Elsässers Auslese: Sinkende Aktienkurse - was ist zu tun?

kolumneElsässers Auslese: Sinkende Aktienkurse - was ist zu tun?

Kolumne von Markus Elsässer

Die größte Herausforderung an der Börse für den Anleger? Der Kampf gegen die eigene Psyche. Dazu eine typische Variante aus der Praxis: Das Verhalten bei sinkenden Aktienkursen. Eine Kolumne.

Hat sich der Geldanleger erst einmal zum Kauf einer bestimmten Aktie entschieden, so erwartet er im Unterbewusstsein, dass sich schon bald nach seinem ersten Kauf Positives an der Börse tun wird. Das ist natürlich unrealistisch, aber im tiefsten Inneren hätte er es doch gerne so. Vor allem sollten die Kurse seiner Aktie ab jetzt doch - bitte schön - steigen. Genüsslich verfolgt der Aktionär jede Kursbewegung nach oben. Ein wohliges Gefühl der inneren Bestätigung schleicht sich ein. Schnell fühlt sich mancher Anleger wie ein Börsengenie vom Schlag eines Bernard Baruchs oder Kostolanys. Sinkt stattdessen der Börsenkurs, ganz entgegen seiner Erwartung, so setzt eine instinktive Reaktion ein: „Das kann ja wohl nicht sein, so eine Gemeinheit, am besten gleich mal nachkaufen“.

Zur Person

  • Markus Elsässer - Value Investor

    Nach einer Industriekarriere ist Elsässer seit 1998 selbständiger Value Investor und gründete vor dreizehn Jahren den Value Fonds "ME Fonds - Special Values“ (www.aqualutum.de). Elsässer wuchs in London, Hongkong und Paris auf. Nach Banklehre und Wirtschaftsstudium in Köln arbeitete er in einer Wirtschaftsprüfungs-Sozietät, als Finanzdirektor bei Dow Chemical Deutschland, in Sydney für Benckiser und in Singapur für die Storck Gruppe. Darüber hinaus arbeitete er einige Jahre eng mit dem New Yorker Investor Guy Wyser-Pratte zusammen, mit dem er unter anderem 2001 gegen den Rüstungskonzern Rheinmetall zu Felde zog. Im Jahr 2012 gründete er mit dem Profifußballer Simon Rolfes das Sport-Management Unternehmen  Rolfes & Elsässer - The Career Company.

Das Fazit aus einer solchen Verdrossenheit heißt: Den Einstandskurs verbilligen. Dies ist eine gefährliche Zauberformel, die schon Generationen von Börsianern das Finanz-Genick gebrochen hat. Schauen wir uns einmal den Verlauf eines recht typischen Beispiels an: Der erste Kauf wurde zu Kursen um die 100 Euro getätigt. Kurze Zeit später steht die Aktie nur noch bei 91 Euro. Mutig kauft der Aktionär nach. Doch der Kursverfall setzt sich fort. Wenige Wochen später notiert die Aktie bei 78 Euro. Jetzt erst recht, heldenhaft stemmt sich der Anleger gegen die Flut. „Bei den Preisen muss man doch zuschlagen“.....und schon hängt der Investor mit seinem Engagement in einer Schieflage. Es ist eine Art Trotzreaktion („die Börse spinnt ja total“), welche den kühlen und klaren Blick vernebelt. Sobald Kurse sich ganz anders entwickeln, als erwartet, ist dies ein deutlicher Warnhinweis aller erster Güte. Es ist so, als wenn überall Stop-Schilder aufgestellt worden wären.

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Welche Aktien aus dem DAX jetzt noch kaufenswert sind

  • BMW St.

