Drei Szenarien für die Deutsche Börse: Wie es mit Börsenchef Kengeter weitergehen könnte

Drei Szenarien für die Deutsche Börse: Wie es mit Börsenchef Kengeter weitergehen könnte

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Carsten Kengeter (rechts), Vorstandsvorsitzender der Deutsche Börse AG.

von Mark Fehr

Die Deutsche Börse hat gute Geschäftszahlen geliefert, aber alle fragen sich nach der Zukunft ihres Chefs Kengeter. Welche Szenarien sind denkbar?

Nach dem gescheiterten Fusionsversuch mit der Londoner Börse schwebt noch immer der Verdacht des Insiderhandels und der Marktmanipulation über der Deutschen Börse und ihrem Chef. Davon können auch die guten Geschäftszahlen nicht ablenken, die das Unternehmen im ersten Halbjahr erzielt hat.
Mitarbeiter, Kunden und Investoren fragen sich, wie es weitergehen könnte.

Szenario 1: Kengeter bleibt

Dieses Szenario ist aus jetziger Sicht recht unwahrscheinlich. Denn dafür müsste eine ganze Reihe von Vorwürfen gegen die Börse und ihren Chef Carsten Kengeter widerlegt werden oder sich als unbegründet herausstellen.

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Schwere Vorwürfe der Justiz Kengeter stürzt die Deutsche Börse ins Chaos

Nachdem die Staatsanwaltschaft den Chef der Deutschen Börse des Insiderhandels und der Marktmanipulation bezichtigt hat, herrscht Chaos. Dabei ist die Börse selber schuld – allen voran Aufsichtsratschef Joachim Faber.

Der Chef der Deutschen Börse, Carsten Kengeter Quelle: imago

Da ist einmal der Vorwurf des möglichen Insiderhandels mit Aktien der Deutschen Börse, dann der Vorwurf der Marktmanipulation wegen einer möglicherweise verspäteten Information von Investoren und Anlegern zu der geplanten Fusion mit der Londoner Börse. Schließlich müsste sich noch der Verdacht auf Unzuverlässigkeit des Deutsche-Börse-Managements als unbegründet erweisen. Hier prüft die Börsenaufsicht wegen einer verwirrenden Ad-hoc-Information über das von der Börse gemeldete angebliche Ende der staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen sie und ihren Chef.

Natürlich ist nicht auszuschließen, dass die Frankfurter Staatsanwälte schließlich doch noch die Ermittlungen gegen Kengeter einstellen, sodass es zu keiner Anklage kommt. Ob das aber noch möglich ist nach der scheinbar verfrühten Mitteilung der Börse, ihr Chef sei aus dem Schneider?

Erst wenn alle Verdachtsmomente abgehakt wären, könnte Kengeter mit einer offiziell weißen Weste zum Tagesgeschäft zurückkehren. Doch dafür wird die Zeit knapp. Sein Vertrag läuft im März 2018 aus und kann in der gegenwärtigen Situation nicht verlängert werden. Es wäre wohl fahrlässig, wenn die Börse sich nicht zumindest vorsichtshalber nach einem Ersatzmann oder einer Ersatzfrau umsehen würde.

Szenario 2: Kengeter geht

Ein früher und geordneter Rückzug ist ähnlich unwahrscheinlich wie Kengeters Verbleib an der Spitze der Börse. Denn er selbst hat sehr deutlich gesagt, dass der Vorwurf des Insiderhandels allem widerspreche, wofür er stehe. Auch Aufsichtsratschef Joachim Faber hat ihm auf der Hauptversammlung den Rücken gestärkt.

Bei dieser Haltung werden beide wohl zunächst bleiben. Daher könnte es zu einer Hängepartie kommen, die erst von einem möglichen Eingriff der Aufsicht beendet wird.

PremiumDeutsche Börse Wie tragbar ist Carsten Kengeter?

Die Staatsanwaltschaft wirft dem CEO Kengeter in einem Brief Insiderhandel vor. Die Aufsicht prüft nun seine Zuverlässigkeit – und kann ihn abberufen.

Carsten Kengeter Quelle: REUTERS

Szenario 3: Exit

Ein Börsenchef, der eines Markvergehens überführt würde oder in den Augen der Börsenaufsicht unzuverlässig erscheint, kann sein Amt sicherlich nicht mehr ausüben. Wie laut es in einem solchen Fall knallt, ist abhängig vom Verhalten der Beteiligten. Hier ist das Zusammenspiel zwischen Finanz- und Börsenaufsicht sowie Aufsichtsrat und Vorstand der Börse entscheidend. Wenn alles klappt, müsste ein harter Exit nach außen gar nicht mal so hart aussehen.

Börsenaufseher können Vorstände abberufen. Dem eher diskreten Stil deutscher Behörden entsprechend, würden sich die für die Börse zuständigen Aufseher dann aber wohl zunächst an den Aufsichtsrat wenden, insbesondere an dessen Chef Joachim Faber.

Wenn die Behörden wirklich personelle Konsequenzen im Topmanagement der Deutschen Börse fordern sollten, dann tun sie dies bestimmt nicht in aller Öffentlichkeit. Denn den Aufpassern wäre am allerwenigsten an weiteren Turbulenzen bei dieser wichtigen Plattform für die deutschen und internationalen Kapitalmärkte gelegen. Also bliebe den Betroffenen etwas Zeit, einen Personalwechsel durchzuführen, der halbwegs gesichtswahrend für alle Seiten ablaufen könnte. Da Kengeters Vertrag bald ausläuft, müsste es hier nicht einmal zu einem Bruch kommen.

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