DIW-Präsident: Börsenbeben in China ist Gift für die Wirtschaft

DIW-Präsident: Börsenbeben in China ist Gift für die Wirtschaft

Die Konjunktur steht aus Sicht des Ökonomen Marcel Fratzscher 2016 auf wackligem Fundament. Ein schwächelndes China und mehrere Krisenherde könnten den Export schwächen. Flüchtlinge verursachen einen Sondereffekt.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet ungewisse Zeiten für die deutsche Konjunktur. Das jüngste Börsenbeben in China schaffe Verunsicherung, „was prinzipiell Gift für jeden Unternehmer ist“, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Wir wissen nicht, wie sich die Verwerfungen an den globalen Kapitalmärkten auf die Wirtschaft auswirken werden.“ Das Statistische Bundesamt gibt am Donnerstag bekannt, wie stark das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2015 gewachsen ist.

Die Lage am Arbeitsmarkt bezeichnete der DIW-Chef als „extrem günstig im Augenblick, weil wir über eine Million offene Stellen haben“. Die Arbeitslosenquote werde wegen der „recht hohe Zahl an Flüchtlingen, die dieses Jahr in den Arbeitsmarkt kommen werden“, leicht steigen. „Aber die Arbeitslosenzahl unter denen, die bereits in Deutschland leben, wird weiter sinken“, stellte Fratzscher heraus.

Die fünf großen Gefahren für Chinas Wirtschaftswachstum

  • Immobilienblase

    Seit Jahren schießen die Immobilienpreise in Chinas Großstädten in ungeahnte Höhen - seit Monaten mehren sich jedoch Zeichen für einen Kollaps.

  • Schattenbanken

    Neben den trägen Staatsbanken hat sich in China ein großer Markt von nicht-registrierten Geldinstituten etabliert, die der Staat bislang nicht kontrollieren kann.

  • Faule Kredite

    Banken haben ohne genaue Prüfung Firmen immense Kredite für unproduktive und verschwenderische Investitionen gegeben.

  • Überkapazitäten

    Mit Subventionen der Regierung haben viele Branchen gewaltige Überkapazitäten aufgebaut, beispielsweise die Solarindustrie. Aber sie werden ihre Produkte nicht los.

  • Internationale Krisen

    Chinas Wirtschaft hängt vom Export ab. Geraten wichtige Abnehmerländer in Krisen, hat auch China Probleme.

Als „massive Konjunkturstütze“ seien die knapp 15 Milliarden Euro zu sehen, die der Staat 2016 für die Flüchtlinge ausgeben wolle, sagte der Ökonom. Das entspreche 0,5 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das Geld gehe „fast eins zu eins in das Wachstum“. Ohne dieses „Konjunkturprogramm“ gäbe es eine deutliche Abschwächung des Wachstums in Deutschland.

Nach Worten des DIW-Chefs ist zu erwarten, „dass sich in diesem Jahr die Nettoexporte in Deutschland eher verhalten entwickeln werden, gerade auch durch die schwächere Entwicklung der Schwellenländer“. So gebe es große Fragezeichen beim Wachstum in China. „Wir haben eine deutliche Abschwächung gesehen von knapp 10 Prozent Wachstum pro Jahr im letzten Jahrzehnt auf unter 7 Prozent im vergangenen Jahr“. Brasilien und Russland seien in der Rezession. Hinzu kämen die Konflikte im Nahen Osten sowie zwischen Russland und der Ukraine.

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Dennoch gebe es auch positive Zeichen. So habe die Schwäche bei den Ausfuhren nach China zuletzt zum Teil durch höhere Exporte nach Südeuropa und andere europäische Länder kompensiert werden können, sagte Fratzscher. Für die Eurozone erwarte das DIW 2016 ein Wachstum von 1,4 Prozent. „Das klingt erst einmal nicht schlecht, ist aber eigentlich zu wenig, um die Eurozone aus der Krise zu ziehen“, ergänzte Fratzscher. Spanien sei ein Lichtblick, Frankreich mache Sorgen mit einem prognostizierten Wachstum von weniger als einem Prozent bei einer Arbeitslosigkeit von über 11 Prozent.

„Die Investitionsschwäche bleibt nach wie vor die große Achillesferse Deutschlands“, meinte der DIW-Präsident. Die derzeit gute Baukonjunktur, gestützt durch die sehr niedrigen Zinsen, sei „nicht unbedingt etwas Nachhaltiges“. Sehr schwach entwickelten sich noch immer die Ausrüstungsinvestitionen, obwohl Unternehmen viel Liquidität und hohe Erträge hätten. Die private Konsumnachfrage werde auch 2016 die Hauptstütze der Wirtschaft sein.

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