Elsässers Auslese: Übernahme geplatzt - und wo bleibt der Aktionär?

kolumneElsässers Auslese: Übernahme geplatzt - und wo bleibt der Aktionär?

Kolumne von Markus Elsässer

Wenn trotz üppiger Angebote Übernahmen am Managerunwillen scheitern, schauen Aktionäre in die Röhre. So wie beim geplatzten Übernahmeversuch von Syngenta bei K+S, und es gibt weitere Beispiele. Das ist nicht hinnehmbar.

Was ist eigentlich mit den Aktionären los? Sind die Vertreter des großen Kapitals wirklich noch auf Seiten der Aktionäre? Da scheitern die Übernahmeversuche bei K+S und Syngenta am Widerstand der Manager, Werte in Höhe von Milliarden Euro gehen verloren, und scheinbar regt sich keiner darüber auf. Hier zeichnet sich eine bedenkliche Entwicklung ab.

Zur Person

  • Markus Elsässer - Value Investor

    Nach einer Industriekarriere ist Elsässer seit 1998 selbständiger Value Investor und gründete vor dreizehn Jahren den Value Fonds "ME Fonds - Special Values“ (www.aqualutum.de). Elsässer wuchs in London, Hongkong und Paris auf. Nach Banklehre und Wirtschaftsstudium in Köln arbeitete er in einer Wirtschaftsprüfungs-Sozietät, als Finanzdirektor bei Dow Chemical Deutschland, in Sydney für Benckiser und in Singapur für die Storck Gruppe. Darüber hinaus arbeitete er einige Jahre eng mit dem New Yorker Investor Guy Wyser-Pratte zusammen, mit dem er unter anderem 2001 gegen den Rüstungskonzern Rheinmetall zu Felde zog. Im Jahr 2012 gründete er mit dem Profifußballer Simon Rolfes das Sport-Management Unternehmen  Rolfes & Elsässer - The Career Company.

Zunächst einmal vorweg. Ich bin grundsätzlich dafür, dass erfolgreiche Unternehmen eigenständig bleiben sollten. Noch heute tut es mir in der Seele weh, wenn ich daran denke, wie mir im Jahre 2003 die Hilti Aktie in der Schweiz und 2008 die Kaugummifirma Wrigley an der Wallstreet per Takeover abgenommen wurden. Rückblickend wären die Aktionäre besser gefahren, wenn sie noch heute diese Aktien halten könnten.

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Doch im Falle der beiden jüngst geplatzten Übernahmen, dem Schweizer Pflanzenschutz-Unternehmen Syngenta und dem deutschen Düngemittelkonzern K+S, sehe ich den Fall ganz anders. Ich hätte eine Übernahme begrüßt.

Syngenta-Übernahme Monsanto wirft das Handtuch

Es wäre der größte Zusammenschluss in der Agrarchemiebranche gewesen – doch jetzt ist die geplante Syngenta-Übernahme durch Monsanto geplatzt. Der US-Konzern Monsanto gibt auf. Die Syngenta-Aktien brachen daraufhin ein.

Monsanto Quelle: dpa

Aus welcher Perspektive sehe ich das? Nun, ganz einfach aus der des Aktionärs. Das Management hat sich vehement gegen den Aufkauf gestemmt. Der Effekt: Für die Syngenta Aktie wurden 449 Schweizer Franken - und schließlich wohl sogar 470 Franken - von einem seriösen Konkurrenten, dem amerikanischen Saatzucht-Riesen Monsanto, geboten. Nach der Ablehnung steht der Syngenta Börsenkurs nun bei 299 Franken. Ähnlich schlimm geht es den K+S Aktionären. Der kanadische Düngemittelkonzern Potash hatte 41 Euro pro Aktie geboten. Nun dümpelt die K+S Aktie auf einem Kursniveau von 24 Euro. Das sind schon beachtliche Verlustdimensionen.

Die Parallelität der beiden Fällen ist schon erstaunlich:

1. Die Börsenhistorie der beiden betroffenen Firmen ist ähnlich. Die Aktionäre wurden nicht gerade verwöhnt. K+S notierte im Juni 2008 bei mehr als 90 Euro pro Aktie in der Spitze. Seit dem ging es mit Zuckungen bergab. Im Sommer 2013 lag der Kurs der K+S Aktie schließlich im Tief bei 15 Euro. Auch Syngenta hat den Börsenaufschwung der vergangenen Jahre verpasst. Anfang 2013 stand die Aktie bei 400 Schweizer Franken, um dann in der Region bei 300 Franken vor der Übernahmeofferte zu landen. Offensichtlich haben es die Manager beider Firmen nicht verstanden, das Vertrauen der Investorengemeinschaft zu gewinnen. In keinem der beiden Fälle kann das Top-Management auf einen überragenden Erfolgsausweis zugunsten der Eigentümer verweisen.

2. In beiden Fällen war der potenzielle Aufkäufer ein hoch angesehenes Unternehmen aus der Branche. Mangelnde Kompetenz und fehlende Finanzkraft oder unlautere Absichten konnten nicht unterstellt werden.

3. Auffällig ist, dass beide Übernahmeofferten aus Nordamerika stammten. In den USA rollt seit langem eine wahre Übernahmewelle in immer größeren Ausmaßen. Wenn der Preis stimmt, ist das Unternehmen weg. Auch innerhalb Europas gibt es wenig Widerstände. Vor Kurzem wurde zum Beispiel die innereuropäische Fusion der Tür-Zugangsspezialisten Dorma+Kaba rundum begrüßt und von der Börse gutgeheißen. Hinter vorgehaltener Hand sprechen Schweizer Privatbankiers von einem allgemeinen Unmut europäischer Top-Manager, sich einer amerikanischen „Imperialisierung“ zu beugen. Es hat den Anschein, dass die Welt der „US-Corporate Culture“ sich immer weiter von der europäischen Firmenkultur entfernt. Könnte es sein, dass man sich auf den europäischen Top-Manager Etagen bedroht fühlt?

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