    Kurs (Euro): 112,90

    KGV 2015/16*: 11,8/11,0

    Gewinn 2014 (Mrd. Euro): 5,8

    Dividendenrendite 2015/16 (Prozent)*: 3,0/3,1

    Einschätzung: Euro gibt Rückenwind, neue Modelle bringen Schwung bis 2018

    Chance/Risiko²: 4/3

  • Continental

    Kurs (Euro): 223,85

    KGV 2015/16*: 16,0/14,5

    Gewinn 2014 (Mrd. Euro): 2,4

    Dividendenrendite 2015/16 (Prozent)*: 1,7/1,9

    Einschätzung: Sinkende Kautschukpreise und starke Nachfrage vom Automarkt

    Chance/Risiko²: 4/3

  • Deutsche Bank

    Kurs (Euro): 31,73

    KGV 2015/16*: 11,1/ 8,8

    Gewinn 2014 (Mrd. Euro): 1,7

    Dividendenrendite 2015/16 (Prozent)*: 2,6/3,4

    Einschätzung: Umstrukturierung lässt auf Kosteneinsparungen hoffen

    Chance/Risiko²: 6/5

  • Münchener Rück

    Kurs (Euro): 200,05

    KGV 2015/16*: 11,9/11,9

    Gewinn 2014 (Mrd. Euro): 3,2

    Dividendenrendite 2015/16 (Prozent)*: 4,0/4,1

    Einschätzung: Verlässliche Dividendenaktie, Niedrigzins belastet aber Gewinne

    Chance/Risiko²: 5/4

  • SAP

    Kurs (Euro): 67,74

    KGV 2015/16*: 18,2/17,0

    Gewinn 2014 (Mrd. Euro): 4,5

    Dividendenrendite 2015/16 (Prozent)*: 1,7/1,8

    Einschätzung: Langsames Cloud-Wachstum, höhere Marge bis 2020 möglich

    Chance/Risiko²: 5/4

  • ThyssenKrupp

    Kurs (Euro): 25,18

    KGV 2015/16*: 24,7/16,6

    Gewinn 2014 (Mrd. Euro): 0,2

    Dividendenrendite 2015/16 (Prozent)*: 1,1/1,5

    Einschätzung: Niedrige Energiepreise helfen, Restrukturierung senkt Kosten

    Chance/Risiko²: 7/6

  • Quellen

    * geschätzt;

    ² 1 = niedrig, 10 = hoch;

    Quelle: Bloomberg, Unternehmen, eigene Recherche; Stand: 16. April 2015

Die richtige Interpretation wäre, sein Ego in den Griff zu bekommen. Der besonnene Investor hat gelernt, dass in solchen Fällen vielleicht etwas vorliegt, was er nicht überblicken kann. Da heißt es, erst einmal nachdenken, recherchieren, Boden unter die Füße bekommen, herausfinden, was da im Busch verborgen sein könnte. Meist hat es seinen Grund, wenn ein Börsenkurs sich massiv auf Talfahrt begibt. Mit meinen 44 Jahren Börsenerfahrung als Value-Investor hat es mich viel Zeit, Geld und Mühe gekostet, konsequent diese Trotz- und (nennen wir es ruhig) Rechthaber-Reaktion abzulegen. Das war alles andere als einfach, dahin zu kommen. Ich habe gelernt, nicht blind den Einstandspreis zu verbilligen.

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3 Kommentare zu Elsässers Auslese: Sinkende Aktienkurse - was ist zu tun?

  • Die Börse ist ständig in Bewegung. Meiner Ansicht nach ist es ratsam, bei niedrigen Kursen zu kaufen und falls notwendig, bei hohen Kursen zu verkaufen. Ich persönlich sehe Aktien als eine Langzeitanlage. Sie sind eine Beteiligung an einer Firma. Bei der Kaufentscheidung ist es mir wichtig, nur Aktien zu erwerben, deren Geschäftsmodell ich verstehe.

    Natürlich ist damit auch ein gewisses Risiko verbunden. Auf lange Sicht gesehen, erhält man in der Regel mehr Dividende, als man Zinsen auf dem Sparbuch erhalten würde.

  • Ach Frau Dörr, machen Sie es sich doch nicht so schwer. Der Value Investor lebt von den Kursdifferenzen. Also teuer kaufen und billig verkaufen, aber schnell. Bei jeder Transaktion zum Umschichten des Vermögens fallen immer wieder Gebühren an. Aufgabe einer Anlagegesellschaft ist es doch nicht, die Kunden reich zu machen, sondern die Firma. So schafft man sich leicht ein kleines Vermögen, wenn man schon ein größeres hat.

  • Ein paar Gedanken zum "Depotunkraut"
    Ja, leider verhält es sich aber mit dem sogenannten Unkraut im Depot wie mit dem Unkraut im Garten. Ein zunächst unerkannter Nutzen der Pflanze treibt einen Gärtner schnell dazu das Unkraut auszureißen. Zumal der einfache Gärtner ja im Grunde gar nicht wissen kann wie sich sein "Unkraut" im Gartenbiotop nach entwickeln kann und was alles an und für sich in Ihm steckt. Wenn ich da nur an den Löwenzahn denke, der als lästiges Gartenunkraut im Salat oder im Tee doch sehr gut schmeckt und mit seinem Lebenswillen nach Licht sogar eine Teerdecke durchstossen kann.
    Die Aktien eines langfristigen Depots sollten nach fundamentalen Gesichtspunkten ausgewählt werden. Gesellschaftlich erwünschte, wirtschaftlich sinnvolle und ökologisch notwendige zukünftige Veränderungen finden Berücksichtigung. Natürlich kaufe ich Aktien eines erstklassigen forschungsorientierten Automobilzulieferers oder einer innovativen und seriösen "Computerklitsche" die in Industrie 4.0 und Cloud investiert nach, wenn der Kurs sinkt. Und wenn die Kurse wie jetzt wegen China oder dem Ölkpreis sinken kaufe ich dosiert noch mehr nach. Selbstverständlich beobachte ich die Werte in meinem Depot, die ja bekanntlich alle den Börsenzyklen unterworfen sind. Verluste realisieren würde ich erst dann, wenn für mich relativ zweifelsfrei und nach intensiver Abwägung feststeht, das ein tragendes Geschäftsmodell wegbricht oder sogar politisch nicht gewollt ist, wie es bei RWE der Fall ist. Man sollte darüber nachdenken wie und wer davon provitiert, wenn Aktiendepots laufend auf kurze Sicht hin umgeschichtet werden und damit das Aufkommen von Kauf- und Verkaufsorders steigt.

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