Einblick: Burn-out der Geldpolitik

kolumneEinblick: Burn-out der Geldpolitik

Bild vergrößern

Janet Yellen, Chefin der amerikanischen Notenbank Fed hat die Zinswende beschlossen

Kolumne von Miriam Meckel

Die Zentralbanken drücken den Leitzins weiter in neue Tiefen, weil ihre anderen Mittel erschöpft sind. Das schadet unserer Wirtschaft.

Endlich ein Signal des Aufschwungs! Mitte Dezember erhöhte die US-Notenbank nach Jahren der Nullzinspolitik und nach mehreren Ankündigungsanläufen den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt. Ein hörbares Aufatmen ging durch die Reihen der Kritiker einer expansiven Geldpolitik. Der Aufschwung in den USA musste doch einfach stabil sein, wenn die Fed jetzt den Startschuss für Zinsanhebungen gab. Leider nicht. Der Schuss war schon ein Rohrkrepierer, bevor sein Knall die Finanzmärkte überhaupt richtig erreicht hatte. Auch deshalb, weil Fed-Chefin Janet Yellen kurz nach ihrem entschlusskräftigen Moment schon wieder öffentlich verklausuliert rätselte, ob es nicht ein Schritt in die falsche Richtung gewesen sein könnte. Seitdem gilt die Schubumkehr in der US-Geldpolitik als nicht mehr ausgeschlossen, und viele Beobachter fragen sich: In welchem geldpolitischen Irrenhaus leben wir eigentlich?

In einem internationalen, lautet der erste Teil der Antwort. Fünf Zentralbanken, in Dänemark, der Euro-Zone, der Schweiz, Schweden und Japan, kleben inzwischen nicht mehr nur an der Nullzinslinie, sie verlangen für Einlagen einen Negativzins. Ähnlich desaströs das Bild bei Staatsanleihen: Nach Berechnungen der Bank JP Morgan werfen Anleihen im Wert von rund sechs Billionen Dollar eine negative Rendite ab, ihre Halter zahlen drauf – eine Folge von Negativzinsen und Aufkaufprogrammen der Notenbanken. Ein Viertel des Outputs weltweit wird unter Bedingungen der negativen Geldverzinsung erwirtschaftet.

Anzeige

Ökonom Daniel Stelter "Der Wohlstand der Mittelschicht wird sinken"

Deutschland hat die Krisen seit 2008 kaum gespürt, wir leben in einer "Wohlfühlblase", sagt Daniel Stelter. Noch. Denn die Blase könnte bald platzen. Geld und Vermögen sind bedroht. Anleger sollten sich vorbereiten.

Papierschiffchen aus Geldscheinen Quelle: Fotolia

Geldpolitik unter falschen Vorzeichen

Der zweite Teil der Antwort lautet: Es ist ein Irrenhaus mit Dauerverwahrung. In dem wird bestraft, wer einem anderen Geld zur Verfügung stellt, und belohnt, wer sich fremdes Geld leiht. Das ist Geldpolitik unter falschen Vorzeichen. Und sie wird üble langfristige Folgen für unsere Wirtschaft haben.

Das Signal, das von einer solchen Geldpolitik ausgeht, ist katastrophal: Geld ist nichts mehr wert. In ihrer nächsten Zinsrunde in der kommenden Woche wird die Europäische Zentralbank (EZB) dennoch den Leitzins wohl weiter ins Negative absenken. Wozu denn eigentlich? Bislang deutet nichts darauf hin, dass Negativzinsen Ausgaben erzwingen und die Inflationsrate nach oben treiben würden. Auch der neue Schwung an den Aktienmärkten lässt bislang auf sich warten. Die Märkte scheinen inzwischen überstimuliert.

Weitere Artikel

Wenn diese geldpolitische Maßnahme aber erkennbar unwirksam ist, bleibt nur eine Deutung: Die Zentralbanken sind mit ihrem Latein am Ende. Sie pushen Zinsen weiter in neue Tiefen, weil ihre Mittel erschöpft sind. Das ist ein Anzeichen für ein geldpolitisches Burn-out, an dem die Weltwirtschaft lange leiden wird.

Auf der Suche nach einer Erklärung wünschte man sich, der deutsche Ökonom Hermann Heinrich Gossen möge kurz aus dem Grabe auferstehen, um den Zentralbankern sein „Gesetz des abnehmenden Grenznutzens“ zu erläutern. Es besagt in Kürze, dass der Konsum eines Gutes mit zunehmender Menge einen immer geringeren Zusatznutzen bringt. Das gilt für Konsumprodukte, aber offenbar auch für das Geld der Zentralbanken, mit dem seit Jahren die Märkte geschwemmt werden. Und es gilt sogar für Worte. Mario Draghis „whatever it takes“ konnte nur ein Mal gesagt werden. Beim zweiten Mal ist der Grenznutzen nicht nur geringer, er ist schlicht erschöpft.

