Dirk Müller, Robert Halver, Eckhard Sauren: Wann kommt der Crash?

Dirk Müller, Robert Halver, Eckhard Sauren: Wann kommt der Crash?

, aktualisiert 11. April 2017, 16:45 Uhr
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Darüber diskutierten Mr. Dax Dirk Müller, Dachfondsmanager Eckhard Sauren und Kapitalmarktexperte Robert Halver mit Handelsblatt-Chefkorrespondentin Jessica Schwarzer.

von Jessica SchwarzerQuelle:Handelsblatt Online

Im Jahr neun der Rally an den Aktienmärkten fragen sich viele Investoren, wie lange das noch gutgehen kann. Klar ist, irgendwann kommt der Crash. Nur wann und warum? Prominente Anlageexperten geben Antworten.

DüsseldorfNur noch knapp 20 Punkte haben in der vergangenen Woche gefehlt, doch sein Allzeithoch hat der Deutsche Aktienindex nicht geknackt. Höhenangst oder fundamentale Gründe? Aktuell notiert der Dax wieder deutlich tiefer, auf einen neuen Rekord müssen Anleger weiter warten. Doch was passiert dann? Geht die Rally, die immerhin schon im neunten Jahr läuft, munter weiter? Oder droht ein Crash? Immerhin erleben Investoren gerade die längste Hausse in der jüngeren Geschichte.

Gibt es aktuell mehr Chancen oder mehr Risiken an den Märkten? Darüber diskutierten Fondsmanager Dirk Müller, alias „Mr. Dax“, Dachfondsmanager Eckhard Sauren und Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, jüngst auf der Anlegermesse Invest. Die Botschaft war schnell klar: Die Risiken überwiegen ganz klar, doch es gibt auch Chancen.

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Der Jahresstart kann sich sehen lassen, der Dax ist gut sechs Prozent im Plus, auf Sicht von einem Jahr sind es sogar mehr als 25 Prozent. Auf längere Sicht sieht die Bilanz sogar noch besser aus. Seit dem Krisenjahr 2008 ist der Dax um stolze 275 Prozent gestiegen. Doch die Skepsis unter den Experten wächst, dass das so weiter geht. „Wir leben an der Börse immer in Zyklen“, sagt Dirk Müller. „Und das ist nicht nur an der Börse so, sondern auch in Volkswirtschaften. Unsere ganze Wirtschaft besteht aus Boom and Bust, also einer starken Phase und eben auch einer Rezession.“ Nach neun Jahren Börsenaufschwung sollte nun, allein schon mit Blick auf den Zyklus „demnächst mal die Gegenbewegung kommen“.

Wann die komme, könne natürlich niemand sagen. „Aber in der Vergangenheit war es in der Regel so, dass steigende Zinsen der Auslöser für die Rezession und damit diese Abschwungbewegung an den Märkten waren“, so Müller. Alles deute momentan darauf hin, dass es bald soweit sei. „Ich glaube nicht, dass die nächste Bewegung noch mal 270 Prozent nach oben ist, sondern eher ein deutlicher Schlag runter“, befürchtet Mr. Dax.

Muss es gleich ein Crash sein, oder kann es auch eine Korrektur um zehn oder 15 Prozent sein? Eine schwierige Frage, findet Eckhard Sauren. „Nach dem längsten Aufschwung in der Geschichte wird die Wahrscheinlichkeit einer Korrektur natürlich immer größer“, sagt der Dachfondsmanager. „Das ist vor allem deshalb so, weil der Aufschwung in jüngster Vergangenheit nicht mehr durch steigende Unternehmensgewinne getragen wurde, sondern eigentlich nur noch aufgrund der niedrigen Zinsen zu rechtfertigen ist.“ Wenn die Unternehmensgewinne im Gegensatz zu den Aktienkursen nicht mehr steigen, kommt es schnell zu einer Überbewertung. Sauren sieht mittlerweile Bewertungsniveaus, die man tatsächlich nur noch mit null Zinsen rechtfertigen könne. „Daher wäre es nicht überraschend, wenn es bei einer Korrektur an den Märkten etwas deutlicher zur Sache gehen könnte“, sagt er.

Auch waren die Korrekturen in jüngster Vergangenheit immer nur sehr kurz und sind prozentual relativ glimpflich abgelaufen. „Viele Anleger sind in diese kleinen Korrekturphasen reingesprungen und wurden immer belohnt“, sagt Sauren. Es gebe immer mehr Investoren, die richtige Korrekturen mit Kursrückgängen von zehn oder 20 Prozent gar nicht mehr kennen. Ob die die Nerven behalten? Robert Halver kann einem Rücksetzer sogar Positives abgewinnen. „Ein bisschen Konsolidierung ist doch nicht verkehrt“, sagt er. „Das ist ganz gesund, einfach um mal Luft aus dem Markt rauszulassen.“

Auslöser können natürlich die Notenbanken sein, nämlich dann, wenn sie die Börsen auf Entzug setzen. Denn die sind seit Jahren vom billigen Geld getrieben – unendliche Liquidität ist ihre Droge. Die Vergangenheit zeige natürlich, dass die Zinsen und die Geldpolitik sehr markant seien für die Aktienmärkte, so Halver. Die volle „Alimentierung“ würden die Notenbanken wohl nicht mehr liefern. „Aber sie wissen natürlich auch, was sie damit anrichten würde in einer Welt, die völlig überschuldet ist“, beruhigt er. Die Schulden müssten irgendwie bezahlt werden. Man könne nicht so tun, als könne man jetzt zu einer Normalität zurückkommen. „Auch wenn wir uns die alle wünschen, ich mir auch.“


