihen begehrt. Das sind Anleihen von Unternehmen, denen die Ratingagenturen nur eine schwache Bonität bescheinigen. Den Anlegern müssen die Unternehmen für dieses höhere Ausfallrisiko mehr Zinsen bieten. Je nachdem ob man den Fokus auf die höheren Zinsen oder die geringere Kreditwürdigkeit legt, werden die Papiere High Yield Bonds (Hochzinsanleihen) oder Junk-Bonds (Ramschanleihen) genannt.

In den USA stammen 13 Prozent des gesamten Hochzinsmarkts von Ölförderern. Dazu kommen viele Anleihen von Minenkonzernen, denen die fallenden Rohstoffpreise ebenfalls zu schaffen machen. Im Februar dieses Jahres stieg die durchschnittliche Rendite der US-Junkbonds aus der Energiebranche gemessen am Index der Bank of America Merrill Lynch auf ein Rekordhoch von 21 Prozent. Seither zogen die Kurse der Bonds mit dem Ölpreis wieder an, und die Rendite sank entsprechend auf 8,6 Prozent. Damit liegt sie wieder auf dem Niveau vom Juni 2015. Investoren, die vor einem halben Jahr bei Papieren zugriffen haben, sicherten sich damit bislang einen durchschnittlichen Ertrag aus Kursgewinnen und Zinseinnahmen von 54 Prozent. Von Juni 2015 bis Februar 2016 verloren sie mit den Papieren indes 37 Prozent.

In Europa gibt es weniger Ölfirmen mit schwacher Bonität als in den USA, die meisten Hochzinsbonds von Ölförderern und Ausrüstern stammen aus Norwegen. „Die schlimmsten Verluste dürften wir hinter uns haben“, sagte Lars Tronsgaard, stellvertretender Managing Director beim umgerechnet 24 Milliarden Dollar schweren norwegischen nationalen Versicherungsfonds Folketrygdfondet, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Der Fonds – ein Pendant zum norwegischen Staatsfonds – investiert seine Anlagen zu 40 Prozent in Anleihen und zu 60 Prozent in Aktien. Den Anteil an Hochzinsanleihen, die ihm 1,4 Prozent an Ertrag brachten, hat er reduziert. Insgesamt erwirtschaftet der Fonds im zweiten Quartal 2,7 Prozent.

Der Fonds hatte in norwegische Unternehmen wie Prosafe BW Offshore oder DOF Asa investiert, die allesamt restrukturiert wurden. Tronsgaard denkt daran, wieder mehr in Hochzinsanleihen der Ölbranche zu investieren. Die Risiken dabei sind allerdings nach wie vor hoch. Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) schätzt, dass die Ausfallrate von Hochzinsanleihen in den USA innerhalb der nächsten zwölf Monate von 3,8 auf 5,3 Prozent steigen wird.

Dabei dürften am Gesamtmarkt vor allem erneut die Anleihen von Unternehmen aus der Energiebranche zahlungsunfähig werden. In diesem Jahr lag die Ausfallrate der Energiefirmen bereits bei hohen 15,8 Prozent – und damit sieben Mal so hoch wie im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Bekannte Öl- beziehungsweise Gasförderer, die ihre Anleihen nicht bedienen konnten und umschuldeten, sind Chesapeake Energy, Sandridge und Confidential.

In Europa dürfte die Ausfallrate laut S&P im Hochzinsbereich in den kommenden zwölf Monaten insgesamt von 1,6 auf 1,8 Prozent steigen. Auch hier sind es vor allem die Energiefirmen, die Sorgen machen. Diane Vazza, Researchleiterin bei S&P in New York warnt: „Wenn der Ölpreis um die 50 Dollar je Barrel verharrt, wird es weitere Probleme in der Branche geben.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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