Dr. Sommers Marktdiagnose: Korrektur – ja und?

Dr. Sommers Marktdiagnose: Korrektur – ja und?

, aktualisiert 09. Juli 2017, 13:58 Uhr
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Dr. Ulf Sommer, Handelsblatt-Redakteur und Kolumnist.

von Ulf SommerQuelle:Handelsblatt Online

Die Aktienkurse sinken. Ist das schlimm? Die lang erwartete Börsen-Korrektur kostet Nerven und schmälert den Wert des Depots. Doch endlich steigen die Chancen auf preiswertere Zukäufe. Was Anleger beachten müssen.

DüsseldorfEine Leserin fragte mich, wie es mit der begonnenen Korrektur denn nun weitergeht. Der Dax ist gegenüber seinem Hoch bei 12.952 Punkten um etwa fünf Prozent gefallen. Konkret geht es der kritischen Leserin darum: Werden wir im Sommer oder Herbst vielleicht zehn oder 15 Prozent unter dem Hochpunkt landen? Also bei etwa 11.500 oder 10.900 Punkten? Oder womöglich unter 10.000 Punkten?

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Was ich aber weiß: Es sprechen gewichtige Gründe dafür, dass die Korrektur in den kommenden Wochen fortgesetzt wird.

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Erstens: die weit fortgeschrittene Hausse. Allein die zeitliche Ausdehnung der Aufwärtsbewegung und ihr Volumen – der Dax hat sich seit März 2009 verdreieinhalbfacht – mahnt zur Vorsicht. Wenn Aktien so stark gestiegen sind, ist die Versuchung groß, zu verkaufen. Denn erst dann werden aus Depot- auch tatsächliche Gewinne.

Zweitens: die Bewertung. Aktien, egal ob in Deutschland, Europa oder den USA, sind nicht mehr billig. Gemessen an den Gewinnen der Unternehmen notieren die Kurse über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Wirklich teuer sind zumindest deutsche Aktien aber auch nicht. Anleger bezahlen die 30 Dax-Konzerne im Schnitt mit dem 13,5-fachen Jahresgewinn der Unternehmen. Das entspricht dem langjährigen Mittel mehrerer Jahrzehnte.

Drittens, aber das ist zweifellos keine kurzfristige Belastung für den Sommer oder Herbst, sondern ein großes Thema für die nächsten Jahrzehnte: Negative demografische Trends. Gemeint ist: Seit Jahren stagniert die Bevölkerungszahl in Europa. Der Anteil der über 65-Jährigen, die mehr Aktien verkaufen als kaufen, um ihre Rente aufzubessern, steigt in Europa, aber auch in allen anderen hoch entwickelten Industriestaaten. Das wird die Aktienkurse nicht heute und morgen, aber eben auf Dauer belasten.

Diesen drei gewichtigen Belastungsfaktoren steht ein ganz großer Kurstreiber gegenüber: Anlegern fehlt die Alternative. Allen Zinserhöhungen in den USA und möglicherweise bevorstehenden Zinserhöhungen in Euroland zum Trotz wollen die Renditen für Anleihen und die Zinsen für Tagesgeld nicht nennenswert steigen.

Einzig die Börse bietet die einigermaßen sichere Gewissheit, dass viele Aktien Jahres-Dividendenrenditen von drei und mehr Prozent bieten und zusätzlich die Chance auf höhere Kurse. Das lockt immer mehr Anlegergeld an die Börse. Deshalb endet bislang jede Korrektur, ehe sie richtig begonnen hat.

Was daraus folgt: Anleger tun gut daran, nicht alles, sondern nur einen Teil – vielleicht 50 Prozent – ihres kurz- und mittelfristig nicht benötigten Kapitals in Aktien zu investieren. Nicht trotz, sondern wegen der Gefahr einer Korrektur. Denn ob sie kommt und vor allem, wie stark sie ausfällt, weiß niemand.

Die 50 Prozent Cash liegen dann als Reserve bereit, wenn die Börse um zehn oder mehr Prozent fällt. Dann gilt die Devise: Nicht alles auf einmal investieren, sondern in Teilbeträgen – weil eben niemand das Ausmaß der Korrektur und ihr Ende vorhersehen kann.

Quelle:  Handelsblatt Online
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