Die gefährlichen Teddybär-Aktien

In der Finanzkrise hatten die Notenbanken rund um den Globus die Wirtschaft und die Finanzmärkte mit einer gigantischen Liquidität geflutet. Nullzinsen und Anleihekäufe waren die Drogen, die die Rally befeuerten. In den USA läuft die Zinswende bereits, wenn auch sehr zögerlich. Drei Mal hat die Fed die Zinsen angehoben: im Dezember 2015, im Dezember 2016 und zuletzt im März. Es waren eher Zinsschrittchen als echte Zinserhöhungen. „Die Notenbanken versuchen, den Pelz zu waschen, aber ihn nicht nass zu machen“, so Halver. „Frau Yellen ist eine Künstlerin auf verbalerotischer Art.“

Sie sage zwar, dass die Geldausstattung langsam, aber sicher zurückgeführt werde und auch sehr sanftmütig homöopathisch, in dem Sinne, dass man das Geld aus fällig werdender Anleihen nicht mehr anlege. „Gleichzeitig wird durch die Blume gesagt, dann können wir uns vielleicht ein bisschen mit den Zinserhöhungen Zeit lassen“, sagt Halver. Übersetzt heiße das: Die Fed könne keine scharfe Zinserhöhung machen, weil ansonsten das Finanzsystem, das auf Schulden aufgebaut sei, Schaden nehme.

Mit Blick auf die Gewinnentwicklungen der Unternehmen und den Bewertungskennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) sagt Halver, dass „wir natürlich teure Aktienmärkte haben“. Allein die Marktkapitalisierung im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung in Amerika sei eigentlich viel zu hoch. „Wenn die Gewinne in Amerika jetzt aber doch sprunghaft ansteigen und ich auch der Meinung bin, dass die Trumponomics zwar nicht zu 100 Prozent kommen, aber in einer abgespeckten Version, dann tut sich da was“, so Halver. Auch Europa profitiere langsam von einer sich stabilisierenden Weltkonjunktur. Dadurch werde eine gewisse Überbewertung sicherlich abnehmen. Grundsätzlich könne man nicht sagen, die Aktienmärkte seien billig, aber die Rentenmärkte seien noch viel teurer.

Sind die Börsenkurse also doch nicht zu weit vorausgelaufen? Sauren sieht es zwar auch so, dass die Rentenmärkte noch viel teurer sind als die Aktienmärkte. Aber ob das ausreicht, sich die Aktienmärkte „schön zu reden“, bezweifelt er. Das Grundproblem sei auch, dass meistens beides gleichzeitig korrigiere, also Aktien und Anleihen. Ein Problem, das fast alle Anleger haben, deren Depots in defensiven Titeln wie eben Renten investiert sind, obwohl es kaum noch Zinsen gibt. Und im Aktienbereich sind viele Anleger in zinssensitive Werte gegangen wie beispielsweise Dividendenaktien.

„Das hat dazu geführt, dass gerade diese Aktien, in denen sich Anleger am wohlsten fühlen, mittlerweile fast die höchsten Bewertungen haben“, so Sauren. Die größte Gefahr im Falle einer möglichen Korrektur, die möglicherweise vom Rentenmarkt ausgeht, sei, dass die Anleger auf beiden Seiten verlieren. „Die meisten Anleger sind nicht sinnvoll diversifiziert“, sagt Sauren. „Das ist das Kernproblem, was wir in vielen Depots sehen.“

Die Zinsen würden schließlich seit 30 Jahren fallen und hätten genau die Aktien nach oben gespült, mit denen sich die Anleger am wohlsten fühlen. „Wir nennen sie die Teddybär-Aktien. Man würde sie am liebsten mit ins Bett nehmen und mit ihnen kuscheln“, witzelt Sauren. „Doch genau hiervon könnte die größte Gefahr ausgehen.“

Gefahren sehen die Experten einige. Vor allem Dirk Müller findet sehr deutliche und warnende Wort: „Wir haben alles wieder so angerührt, wie wir es auch 2008 vor dem großen Crash hatten“, sagt Müller. Nur aus seiner Sicht in einer höheren Dimension. „Wir haben deutlich höhere Verschuldungen bei Staaten und US-Privathaushalten, wir haben die Notenbanken, die unglaubliches geleistet haben und an ihrem Limit sind, wir sehen wieder Subprime, wieder die Verbriefungen, wir haben die südeuropäischen Banken mit höchsten Bilanzproblemen und und und…“ Müller befürchtet, wenn es zu einer richtigen Korrektur komme, also der Gegenwelle, die logischerweise irgendwann komme, werde es heftig. Ganz so düster sehen seine Mitdiskutanten die Lage zwar nicht. Doch das Fazit der Runde war ganz klar: Es gibt derzeit mehr Risiken als Chancen an den Märkten. Aber: Deshalb auf Aktieninvestments zu verzichten, ist keine Alternative.

Quelle:  Handelsblatt Online
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