Anzeige

6 Kommentare zu Einblick: Burn-out der Geldpolitik

  • Es ist soweit!!!

    Nullzins schadet der Wirtschaft!

    Nullöl schadet der Wirtschaft!

    Nullmiete schadet der Wirtschaft!

    Nullgeld schadet der Wirtschaft!

    Fängt nun das neue Denken an? Nein Nulldenken schadet mehr! Ist der Schaden groß genug, gibt es wieder stürmisches Wachstum von 100 Prozent in jedem Jahr. Jährlich eine Verdopplung. In zehn Jahren das Tausendfache von heute. Macht weiter so!

  • Die Notenbanken könnten ihr selbstgewähltes, jahrzehnte altes Inflationsziel von 2% entsprechend dem heutigen Kapitalmarktumfeld (temporär) reduzieren. Das kostet nur etwas Überwindung und einen Federstrich.

    Die 2% von einst kommen noch aus einer Welt mit 3% Wirtschaftswachstum p.a. und 4% risikolosem Zins auf (Staats-)Anleihen, was es alles heute so nicht mehr gibt.

    Ich denke, daß die großen Zentralbanken mit Hinblick auf die beabsichtigte Währungsschwächung aktuell bewußt eine Fehlsteuerung mit falschen Richtgrößen betreiben. Die Notenbankgouverneure predigen somit doppelzüngig eine Fata Morgana, weil klar ist, daß das Inflationziel aktuell unerreichbar ist aber die Exportwirtschaft unterstützt werden soll.

    Leider bezahlen sie nicht die zukünftigen gesamtgesellschaftlichen Kosten von zusammenbrechenden Banken und unterversorgten Alten.

    Ansonsten ist es aber so, daß die Energieträgerpreise, die den Rückgang der Inflationsrate ausgelöst haben, inzwischen betragsmäßig so niedrig sind (Basiseffekt), daß auch eine weitere Halbierung keine weitere deutliche Senkung der Inflationsrate induziert. Vielmehr wird die Inflationsrate auf Sicht von einem Jahr auf die Rate der Kernteuerung (ohne Energie- und Lebensmittelpreise) von aktuell ca. 1% ansteigen und zukünftig sogar ggf. wieder deutlich mehr, sollten sich die Energieträgerpreise verteuern.

  • Doch ist ein toller Gedanke da!

    Gossens Gesetz des abnehmenden Grenznutzens jedes konsumierbaren Gutes soll nun auch für Geld gelten. Soll damit gesagt werden, dass Geld auch nur ein ganz beliebiges Gut ist, dessen Grenznutzen mit der Menge abnimmt? Das scheint unlogisch und doch stimmt es. Geld ist wie jedes andere Gut ein Gut, eine Ware. Nur hat diese besondere Geldware eine besondere Eigenschaft. Geld tauscht sich gegen jedes andere Gut, wenn es einen eigenen Wert als Edelmetall hat. Es ist allgemeines Äquivalent. Das ist Gold seit den Tagen des Goldenen Kalbes aus biblischer Zeit.
    Mit dem Papiergeld ist es ein kleines bisschen anders. Papiergeld kann nur im Vertrauen auf den Zahlenwert des Scheines im Zahlungsverkehr funktionieren. Ist dieses Vertrauen da, braucht es keinen eigenen Edelmetallwert mehr. Dann ist Papiergeld als Zahlungsmittel nur noch Kaufmittel und kein Tauschmittel mehr. Beim Gütertausch gegen Geld findet kein Wertewechsel mehr statt. Wertloses Papiergeld tauscht kein werthaltiges Gut, sondern zahlt es nur.
    Wer soll das denn verstehen? Die Zentralbanken??? Natürlich nicht, weil GELDPOLITIK Politik ist. Hier geht es um die Macht der Mächtigen und sonst nichts.
    Kleine Anmerkung: Könnte es sein, wenn alle Güter im Überfluss verfügbar sind, dass dann der Grenznutzen für alles auf NULL sinkt? Sind die Industriestaaten noch weit von dieser Art von Entropie entfernt? Schlaraffenland lässt grüßen? Könnten diesen Todeszustand nur noch die Armen dieser Welt hinauszögern, die noch gierig konsumieren wollen?

Alle Kommentare lesen
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%