Digitale Vermögensverwaltung: Siemens setzt auf Robo-Advisor

Digitale Vermögensverwaltung: Siemens setzt auf Robo-Advisor

, aktualisiert 17. Januar 2017, 20:39 Uhr
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Stefan Mittnik, Florian Prucker, Erik Podzuweit (v.l.) trumpfen mit Erfolgsmeldungen auf.

von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Starke Partner können für den Erfolg junger Firmen entscheidend sein. Das gilt besonders, wenn Start-ups ein Vertrauensgut verkaufen – etwa digitale Finanzberatung. Scalable Capital bekommt jetzt Rückenwind von Siemens.

FrankfurtDigitale Finanzberater, sogenannte Robo-Advisors, versprechen eine moderne Art der Geldanlage. Ausgeklügelte Algorithmen sollen das Geld der Kunden vermehren. Und obendrein werben alle mit einfacher Bedienung und günstigen Gebühren.

Das Problem: Vielen digitalen Finanzberatern fehlt die wichtigste Zutat – die Kunden. Beim Anbieter Scalable Capital könnte sich das jetzt ändern. Die Münchner haben eine Kooperation geschlossen, dank der sich die Kundenzahl bald deutlich erhöhen könnte. Ihr Partner heißt Siemens. Der Weltkonzern will das Angebot des Finanz-Start-ups – auch Fintech genannt – über seine Tochter Siemens Private Finance den eigenen Mitarbeitern empfehlen. Inklusive ehemaliger Angestellter und Angehörigen ergibt das 250.000 potenzielle Kunden in Deutschland.

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Wer das Angebot nutzen will, muss auf der Internetseite des Robo-Advisors zunächst einige Fragen zu seinen Vermögensverhältnissen, seinen Erfahrungen mit Finanzprodukten und seiner Risikoneigung beantworten. Der digitale Vermögensverwalter schlägt dann ein Portfolio vor, das sich überwiegend aus passiven Fonds (ETFs) zusammensetzt.

Einmal eingerichtet, passen die Analysten von Scalable das Portfolio laufend an die aktuellen Marktrisiken an, ohne dass der Kunde jeder Aktion zustimmen muss. Möglich ist das, da Scalable eine Vermögensverwalterlizenz der deutschen Finanzaufsicht Bafin hat – ebenso wie die Konkurrenten Whitebox, Quirion, Vaamo und Liqid. Andere Anbieter wie etwa Ginmon, Growney oder Easyfolio passen das einmal erstellte Portfolio nicht an die aktuelle Marktlage. Sie sorgen lediglich dafür, dass die Gewichtung einzelner ETFs gleich bleibt.

Für das Münchener Start-up Scalable ist die Kooperation mit Siemens ein wichtiger Schritt, denn der Markt der digitalen Finanzberater wächst stetig. Laut einer Analyse des Fintech-Beratungshauses Techfluence gibt es in Deutschland derzeit etwa 23 Robo-Advisors, Tendenz steigend.

Siemens-Mitarbeiter konnten über die „Private Finance“-Sparte des Konzern bislang schon zu vergünstigten Konditionen Versicherungs- und Vorsorgeprodukte sowie Baufinanzierungen abschließen. „Wir möchten unsere Mitarbeiter für die Bedeutung des privaten Vermögensaufbaus über den Kapitalmarkt sensibilisieren“, erklärt Siemens-Manager Alexander Mahnke das Angebot. Nach Analyse der Marktes habe man sich für Scalable als weiteren Partner entschieden. Schließlich biete das Fintech „ideale Voraussetzungen für den langfristigen Vermögensaufbau“, so Mahnke.


Whitebox wirbt mit hohen Renditen

Scalable-Gründer Erik Podzuweit freut sich über das Vertrauen des Weltkonzerns. Eine Prognose, wie viele Kunden durch die neue Partnerschaft gewonnen werden könnten, veröffentlicht das Start-up nicht. Doch viele Siemens-Mitarbeiter dürften ziemlich gut ins Kundenprofil passen, das Scalable mit „männlich, 40 Jahre alt und technologieaffin“ beschreibt.

Außerdem erlässt das Start-up den Siemens-Mitarbeitern in den ersten sechs Monaten die Verwaltungsgebühr – und steht ihnen schon ab einem Anlagevolumen von 5000 Euro offen. Alle anderen Kunden müssen mindestens 10.000 Euro mitbringen.

Schon heute verwaltet Scalable als bisher einziger digitaler Finanzberater in Deutschland laut eigener Aussage Vermögen von mehr 120 Millionen Euro. Verglichen mit etablierten Vermögensverwaltern und Banken ist das zwar wenig, doch das Start-up verzeichnet ein starkes Wachstum. Jede Woche sollen demnach etwa fünf Millionen Euro hinzukommen.

Die Konkurrenten geben sich mit ihren Geschäftszahlen meist noch bedeckt. Stattdessen werben manche mit besonders guten Renditen. So gab das deutsch-schweizerische Unternehmen Whitebox gerade bekannt, dass es seit Mitte Januar 2016 je nach Risikoklasse eine Rendite zwischen 5,2 und 19,6 Prozent erzielt habe. Als Erfolgsrezept nennt Mitgründerin Salome Preiswerk ein „globales und über viele Anlageklassen gestreutes Portfolio, niedrige Gebühren, Daten statt Emotionen“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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