E.On, Telekom und Co. : Taumelnde Stars – lohnt die Dividendenstrategie noch?

E.On, Telekom und Co. : Taumelnde Stars – lohnt die Dividendenstrategie noch?

von Saskia Littmann

Einige der absoluten Dividendengaranten der Vergangenheit gerieten jüngst ins Straucheln – darunter die Deutsche Telekom und Energieversorger E.On. Müssen Anleger die Jagd nach den höchsten Dividenden wieder aufgeben? Was bei der Dividendenstrategie beachtet werden muss.

Bequemer können es Anleger kaum haben: Gerade erst ist die Hauptversammlung vorbei, trudelt die Dividende auf dem Konto ein. Telekom-Aktionäre hatten es zuletzt noch besser. Der Konzern legte sich frühzeitig auf Zahlungen fest, bereits seit 2010 konnten sie die üppigen 70 Cent pro Aktie fest in ihre langfristige Haushaltsplanung einrechnen.

Anzeige

Damit dürfte es jetzt vorbei sein. Ab dem Geschäftsjahr 2013 erwägt der Bonner Konzern, seine Ausschüttungen deutlich einzukürzen. Das Problem: Die Telekom-Aktie galt als klassischer Dividendentitel. Mit den 70 Cent strichen Aktionäre zuletzt eine Dividendenrendite von über acht Prozent ein – das ist der aktuelle Spitzenwert im Dax, der ersten deutschen Börsenliga.

Die Dividendenrendite gibt an, wie hoch die Verzinsung der Aktien für Anleger ausfällt. Dazu wird die Ausschüttung pro Aktie durch den aktuellen Kurs geteilt. Sinkt der Kurs oder steigt die Ausschüttung, kassieren Anleger eine höhere Rendite.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

  • Eigene Strategie festlegen

    Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

  • Widerstandskraft zeigen

    Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

  • Richtig mischen

    Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

  • Barrieren einbauen

    Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

  • Herdentrieb beobachten

    Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

  • Risiko rausnehmen

    Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

  • Insidern folgen

    Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

  • Geopolitische Ereignisse beachten

    Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie aktuell zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Entscheidende Wahlen wie jüngst in Russland und in diesem Jahr noch in Frankreich und den USA sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

  • Auf reale Werte setzen

    Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

  • Moden misstrauen

    Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Die Deutsche Telekom ist nicht der einzige Dividendengarant aus dem Dax, der in Zukunft kleinere Brötchen backen dürfte. Auch Energieversorger E.On stellte kürzlich die Dividende für das kommende Jahr in Frage. Grund seien die unsicheren wirtschaftlichen Aussichten und niedrigere Großhandelspreise für Strom. Ähnlich wie die Telekom glänzte auch der Düsseldorfer Energiekonzern bisher mit einer außergewöhnlich hohen Dividendenrendite. Über sechs Prozent bedeuten im aktuellen Geschäftsjahr Platz zwei im Dax, direkt hinter den Bonnern.

Gezielte Dividendenjagd

Viele Anleger halten Papiere wie die der Telekom oder von E.On nur aufgrund der großzügigen Ausschüttungen. "Ein großer Teil der Investoren ist aufgrund der Dividende in die Telekom-Aktie investiert", sagt Wolfgang Specht, Analyst vom Bankhaus Lampe. Fallen die Ausschüttungen in Zukunft geringer aus, dürfte die Attraktivität der Aktien deutlich sinken. Das drückt die Kurse in den Keller, den Konzernen droht somit Wertverlust.  

Bereits kurz nach dem Spekulationen über eine gekürzte Telekom-Dividende an die Öffentlichkeit gelangten, straften Anleger das Unternehmen ab, der Kurs brach um mehr als drei Prozent ein. "Unternehmen wollen normalerweise verhindern, durch das Kürzen der Dividende negative Informationen auszusenden", sagt Tobias Basse, Aktienstratege der Norddeutschen Landesbank (NordLB). Anleger würden dadurch sofort skeptisch und rechneten mit einer negativen Geschäftsentwicklung für die Zukunft.

Börse Beste Chancen für Privatanleger

Aktien sind wieder gefragt – und dürften langfristig gute Perspektiven haben. Warum Privatanleger wieder an der Börse investieren sollten und welche Papiere zu bevorzugen sind.

Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Anleger sind angesichts der Dividendenkürzungen irritiert. Raten nicht Börsenexperten allerorts zu Investments in Aktien? Überall heißt es, gerade in der anhaltenden Phase extrem niedriger Zinsen seien Aktien die einzig wahren Renditebringer. Experten wie Klaus Kaldemorgen, Aktienchef der Fondsgesellschaft DWS der Deutschen Bank, setzen auf "Substanzwerte mit hoher Dividende". Große Konzerne, die nicht nur eine Dividende sondern auch langfristige Sicherheit bieten, sind eigentlich in jedem Portfolio gern gesehene Gäste. Das galt bisher auch für die Telekom und E.On. Hält die viel gepriesene Dividendenstrategie am Ende gar nicht, was sie verspricht? Droht Anlegern jetzt ein Flächenbrand an der Dividendenfront?

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%